Manfred Albersmann

 

Quellen- und Literaturhinweise
Eisernes Buch der Gemeinde Lobberich (1929)
Zeitung „Rhein und Maas“ (1880 ff., Archiv des Kreises Viersen)
Zeitung „Grenzland-Nachrichten“ (1954 ff.)
Protokollbücher des Turnvereins Lobberich
"Blickpunkt TV Lobberich" ab 2013
Kreisarchiv Kempen

F.L. Jahn, Die deutsche Turnkunst (1816)
Neumann, H.: Deutsche Turnfeste, Spiegelbild der deutschen Turnbewegung. 2. Auflage, Limpert, Wiesbaden, (1987)
Th. Optendrenk, Lobberich im Aufbruch (1993)
A. Schmidt, Leibesübungen als Gesundheitsschutz (Leipzig 1922)
M Zanders, 1000 Jahre Lobberich (1988)
Ausstellungskatalog Archiv der Stadt Stuttgart , Zur Geschichte der Deutschen Turnbewegung (1973)

 

Aus den Anfängen der Turngeschichte
- keine Stadt, kaum ein Dorf ohne Turnverein -

Der Verein ist die Keimzelle der deutschen Turn- und Sportbewegung. Bestaunt und bespottet bilden die Vereine in Deutschland eine unübersehbare Landschaft. Sie leisten einen unschätzbaren Wert für das Wohlbefinden und den sozialen Zusammenhalt der Bevölkerung, um ihre Verdienste einmal auf den einfachsten Nenner zu bringen. Schließlich handelt es sich um freiwillige Zusammenschlüsse, um Gesinnungs- und Interessengemeinschaften, die sich selbst verwalten und bestimmen. Ohne den Verein geht nichts. Die gewaltige Turn- und Sportbewegung mit ihren nahezu 20 Millionen organisierten Mitgliedern ist ohne Verein nicht denkbar. Daran ändern auch kommerzielle und kommunale Angebote nichts“. (Der Deutsche Turnerbund, Schriftenreihe des Deutschen Turnerbundes, Heft, 1950)

Der Deutsche Turnerbund weiß die ältesten und zugleich die modernsten Vereine in seinen Reihen. Wie ein Netz überzieht die Vereinslandschaft die Bundesrepublik Deutschland. Keine Stadt, kaum ein Dorf ohne einen Turnverein, der oft als einziger Verein zu den wichtigen Kommunikationsmöglichkeiten zählt, der als der Motor für die geselligen und gesundheitlichen Aspekte vor Ort gilt. Kein Verband verfügt über so starke geschichtliche Wurzeln, schaut auf eine mitunter irritierende Vergangenheit zurück, weiß sich permanent von Tradition umgeben und präsentiert sich zugleich so gegenwartsbezogen, so offen für alle aktuellen Entwicklungen wie der DTB.

Traditionen können eine große Stütze sein, aber auch als Belastung empfunden werden. Die hohen pädagogischen Ziele und die schrillen nationalen Töne haben der Turnbewegung nicht nur in den Anfängen ihrer Geschichte viele Freunde, aber auch viele Feinde eingebracht. Schon bei der Gründung der ersten Turnvereine (den Sportverein gab es damals noch nicht) wurde die gesellschaftspolitische Bedeutung dieser neuen Art von Vereinigungen erkannt. Die Obrigkeit wurde wach und beobachtete diese Bürgerbewegung sehr genau. Wäre in den Turnvereinen nur geturnt worden, hätte sich das gesellschaftspolitische Problem einfacher gestellt. Aber die Turner hatten ja auch ein politisches Ziel: mehr Bürgerfreiheit und ein einiges Deutschland!

 

                                    

                                                  Turnvater Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852)

Das jahnsche Turnen war von seinen Anfängen an politisch akzentuiert und motiviert; politisch im ursprünglichen Sinne als Erziehungsarbeit für die Bürgergemeinde und den Staat. Friedrich Ludwig Jahn (1778 – 1852) gehörte auch zu dem erweiterten Kreis der preußischen Reformer, deren Ziel nach Freiherr vom Stein (1757-1831) „die Belebung des Gemeingeistes und des Bürgersinnes“ war. Beeinflusst vom Gedanken der Französischen Revolution (1789 – 1799) propagierte er eine nationale Erziehung, um mündige Staatsbürger heranzubilden, forderte die Abschaffung von Adelsprivilegien, den Aufbau eines Volksheeres anstelle eines Söldnerheeres und die Beseitigung von Knechtschaft und Unterdrückung jeglicher Art.

Wenn Jahn mit seinen Turnern auf der Berliner Hasenheide (1811 erfolgte hier die Errichtung des ersten Turnplatzes in Deutschland) körperliche Ertüchtigung betrieb, so war sein Erziehungsziel nicht allein darauf beschränkt. Denn neben einer aus der Not der Zeit geborenen paramilitärischen Ausbildung sollte Turnen der Charakterbildung dienen, sollte es „die verloren gegangene Gleichmäßigkeit menschlicher Bildung wiederherstellen, der bloß einseitigen Vergeistigung die wahre Leibhaftigkeit zuordnen, der Überfeinerung in der wiedergewonnenen Männlichkeit das notwendige Gegengewicht geben und in jugendlichem Zusammenleben den ganzen Menschen erfassen und ergreifen“ – Erziehungsgrundsätze, wie sie ähnlich der Pädagoge Johann Friedrich Christof GutsMuths (1759 – 1831), Begründer des Schulturnens oder Gerhard Ulrich Anton Vieth (1763 – 1836), Verfasser der „Encyklopädie der Leibesübungen“, schon vor ihm formuliert hatten.

Kommt man auch nicht umhin, Jahns Turnen in den Anfängen als bewusste Wehrertüchtigung zu werten, so ist damit keineswegs die ganze Breite jahnschen Turnens erfasst. Da sein „vaterländisches Turnen“ die wichtigste Ausformung seiner Volkstumsidee war, gehörten Wanderungen durch deutsche Gaue, Feste und Feiern zur Erinnerung an bedeutsame Ereignisse, die von ihm geschaffene Turnsprache sowie die Pflege des deutschen Brauchtums und die Einführung der turnerischen Gleichtracht zu den Geschichtsbewusstsein und Patriotismus weckenden Kräften und Maßnahmen. Hinzu kam, dass – wie Jahn den Turnbetrieb charakterisierte – „Leibesübungen von Knaben und Jünglingen frei öffentlich und vor jedermanns Augen getrieben“ wurden. Die Öffentlichkeit des Turnens wurde tatsächlich zu einer entscheidenden Antriebskraft für die territoriale Verbreitung der Turnbewegung, die ab 1813 begann und dann nach den Befreiungskriegen, an denen Jahn und zahlreiche Turner teilnahmen, stark zunahm. Als nach den Befreiungskriegen die staatliche Neuordnung Europas und vor allem Deutschlands weit hinter den hohen Erwartungen der jungen Patrioten zurückblieb, wurden die von der Staatsmacht eingeschränkten Freiheitsrechte am nachdrücklichsten von der akademischen Jugend – der Burschenschaft – einer aus patriotischem Geist und auf Anregung Jahns gegründeten Studentenorganisation – verfochten.

Die Verbindung zwischen Turnen und Burschenschaft – beides von Jahn initiiert, war so eng, dass bald der Name „Burschenturner“ geprägt war. Der „Bursche“ war verpflichtet, „seinen Körper zum Dienst des Vaterlandes gehörig auszubilden“. Das Turnen erhielt durch Aktivitäten der Professoren und Studentenschaften an vielen Universitäten starken Auftrieb. Doch immer mehr kam es zu einer wachsenden Politisierung und Radikalisierung des Turnens. Angefangen mit der „Breslauer Turnfehde“ (1819) bis hin zur Sperrung des Breslauer Turnplatzes. Mit den „Karlsbader Beschlüssen“ im Jahre 1819 (Verbot der öffentlichen Meinungsfreiheit und der Burschenschaften, Überwachung der Universitäten, Zensur der Presse, Entlassung und Berufsverbot für liberale Professoren) kam es letztlich zur Turnsperre (von 1820 – 1842) bei der es aufgrund einer königlichen Kabinettsorder zur Schließung von über 100 Turnplätzen und Turnanstalten in Preußen kam. Darüber hinaus wurden hunderte von Studenten verhaftet. Zu denen, die als „Demagogen“ verhaftet wurden, gehörte auch Friedrich Ludwig Jahn, der angeklagt und lange Jahre unter Hausarrest gestellt wurde. Das jahnsche Turnen wurde damit in Preußen und in den meisten deutschen Staaten für lange Zeit verboten.

Erst als der preußische König Friedrich Wilhelm IV. in seiner Kabinettsorder vom 6. Juni 1842 Leibesübungen als einen „notwendigen und unentbehrlichen Bestandteil der männlichen Erziehung“ förmlich anerkannte und bestimmte, sie in den Kreis der Volkserziehungsmittel aufzunehmen, da wurde die „Turnsperre“ in Preußen und bald auch in den anderen deutschen Staaten wieder aufgehoben. Die Turnbewegung erlebte nunmehr innerhalb weniger Jahre einen bedeutsamen Aufschwung und wurde zu einer politischen Bewegung, in der sich die fortschrittlichen Kräfte, die nach Einheit und Freiheit des Vaterlandes strebten, zu Aktionsgruppen in den Turnvereinen zusammenfanden.

Zu Beginn der deutschen Revolution von 1848/49, als Bürger von 39 Teilstaaten von ihren Regierungen soziale und politische Rechte, aber auch die Einheit Deutschlands forderten, lud A. Schärttner (1817-1859), auch eine führende Persönlichkeit des deutschen Turnwesens und der Revolution von 1848/49 im März 1848 alle Turner nach Hanau zu einem Turntag ein. Unter Vorsitz des Esslinger Rechtsanwaltes Theodor Georgii (1826-1892) und in Anwesenheit Friedrich Ludwig Jahns wurde am 3. April 1848 der Deutsche Turnerbund gegründet. Wegen der politischen Zielsetzung – ob Republik oder Monarchie – über die auch die Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche leidenschaftlich diskutierte, entzweiten sich die Turner. Auf dem zweiten Turntag am 2./3. Juli 1848 ebenfalls in Hanau spalteten sich die Republikaner ab und gründeten einen zweiten nationalen Verband, den Demokratischen Turnerbund. Mit dem Scheitern der bürgerlichen Revolution und der Flucht vieler demokratisch gesinnter Turner in das Ausland verschwand der demokratische Turnerbund. Ein Einigungsversuch beider Verbände mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Turnerbundes in Eisenach im August 1849 hatte keinen Erfolg; denn während des teils gemeinsam, teils getrennt stattfindenden 2. Turntags in Eisenach im März/April 1850 beschlossen die Vertreter des DTB erneut, ihre Satzung und den Bund frei von Politik zu halten. Die Vertreter des ADTB forderten hingegen die Gleichheit, Freiheit und Brüderlichkeit des deutschen Volkes – die Ideale der Französischen Revolution von 1789.

 

Von den drei in den Revolutionsjahren gegründeten nationalen Turnverbänden hat nur der zuerst entstandene Deutsche Turner Bund die Revolution und die danach erfolgten Verbote politischer Vereinigungen überstanden. Da aber der geschäftsführende Vorstand des DTB, der TV Leipzig, wenig Aktivität entwickelte, wurde er auf Drängen des MTV Braunschweig durch den MTV Hannover per Briefwahl am 16. Januar 1850 abgelöst. Aufgrund der sehr regen Korrespondenz mit den Mitglieds- und anderen Turnvereinen und – Regionalverbänden hat der Vorort (wie damals der geschäftsführende Vorstand bezeichnet wurde) Hannover die Position des DTB zunächst festigen können. Aber aufgrund von weiteren polizeilichen Überwachungsmaßnahmen, die u. a. zur Auflösung des Niederrheinisch –

Westfälischen Bezirksverbandes (1851) und des Niedersächsischen Bezirksverbandes (1855) führten, musste der Vorort Hannover seine Tätigkeiten einschränken. Er konnte z. B. nur alle zwei Jahre einen Turntag durchführen und schlug Ende 1855 die Auflösung des DTB (provokativ) vor. Auf dem Turntag in Hannover am 6. Januar 1856 wurde der MTV Hamburg zum Vorort gewählt.

 

Die erstmals 1856 in Leipzig erschienene „Deutsche Turnzeitung“ wurde das neue Presseorgan, vorher waren dies „der Turner“ aus Dresden und das „Turnblatt aus Schwaben“. Der DTB war aber wegen der polizeilichen Repressalien immer mehr zu einem norddeutschen Regionalverband eingeengt worden, dem gerade noch 16 Vereine angehörten.

 

Auf dem Turntag in Hamburg am 20. November 1859 wurde die Satzung überarbeitet und der MTV Stade zum Vorort gewählt. Dessen Vorsitzender nahm an den Besprechungen während des Deutschen Turn- und Jugendfestes ins Coburg vom 16. – 19. Juni 1860 teil. Er gliederte dann den DTB beim letzten Turntag, der einen Tag nach dem Deutschen Turnfest in Berlin 1861 abgehalten wurde, als norddeutschen Regionalverband in die de facto in Coburg gebildete Deutsche Turnerschaft ein. Der „Ruf nach Sammlung“ der beiden Schwaben Th. Georgii und C. Kallenberg in der Deutschen Turnzeitung im März 1860, der zum Turn- und Jugendfest in Coburg, an dem über 1.000 Turner teilnahmen, führte, war eine Wiedervereinigung aller bereits bestehenden Turnvereine und Regionalverbände unter dem Namen Deutsche Turnerschaft. Unter anderem hieß es in dem Aufruf: „daß wie auf allen anderen Gebieten unseres Volkslebens, so auch auf dem turnerischen, die Zeit reif geworden ist, zur festlichen Bestätigung des eigenen Wollens und Strebens deutscher Nation“. Das Coburger Turnfest stellte letztlich eine entscheidende Wende dar: Von 1860 an nahmen die Turnvereinsgründungen wieder rasch zu, sodass allein in den Jahren 1860 – 1862 über 1.000 Turnvereine entstanden, in denen aufs Neue die deutsche Frage diskutiert wurde. Die deutsche Turnbewegung war nun nicht mehr aufzuhalten.

 

Der Turnverein Lobberich 1861 e. V.
- von 1861 bis 1886 – die Gründerjahre

Lobberich in der Mitte des 19. Jahrhunderts – im Jahre 1860 ca. 3.400 Einwohner – hatte neben Kirche, Rathaus, Pfarrhaus, Vikariehaus, 2 Schulhäuser und Armenhaus (Eremitage) ca. 460 Privathäuser (davon in Lobberich selbst ca 170, der größere Rest verteilte sich auf die Honschaften Sittard, Bocholt, Flothend, Dyck, Rennekoven und Sassenfeld) und eine Apotheke. Johann Heinrich Michels hatte am Hinsbecker Weg (heutige Niedieckstraße) seine Blaufärberei gegründet. Auf manchem Bauernhof, wo bisher Flachs gesponnen wurde, begann man nun Baumwolle zu spinnen und zu spulen. Abnehmer waren u. a. die Gebrüder Felix und Victor de Ball, die ebenfalls am Hinsbecker Weg ihre Seiden- und Samtfabrik gründeten. Erster preußischer Bürgermeister wurde Johann Heinrich Kessels, Vater von elf Kindern, nicht eben arm und in durchaus verschiedenartigen Erwerbszweigen ebenso vertraut wie in den zahlreichen Sparten der Verwaltung. Von Beruf in dem kleinen Örtchen waren hauptsächlich Weber, Ackerer, Knechte und Mägde sowie Tagelöhner anzutreffen. Vereinzelt gab es auch Müller, Schäfer, Fischer, Bäcker, Metzger, Schankwirte, Schneider, Schuster, Holzschuhmacher, Schreiner, Zimmerer, Maurer, Schmiede und Kleinhändler.

Um 1850 erfuhr Lobberichs Wirtschaft eine erhebliche Wandlung. Man kann heute kaum mehr mit Sicherheit klären, ob es einem glücklichen Zufall, guten Verbindungen der Verwaltungsspitze oder günstig erworbenen Industriegrundstücken zu danken ist, daß um diese Zeit unvorhersehbar und plötzlich die örtliche industrielle Revolution ausbrach, die das Dorf aufweckte und im Laufe der folgenden Jahrzehnte zu großer Entwicklung führte. 
Zunächst gelang es dem betriebsamen Bürgermeister Kessels, die Gebrüder Felix und Victor de Ball, deren Vater Johann Ludwig in Geldern eine Samtfabrik unterhielt, nach Lobberich zu holen. Schon Ende 1845 etablierte sich am Hinsbecker Weg (spätere Bahnstraße) die Fa. J. L. de Ball & Cie., Stücksamt und Samtband, mit 400 Stühlen, wobei die Arbeitskräfte vor allem aus dem Reservoir der Heimweber kamen. Das Unternehmen ließ sich sehr erfolgreich an, auch die 1848 auftretenden Differenzen bei der Entlohnung für Stücksamt konnten im allseitigen Einvernehmen beigelegt werden. Um diese Zeit zahlte die Firma an Gewerbesteuer jährlich 19 Taler 15 Silbergroschen; die Betriebsinhaber Felix und Victor de Ball wurden mit je 12 Talern zur Klassensteuer veranlagt. Um 1849 wurde der Kaufmann Hermann Reifenstuhl in die Firma aufgenommen, der mit Felix de Ball einen Zweigbetrieb in Leipzig aufbaute.

Als die Gebrüder Niedieck unweit der Seen am Weg nach Breyell ihre große Fabrik bauten, begann die Bebauung der Breyeller Straße und des ausgesprochenen Arbeiterwohngebietes zwischen der heutigen Düsseldorfer und Flothender Straße. Vor 1850 war am letzten Haus der unteren Hochstraße Ende der Bebauung. Eine Brücke führte über den Ludbach. Durch Heide und über einen Feldweg kam man zur Eremitage. Der Weg nach Dyck führte durch hohen Buchenwald. Der im Ort gelegene Teil der Süchtelner Straße endete um 1850 noch beim früheren Möbelhaus Josten (heute: Sanitätshaus Janßen). Die nach 1860 begonnene Verlängerung der Süchtelner Straße, die durch das zweite Werk von Niedieck an der rechten Straßenseite vorangetrieben wurde, hieß ursprünglich „Sittarder Leichenweg“. Im Ortsbereich der Süchtelner Straße lagen die Postwagenstelle und der Pferdestall des Postwagenfahrers. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde das frühere Amtsgericht gebaut.

Das dem Ortskern zugehörige Stück der alten Kempener Straße hieß „Alt-Kevelaer“. Hier lagen an der linken Seite Gaststätte und Bauernhof Doerkes (später Doerkesstift, wonach heute der dahinter liegende Platz benannt ist). Bis1865/70 trafen außerhalb des bebauten Ortskerns am Stern vor den neuen katholischen Kirche Feldwege zusammen, die heute ausgebaute Straße sind: An St. Sebastian, Wevelinghover Straße, Niedieckstraße, Steegerstraße, Hochstraße. Alle diese Straßen mündeten als Hohlwege in den Platz. Die Wevelinghover Straße (früher Venloer Straße) war vor 1870 Hauptverbindung nach Hinsbeck. Die heutige Niedieckstraße war ein Weg, der zum Oirlich führte, aber hinter dem Werk von de Ball (früher Niedieck) einen Abzweiger nach Hinsbeck hatte. Die nach 1870 ausgebaute Steegerstraße verband seit alters her Bocholt und Sassenfeld. Im Oktober 1861 kam es aus wirtschaftlichen Gründen zum Verkauf der Firma de Ball an den Schwager und bisherigen Mitarbeiter Hermann van der Upwich aus Nunspeet/Holland (1835-1922), der 1851 als Lehrling in die Firma eingetreten war und nun zusammen mit Hermann Reifenstuhl den Betrieb zu weltweiter Bedeutung führte unter der Firmung: J. L. de Ball & Cie. Nachfolger, Seide- und Samtbandfabrik. Felix und Victor de Ball wurden als Partner beteiligt.

Der „Ruf zur Sammlung“ von Georgii und Kallenberg von März 1860 wird wohl, wie überall in den deutschen Landen, der Anstoß zur Gründung unseres Vereines gewesen sein. Jedenfalls trafen sich die Gründungsmitglieder Arnold von den Driesch, Wilhelm Deutges, Wilhelm Schuren, Julius Brües, Mathias Weyer, Heinrich Brahseler, Julius Hamm, Peter Heinrich Rollbrocker, Wilhelm Hohnroth, Philibert Istas, Martin Hamacher, Conrad Klumpen, Clemens Tillenberg, Lambert Antwerpen, Heinrich Jelihsen, Peter Paul Schmitz und Johann Hoeren am 2. September 1861 abends um 8 Uhr beim Wirten Peter Heinrich Rollbrocker (früheres Doerkesstift, Kempener Straße) um Nachstehendes zu beschließen:

„Heute, den 2. September 1861 sind die Unterzeichneten zusammengetreten, um nach dem Vorbilde anderer Städte Deutschlands einen Turnverein zu gründen.Lobberich, den 2. September 1861“

                            

In der 1. Generalversammlung wurde zunächst das Haus von Peter Heinrich Rollbrocker als Vereinslokal bestimmt. Hierauf schritten die Anwesenden zu Wahl eines provisorischen Turnrates (Vorstand). 1. Präsident wurde Clemens Tillenberg, Geldwart Philibert Istas, Turnwart Julius Hamm, Zeugwart Wilhelm Deutges, Schriftwart Wilhelm Hohnroth und Beisitzer Martin Hamacher.

                              
 

Den monatlichen Beitrag setzte man acht Tage später in einer der häufigen Mitgliederversammlungen auf 3 Silbergroschen (Silbergroschen (Abk. Sgr) hieß der in Preußen zwischen 1821 und 1873 geprägte Groschen, von dem 30 Stück à 12 Pfenni(n)g auf einen Taler im 14-Talerfuß gesetzlich festgelegt wurden. Vorher war der preußische Reichstaler in 24 gute Groschen à 12 Pfennig unterteilt.), für damalige Verhältnisse sehr hoch, fest. Bis zu der am 1. Oktober 1861 stattfindenden erneuten Generalversammlung wurden dann weitere 10 neue Mitglieder aufgenommen, sodass der Verein bereits 27 Mitglieder zählte. In dieser Versammlung wurde auch der endgültige Turnrat gewählt. Präsident blieb Clemens Tillenberg, Turnwart blieb Julius Hamm, Philibert Istas blieb Geldwart, Julius Kehsels wurde Schriftwart, Wilhelm Deutges blieb Zeugwart und Beisitzer wurde Johann Mommers. In der gleichen Versammlung wurden dann nachstehende Statuten beschlossen:

                                            

                               Lobbericher Turn-Vereins.
                           „Frisch! Fromm! Frei! Fröhlich!

§ 1 Zweck des Vereins. Geistige und körperliche Kräftigung, durch Streben nach möglichst vollständiger Erreichung unseres Wahlspruchs. - Der Verein enthält sich aller politischen Parteinahme als dem Zwecke der Gesellschaft durchaus nicht entsprechend.

§ 2 Der Verein besteht aus activen und passiven Turnern, auch können Ehrenmitglieder ernannt werden. Letztere haben in allen vorkommenden Fällen freien Zutritt, sind jedoch nicht stimmberechtigt.

§ 3 Als Mitglied werden nur solche aufgenommen, welche das achtzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben. Auf Veranlassung des Turnrathes sind Ausnahmen zulässig.

§ 4 Wer dem Verein als Mitglied beitreten will, hat sich durch einen Turner bei `m Turnrath anzumelden, worauf der Vorsitzende ihn am nächsten Übungstage zur Kugelung vorschlägt, die acht Tage später erfolgt.

§ 5 Bei der Kugelung spricht Stimmengleichheit gegen die Aufnahme. Derjenige, dessen Aufnahme verweigert worden ist, kann erst nach einem halben Jahr wieder in Vorschlag gebracht werden.

§ 6 Wenn zwei Drittel der Mitglieder des Vereins in einer schriftlichen Anzeige an den Turnrath Jemanden zum Ehrenmitglied vorschlägt, so ist derselbe angenommen und hat der Turnrath dieses in der nächsten Versammlung dem Verein mitzuteilen.

§ 7 Jeder Turner hat monatlich in der ersten Sitzung einen Beitrag von drei Groschen zu entrichten; außerdem hat jedes neu aufzunehmende Mitglied ein Eintrittsgeld von einem halben Thaler zu zahlen.

§ 8 Jedes Mitglied bleibt für das Eintrittsgeld und den Betrag für den ersten Monat des auf seinen Vorschlag Aufgenommenen verantwortlich.

§ 9 Ein Jeder ist zur Zahlung des Beitrages bis incl. des Monats, in welchem er den Verein verlässt, verpflichtet. Neu eintretende Mitglieder zahlen den Beitrag von dem Monate an, in welchem Sie aufgenommen werden.

§ 10 Wird von zwölf Turnern bei dem Turnrathe auf Ausschließung eines Mitgliedes schriftlich, unter Angabe der Gründe, sofern dieselben nicht persönlich sind, angetragen, so hat der Turnrath dieses dem Betroffenen anzuzeigen. Falls derselbe nicht binnen drei Tagen seinen Austritt aus dem Verein anzeigt, so hat der Turnrath den Antrag auf Ausschließung desselben vor die Hauptversammlung zu bringen, worin dem Angeklagten das Recht der Verteidigung zusteht. Es müssen bei der dann stattfindenden Kugelung zwei Drittel der Anwesenden gegen den Angeklagten entscheiden, wenn dessen Ausschließung erfolgen soll. Die Namen der Antragsteller muss der Turnrath verschweigen und die betreffende Eingabe vernichten.

§ 11 Sowohl der freiwillige als bedingte Austritt ruft den Verlust allen Anrechtes auf das Eigentum des Vereins nach sich. Verlässt jedoch ein Mitglied nur zeitweise unser Dorf, resp. verlässt es sein Domizil, so verbleiben demselben seine Rechte und hat es seinen Beitrag erst vom Anfange des Monats wieder zu entrichten, so es sich neu anmeldet, ohne einer Ballotage unterworfen zu werden.

§ 12 Der Verein wählt aus seiner Mitte einen Turnrath, welchem die Verwaltung der Vereinsangelegenheiten obliegt. Derselbe besteht aus einem Vorsitzenden, einem Turnwart, einem Zeugwart, einem Schriftwart, einem Geldwart und einem Beisitzenden.

§ 13 Der Vorsitzende führt den Vorsitz in den Hauptversammlungen
a) und Turnraths-Sitzungen, in seiner Abwesenheit übernimmt ein anderes Mitglied des Turnrathes den Vorsitz, worüber derselbe sich zu einigen hat.
b) Der Turnwart leitet die Turnübungen, entwirft die Turnordnung, teilt die Riege ein und ernennt ebenso die Vorturner und Anmänner; seinen Anordnungen auf dem Turnplatze hat sich jeder zu fügen.

c) Der Zeugwart sorgt stets für den guten Zustand der Turngeräte.
d) Der Schriftwart hat alle schriftlichen Ausfertigungen des Vereins zu besorgen und führt das Protokoll in den Hauptversammlungen und Turnraths-Sitzungen.

§ 14 Der Turnrath wird durch Stimmzettel gewählt. Nach Ablauf eines jeden Vereinsjahres legt derselbe sein Amt nieder, ist jedoch wieder wählbar.

§ 15 Der Turnrath als Vereinsvertreter besorgt alle laufenden Geschäfte desselben und ist für seine Handlungen dem Vereine gegenüber verantwortlich.

§ 16 Der Turnrath hält monatlich eine Sitzung zur Erörterung von Vereinssachen. In einer Turnratssitzung gibt die Anwesenheit von fünf Mitgliedern bei einfacher Stimmenmehrheit den Beschlüssen Gültigkeit.

§ 17 Der Turnrath kann über die gewöhnlichen kleinen Ausgaben verfügen, darf jedoch die Summe von drei Thaler in einem viertel Jahr nicht überschreiten; bei außerordentlichen Auslagen ist jedoch eine Hauptversammlung zu berufen.

§ 18 Auswärtige Turner haben freien Zutritt.

§ 19 Die Turnübungen finden statt, Montag und Donnerstag abends zwischen acht und elf Uhr.

§ 20 Die Benutzung der Turngeräte ist auch außer den Turnstunden jedem Turner gestattet, jedoch ist derselbe, sofern dieselben durch eingeführte Nichtmitglieder beschädigt werden, dem Verein dafür verantwortlich.

§ 21 Jede Hauptversammlung muss acht Tage vorher bekannt gegeben werden.

§ 22 Der Vorsitzende muss vierteljährlich eine regelmäßige wiederkehrende Hauptversammlung anberaumen und sind demselben alle Anträge, welche alsdann zur Sprache gebracht werden sollen, schriftlich einzureichen. Dieselben werden dann der Reihe nach behandelt. Anträge und Mittheilungen des Turnrathes gehen allen anderen vor. Wird aber inzwischen ein von acht Turnern unterzeichneter Antrag eingereicht, so muss der Turnrat innerhalb von zwölf Tagen eine Hauptversammlung zusammenrufen.

§ 23 Kein Mitglied darf sprechen, ehe ihm vom Vorsitzenden das Wort ertheilt wird, was nach der Reihenfolge der Anmeldungen geschieht. Bei einem etwaigen Verstoße des Redners gegen die Ordnung, ist der Vorsitzende ermächtigt, nach zweimaligem Ordnungsrufe ihm das Wort zu entziehen, und wird die Ordnung überaus gestört, nach dreimaligem Ordnungsrufe die Versammlung zu vertagen.

§ 24 Bei den Abstimmungen in der Hauptversammlung entscheidet unbedingte Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.

§ 25 Jede ordnungsmäßig zusammenberufene Hauptversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden beschlussfähig und hat sich diesen Beschlüssen jedes Mitglied unbedingt zu unterwerfen.

§ 26 Zur Auflösung des Vereins ist die Zustimmung von sieben Achtel der Mitglieder erforderlich.

§ 27 Jedes Mitglied hat vorstehende Satzung zu unterschreiben und verpflichtet sich dadurch, denselben Folge zu leisten.

§ 28 Falls es später Notwendigkeit erfordert, können Abänderungen und Zusätze zu diesen Satzungen durch Beschluss einer Hauptversammlung gemacht werden.

Zu § 15 das Überschreiben des Wörtchens „ist“ und das Durchstreichen der beiden Worte vom Verein ist genehmigt.

Lobberich, den 1. October 1861

                           

Diese Statuten wurden am 16. Oktober 1861 vom damaligen Bürgermeister Kessels genehmigt und mitunterzeichnet.

Verfügung des Landrates Foerster von Kempen vom 16. Juli 1862

Höherer Bestimmung zufolge sind die Turnvereine nach Zweck und Wirksamkeit zu den unter das Gesetz vom 11. März 1850, das Versammlungs- und Vereinigungsrecht betreffend, fallenden Vereine zu zählen. Demgemäß sollen von denselben die Statuten und ein Nachweis der Mitglieder, sowie eine Anzeige der abzuhaltenden Versammlungen erfordert und diese Letzteren durch Polizeibeamte beschickt, alle Übertretungen der Verordnungen vom 11. März 1850 zur gerichtlichen Bestrafung angezeigt, auch geeignetenfalls dergleichen Vereine vorläufig geschlossen werden.

Wo Privatpersonen die Errichtung einer Turnanstalt beabsichtigen, ist dazu nach § 40 und 50 der Allgemeinen Gewerbeordnung vom 17. Januar 1845 eine besondere Konzession erforderlich. Sofern diese Einrichtung von Turnvereinen beabsichtigt wird, ist hiernach zu verfahren und sofern dergleichen Vereine bereits bestehen, sind die Statuten sowie ein Verzeichnis der Mitglieder resp. des Vorstandes baldigst einzusenden, auch ist anzuzeigen, ob der Verein regelmäßige Versammlungen und an welchem Orte hält, beziehungsweise wann die erforderliche Konzession erteilt ist.

Sollten bei der polizeilichen Überwachung der Vereine übrigens irgendwelche Wahrnehmungen gemacht werden, so sehe ich hierüber in jedem einzelnen Falle Ihren Anzeigen entgegen.

Bürgermeister Kessels kam dieser Verordnung nach und antwortete dem Landrat:

Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich anliegend in Erledigung vorstehender Verfügung eine beglaubigte Abschrift der Statuten des hiesigen Turnvereines sowie ein Verzeichnis der Mitglieder desselben mit dem Bemerken gehorsamst einzusenden, daß der Verein sich jeden Montag und Donnerstag der Woche zu den Turnübungen - § 19 der Statuten – bei dem Schankwirten Rollbrocker hierselbst versammelt. Der Verein wird von mir polizeilich überwacht und sollten, was übrigens nicht zu erwarten steht, Übertretungen der Verordnungen vom 11. 3. 1850 vorkommen, so werde ich die nötigen Schritte zur Bestrafung einleiten.

Der Bürgermeister

Turnabende fanden im Winter einmal und im Sommer zweimal wöchentlich statt. Mit dem Besuch muss man es sehr ernst genommen haben; recht bald setzte man nämlich ein Strafgeld von 1 Silbergroschen für nicht erscheinende Mitglieder fest. Bereits am 28. November 1861 nahm der Turnverein mit 10 Mitgliedern an einem Schauturnen in Viersen teil. Wie es scheint, hat zumindest im ersten Jahr der Gründung ein sehr reges Vereinsleben geherrscht, um die Ziele und Zwecke des Vereins weiter auszubauen und zu fördern. Am 5. Dezember 1861 wählte die Generalversammlung Jacob Reiners zum neuen Präsidenten. In der Generalversammlung vom 27. März 1862 wurde der Beschluss gefasst, auch Turnschüler aufzunehmen, die einen monatlichen Beitrag für den Turnunterricht von 1 ½ Sgr zu leisten hatten, während der Mitgliederbeitrag von 3 auf 2 Sgr. herabgesetzt wurde. Ob der Beschluss Erfolg gehabt hat, lässt sich nicht feststellen. Das Protokollbuch macht darüber keine Aussagen. Ein reger Verkehr entfaltete sich auch zwischen den benachbarten Turnvereinen Kempen, St. Tönis und Dülken, wohin Turnfahrten unternommen wurden. Dem Turnen auf volkstümlicher Grundlage folgte dann auch bald das Geräteturnen. Die talentierten Turner wurden nach Krefeld und Mönchengladbach zu Lehrgängen geschickt. Dank der guten Vorturnerausbildung wurden das Gauturnfest in Mönchengladbach und verschiedene Stiftungsfeste benachbarter Vereine besucht. In der Generalversammlung vom 11. September 1862 wurden die Gebrüder Julius und Carl Niedieck als Mitglieder aufgenommen.

Leider fehlen uns über den Verlauf des am 30. 8. 1863 gefeierten 2. Stiftungsfestes jegliche Aufzeichnungen.

Mit der Zahlung der Beiträge waren die Mitglieder wohl sehr nachlässig; denn die Generalversammlung vom 17. August 1863 beschloss, die säumigen Zahler, die nach vorhergehender Aufforderung innerhalb von vier Wochen nicht zahlten, auszuschließen. Ein weiterer Beweis dafür, dass verschiedene Mitglieder es mit der Zahlung der Beiträge nicht so genau nahmen, lieferte die Anschaffung des Bildes „Vater Jahn“. Dasselbe sollte unter der Bedingung gekauft werden, dass der Verkäufer Schuren den rückständigen Beitrag von 1 Taler 26 Sgr zahlte. Ob aus diesem Handelsgeschäft etwas geworden ist, verschweigt leider das Protokollbuch. Die Generalversammlung vom 21. 9. 1863 wählte Julius Hamm zum neuen Präsidenten. Anscheinend haben sich die Mitglieder nach ihren ersten „patriotischen Taten“ auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Der Präsident, zu welchem mittlerweile der Turnwart Julius Hamm avanciert war (er hatte den Kunstmaler Jakob Reiners abgelöst), empfahl in der Januargeneralversammlung von 1864 „angelegentlichst ein häufiges Zusammentreffen der Mitglieder an den festgesetzten Turntagen“. Die Klagen über die schlechte Zahlungsmoral der Mitglieder wurden auch wieder laut und der Turnrat beschloss, vom § 28 der Statuten betr. Ausschluss der Mitglieder wegen Nichtzahlung rückständiger Beiträge sofort Gebrauch zu machen. „Im allgemeinen“, heißt es in dem Versammlungsprotokoll, „berührt es unangenehm, dass trotz des gediegenen und umfassenden Vortrages des Präsidenten die Beiträge so ganz unregelmäßig eingingen.“

Am 17. 1. 1865 wurde Johann Hoeren Präsident des Turnvereins, während Julius Hamm wieder als Turnwart fungierte. Nochmals wurde im April 1865 der Beschluss gefasst, die rückständigen Beiträge aus den Jahren 1863 und 1864 einzuziehen und nach Ablauf von 4 Wochen Frist gegen die „Remittenten“ nach § 28 der Statuten zu verfahren. Im Juli 1865 machte die Generalversammlung hiervon Gebrauch und schloss 7 Mitglieder aus. Dieser Ausschluss hatte anscheinend nicht viel Eindruck auf andere Säumige gemacht, denn im Oktober wurden wieder Klagen über rückständige Beiträge laut. Es wurde dann beschlossen, den Jahresbeitrag auf 10 Sgr zu ermäßigen.

Einen recht befremdlichen Beschluss fasste die Generalversammlung vom 3. Mai 1866. In dem Protokoll heißt es: „Es wurde einstimmig beschlossen, die in der Vereinskasse sich befindende Summe von zehn Talern zu Dombaulotterielosen zu verwenden. Der Überschuss, zu drei Talern festgestellt, wird am Mittwoch, den 16. Mai 1866 durch Ankerbier vertilgt.“ Der Verein hat wohl damals vermutlich vor der Auflösung gestanden, sonst hätte ein derartiger Beschluss wohl nicht gefasst werden können. Die Pflege des Vereinszieles - schließlich in den Statuten festgelegt - hatten die Mitglieder wohl größtenteils aus den Augen verloren: Die Turngeräte waren in großer Unordnung - über ein Jahr schweigt das Protokollbuch über jede Vereinstätigkeit.

In der Generalversammlung vom 31. Juli 1867 wurde mit Stimmenmehrheit beschlossen, die rückständigen Beiträge nur bis zum November 1865 zu erheben, von da ab sollte jeder monatliche Beitrag fortfallen. Damit hatte der Verein also keinerlei Einnahmen mehr. Der Beschluss vom 3. Mai 1866 über die „Vertilgung“ der drei Taler durch Biere war noch nicht ausgeführt worden, weshalb beschlossen wurde, die „bestimmten Taler in fünf Wochen zu verzehren“. Lakonisch heißt es weiter in dem Bericht über die Versammlung: „Das Turnen wurde in die Hände des Turnwartes, die Herstellung der Geräte in die Hände des Zeugwartes gelegt.“

Dennoch sind die Mitglieder nur selten zu den angesetzten Turnzeiten erschienen; Lust und Eifer der Gründungszeit für die Turnsache war wohl etwas abgeklungen, so dass der Turnrat am 12.6.1866 beantragte, den Verein aufzulösen. Im Falle der Nichtauflösung erklärten sich jedoch 16 junge Leute bereit, Mitglied im Verein zu werden. Zu der Generalversammlung hatten sich indes nicht die gemäß Statut vorgesehenen 7/8 der Mitglieder eingefunden, welche über die Auflösung hätten beschließen können, woraufhin die 16 neuen Mitglieder aufgenommen wurden und die geplante Auflösung noch einmal zurückgestellt wurde.

Nun zog wieder neues Leben in den Turnverein ein. Die Geräte werden gründlich repariert, der Vorstand unter dem alten Präsidenten wurde vollständig erneuert und zum dritten Male beschloss die Versammlung, dass die ausgeworfenen drei Taler nunmehr aber „redlich“ vertrunken werden sollen. Ob´s gelungen ist? Jetzt wurden auch wieder Beiträge gezahlt und nochmals 16 neue Mitglieder aufgenommen, unter denen die Brüder Bernhard und Clemens Niedieck waren.

Am 12. September 1866 beging der Turnverein das 4. Stiftungsfest durch Schauturnen, Konzert und Ball. Die Verbindung mit der Organisation der Deutschen Turnerschaft wurde angeknüpft. W. Von Bergh ging als Delegierter zum rheinisch-westfälischen Turnertag nach Barmen. Die Mitglieder zahlten seinerzeit wohl nur sehr ungern Beiträge, denn nur mit einer Stimme Mehrheit wurde am 17. November 1868 beschlossen, den § 7 des Statuts - Erhebung von Beiträgen - wieder in Kraft zu setzen.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass seit dem 1. Januar 1868 Lobberich durch die Fertigstellung der Eisenbahnlinie Kempen - Venlo verkehrsgünstig angebunden wurde.

Am 13. Januar 1869 erhielt der Turnverein einen neuen Vorstand. Präsident wurde Wilhelm de Vos. Nach einem halben Jahr schied der neue Präsident jedoch wieder aus seinem Amte und Johann Mommers wurde als solcher gewählt. Unter seiner Leitung schloss sich der Verein dem rheinisch-westfälischen Turnverband an. 
Einem Verzeichnis von 1869 nach hatte der Verein folgende Mitglieder: Johann Mommers (Vorsitzender), Theodor Trüpel (Schriftwart), Peuten (Turnwart), W. von Bergh (Zeugwart), C. Hasencox (Geldwart), Th. Forth (Beisitzer) und die Mitglieder Julius Niedieck, Carl Niedieck, Bernhard Niedieck, Maeters, Hubert Mommers, Richard Mommers, Eduard Istas, Phil. Istas, J. Jansen, M. Franken, Julius Kehsels, L. Reiners, Jac. Huenges, P.H. Rollbrocker, M. Schönkes, F. Schmalohr, A. Uerschels, G. Dömges, Schumacher, J. Abels, H. Inderbieten, H. Heythausen, W. Schmitter, G. Schelkes, Norb. Smets, Anton Terstappen, Joh. Backes, Giebmanns, J. van der Heyden, E. Corty, A. Syllwasschy und W. Lamberts.

Als Zeichen der Anerkennung und des Vertrauens muss es angesehen werden, dass dem Turnverein Lobberich das Turnfest des Gladbacher Gauverbandes übertragen wurde. Dieser wichtige Vorgang wird im Protokollbuch jedoch nur recht stiefmütterlich behandelt. Es meldet nur, dass das Fest am 25. Juli 1869 auf der Gemeindewiese abgehalten werden soll, der Bürgermeister Winkelmann den Vorsitz im Festkomitee haben soll und, die Anordnungen dem Letzteren überlassen bleiben. Das Schauturnen fand, wie sich aus einem späteren Bericht ergibt, auf der Gemeindewiese an der Vogelstange statt.

Die Protokollbuchführung war seinerzeit recht mangelhaft. Ein gravierendes Zeichen dafür, wie selbst wichtigste Vereinsangelegenheiten „unter den Tisch fielen“, könnte man darin sehen, dass von dem vorgenannten Gaufest lediglich zwei Sätze im Protokoll erwähnt wurden. Außerdem verschweigt das Protokollbuch auch den Besitz bzw. die Anschaffung einer vereinseigenen Fahne. Diese wird erstmals nebenher im Protokoll der Generalversammlung vom 2. Juli 1869 erwähnt, in dem das Mitglied Friedrich Wustmann sich erbot, beim Gaufest die Fahne zu tragen. 
Am 23. Februar 1869 initiierte der Lobbericher Pfarrer Ludwig Hegger den Bau eines Krankenhauses. Zur Gründung kam es jedoch nicht, weil man sich über die Trägerschaft nicht einigen konnte. Dies wurde erst im Jahre 1886 verwirklicht.

In der Generalversammlung vom 5. Januar 1870 wurde Notar Döhmer neuer Präsident des Vereins. In der gleichen Versammlung wurde im Allgemeinen darüber Klage geführt, dass seit einigen Monaten die Beteiligung an den Turnabenden eine beklagenswerte sei. Erneut trat im Vereinsleben eine Flaute ein. Weil darüber hinaus viele Mitglieder am Feldzuge gegen Frankreich 1870/71 teilnehmen mussten, wurde am 18. 1. 1871 beschlossen, das Turnen und die Versammlungen zunächst bis zum Frühjahr 1871 zu vertagen.

Dass jedoch außer dem Turnen auch der Humor (vielleicht seinerzeit sogar mehr) im Turnverein gepflegt wurde, geht daraus hervor, dass am 19. Januar 1871 eine „Karnevalistische Sitzung“ abgehalten wurde, worüber das Protokoll wie folgt berichtet:

                        „ERSTE KARNEVALISTISCHE SITZUNG
                              Lobberich, den 19. Januar 1871
                                 Morgens 12 Uhr 5 Minuten

„In Anbetracht, dass unter dem 18. Januar 1871 beschlossen wurde, die Sitzungen des Turnvereins bis zum Frühjahr zu vertagen, wurde unter dem heutigen Datum beschlossen, die Reihe der karnevalistischen Sitzungen zu eröffnen. Den Reigen der diesjährigen Vorträge eröffnete eine Debatte zwischen den Genossen Moubis, Köster und Schulz contra Genossen in spe Ed. Voß. Dieselbe wurde in sehr humoristischer Weise mit Benutzung des „Fritzels vor den Henese Fleck“, erschienen im Verlage von Fritz Jansen in Dülken, in Krämerlatein geführt und brachte die ganze Gesellschaft in sehr fidele Stimmung. Genosse Emil von und zu Imhoff in spe äußerte den Wunsch, künftig dem Verein anzugehören und versprach, durch fleißiges Studium des Fritzels, sich den Henese Fleck so anzueignen, dass er von sich sagen könne: Minotes holt den Henese Fleck. Ferner wurde beschlossen dass diejenigen Mitglieder, welche bisher noch keine „Schmelen an den Schmerf“ hatten, in Zukunft sich solche anzuschaffen und gehalten sein zu sollen zu denken nicht gedacht werden kann.

So geschehen in Lobberich im Jahre des Unheils
1871 am 19. Januar morgens 1 Uhr.

Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben

Seit dem 2. August 1871, wo eine Mitgliederversammlung mit unwichtiger Tagesordnung stattfand, bis zum 14. Mai 1873 besitzen wir keine besonderen Nachrichten aus dem Verein. Es besteht die Vermutung, dass wieder einmal - vielleicht auch bedingt durch die Nachkriegswirren - für kurze Zeit ein Stillstand im Vereinsleben bestand. Einem früheren Zeitungsartikel nach ist die Erklärung darin zu suchen, dass zur damaligen Zeit der Zweck des Turnens noch nicht so tief in alle Volksschichten eingedrungen war. Vielmehr betrachtete man auf dem Lande die Turnvereine mehr als gesellige Vereine, die „nebenbei noch etwas turnten“.

Doch nicht lange dauerte es, bis es wieder zu einem leichten Aufschwung im Vereinsleben kam. In einer am 22. Mai 1874 bei Rollbrocker durchgeführten Versammlung wurde angeregt, aus den Reihen der Mitglieder eine Feuerwehr zu gründen. Ende Mai 1874 wählte man einen neuen Vorstand. Vorsitzender wurde Notar Döhmer, der damit sein Amt behielt. Turnwart Lehrer Heymer, Geldwart Kaspar Hasenkox. Als Turnlokal wurde das Hotel Kessels gewählt. Neue Statuten wurden ausgearbeitet und in Kraft gesetzt. Die Krise schien endgültig vorüber. Am 27. 9. 1874 wurde bereits wieder ein Schauturnen mit anschließendem Ball abgehalten. Die bereits seit längerer Zeit in treuer Obhut des Mitglieds Karl Schöny gewesene Vereinsfahne wurde dem Verein wieder zurückgegeben. Ein Turnfest in Venlo bei dem damaligen Verein „Oranje Venlo“ wurde besucht, wobei Kontakte geknüpft wurden, die lange angehalten haben.

In der Jahreshauptversammlung vom 22. Mai 1874 wurden die Statuten in einigen Paragrafen geändert und dann insgesamt neu festgesetzt:

                                    Statuten
                                        des
                    Turn Vereins zu Lobberich
     Wahlspruch Frisch, Fromm, Frei, Fröhlich

§ 1
Zweck des Vereins: geistige und körperliche Kräftigung durch Streben nach möglichst vollständiger Erreichung unseres Wahlspruchs. Der Verein enthält sich aller politischen Teilnahme als dem Zwecke desselben nicht entsprechend.

§ 2
Der Verein besteht aus aktiven und inaktiven Mitgliedern. Letztere haben bei allen vorkommenden Fällen freien Zutritt, sind jedoch nur bei einer etwaigen Abänderung der Statuten stimmberechtigt.

§ 3
Als Mitglieder werden nur solche aufgenommen, welche das achtzehnte Lebensjahr zurückgelegt haben; jüngeren Leuten kann der Vorstand als „Turnschüler“ aufnehmen.

§ 4
Wer dem Verein beitreten will, hat sich beim Vorstand schriftlich anzumelden, worauf dieser über die Aufnahme innerhalb acht Tagen entscheidet.

§ 5
Derjenige, dessen Aufnahme abgelehnt wird, kann sich erst nach Ablauf eines halben Jahres wieder zur Aufnahme melden.

§ 6
Jedes Mitglied hat monatlich in der ersten Sitzung einen Beitrag von drei Silbergroschen zu entrichten; außerdem hat jedes neu aufgenommene aktive Mitglied ein Eintrittsgeld von einem halben Thaler zu zahlen, wogegen inaktive Mitglieder von der Zahlung eines Eintrittsgeldes befreit sind. Die Turnschüler entrichten einen monatlichen Beitrag von einem Groschen.

§ 7
Ein Jahr ist zur Zahlung des Beitrages bis incl. des Monats, in welchem er den Verein verlässt, verpflichtet. Neu eintretende Mitglieder zahlen den Beitrag von dem Monat an, in welchem sie aufgenommen werden.

§ 8
Soll ein Mitglied des Turnvereins aus Letztem ausgeschlossen werden, so muß ein derartiger Antrag mindestens von zwölf Mitgliedern des Vereins beim Turnrat schriftlich unter Angabe der Gründe eingebracht werden. Der Turnrat hat alsdann die Rechtfertigung des Auszuschließenden anzuhören und den Antrag auf Ausschließung vor die nächste Hauptversammlung zu bringen. Zur Ausschließung des Betreffenden müssen drei Viertel der stimmberechtigten Anwesenden gegen denselben entscheiden.

§ 9
Sowohl der freiwillige als bedingte Austritt ruft den Verlust allen Anrechts auf das Eigentum des Vereins nach sich.

§ 10
Die aktiven Mitglieder wählen einen Turnrat, welchem die Verwaltung der Vereinsangelegenheiten obliegt. Derselbe besteht aus einem Vorsitzenden, einem Turnwart, einem Zeugwart, einem Schriftwart, einem Geldwart und einem Beisitzenden. Der Turnwart und Zeugwart können nur aus aktiven, die übrigen Turnratsmitglieder dagegen auch aus den inaktiven Mitgliedern gewählt werden und werden als solche durch diese Wahl in allen Vereinsangelegenheiten stimmberechtigt.

§ 11 a
Der Vorsitzende führt den Vorsitz in allen Hauptversammlungen und Turnratssitzungen und wird in Abwesenheit durch den Beisitzenden vertreten.

§ 11 b
Der Turnwart leitet die Turnübungen, entwirft die Turnordnung, teilt die Riegen ein und ernennt ebenso die Vorturner und Anmänner, seinen Anordnungen auf dem Turnplatze hat sich jeder zu fügen. Der Turnwart hat, ohne selbst an einen Vorturnposten gebunden zu sein, sämtliche Riegen zu beaufsichtigen und jeder derselben ihren Platz anzuweisen.

§ 11 c
Der Zeugwart sorgt stets für den guten Zustand der Turngeräte.

§ 11 d
Der Schriftwart hat alle schriftlichen Arbeiten des Vereins zu besorgen

§ 11 e
Der Geldwart besorgt die Einnahmen und Ausgaben des Vereins und hat hierüber dem Turnrate vierteljährlich Rechnung abzulegen, der dieselbe prüft, und in der Hauptversammlung dem Verein das Resultat mitteilt.

§ 12
Der Turnrat wird durch Stimmzettel gewählt. Im April eines jeden Jahres legt derselbe sein Amt nieder und findet alsdann in einer, 14 Tage vorher anzukündigenden Hauptversammlung die Neuwahl statt, bei, welche die Ausscheidenden wieder wählbar sind.

§ 13
Der Turnrat als Vereinsvertreter besorgt alle laufenden Geschäfte und ist für seine Handlungen dem Verein gegenüber verantwortlich.

§ 14
Der Turnrat hält monatlich eine regelmäßige Sitzung zur Erörterung von Vereinssachen. In den Turnratssitzungen gibt die Anwesenheit von fünf Mitgliedern bei einfacher Stimmenmehrheit den Beschlüssen Gültigkeit; bei Stimmungsgleichheit entscheidet der Vorsitzende.

§ 15
Der Turnrat kann über die gewöhnlichen Ausgaben verfügen, darf jedoch die Summe von zwanzig Mark in einem Vierteljahr nicht überschreiten, bei größeren Ausgaben ist eine Hauptversammlung zu berufen.

§ 16
Auswärtige Turner haben freien Zutritt zu den Turnstunden und Versammlungen.

§ 17
Die Turnübungen finden statt Mittwoch und Freitag abends von Punkt 9 bis 10 Uhr.

§ 18
Wenn ein aktives Mitglied an einem Turnabend ohne Entschuldigung fehlt, so zahlt derselbe 1 Sgr. Strafe an die Vereinskasse. Die Entschuldigungen müssen schriftlich einem Vorstandsmitglied eingereicht werden. Jeder aktive Turner, der nicht Punkt um neun Uhr auf dem Turnplatze erscheint, zahlt ½ SGr. Strafe. Diese Strafgelder werden mit den monatlichen Beiträgen entrichtet.

§ 19
Die Benutzung der Turngeräte ist auch außer den Turnstunden jedem Turner gestattet, jedoch ist dieser, sofern dieselben sich durch eingeführte Nichtmitglieder beschädigt werden, dem Verein dafür verantwortlich.

§ 20
Jede Hauptversammlung ist acht Tage vorher (Ausnahmen: § 12) unter Angabe der Tagesordnung bekannt zu machen und müssen hierzu auch die inaktiven Mitglieder eingeladen werden.

§ 21
Der Vorsitzende muß vierteljährlich eine regelmäßig wiederkehrende Hauptversammlung anberaumen und sind derselben alle Anträge, welche alsdann zur Sprache gebracht worden dann der Reihe nach verhandelt. Anträge und Mitteilungen des Turnrates gehen allen anderen vor. Wird während der Zwischenzeit ein von acht aktiven Mitgliedern unterzeichneter Antrag eingereicht, so muß der Turnrat innerhalb zwölf Tagen eine außergewöhnliche Hauptversammlung zusammenberufen.

§ 22
Kein Mitglied darf sprechen, ohne dass ihm vom Vorsitzenden das Wort erteilt, ist, was nach der Reihenfolge der Anmeldungen geschieht; bei einem etwaigen Verstoß des Redners gegen die Ordnung ist der Vorsitzende berechtigt, nach zweimaligem Ordnungsrufe das Wort zu entziehen und falls überhaupt die Ordnung gestört wird, nach dreimaligem Ordnungsrufe die Versammlung zu vertagen.

§ 23
Bei den Abstimmungen in den Hauptversammlungen entscheidet absolute Stimmenmehrheit. Bei Stimmengleichheit entscheidet der Vorsitzende.

§ 24
Jede ordnungsmäßig zusammenberufende Hauptversammlung ist ohne Rücksicht auf die Zahl der Anwesenden (Ausnahme: § 25) beschlussfähig und hat sich diesen Beschlüssen jedes Mitglied unbedingt zu fügen.

§ 25
Zur Auflösung des Vereins ist die Zustimmung von sieben Achteln der Mitglieder erforderlich.

§ 26
Jedes Mitglied hat vorstehende Satzungen zu unterschreiben und verpflichtet sich dadurch, denselben Folge zu leisten.

§ 27
Falls es später die Notwendigkeit erfordert, können Abänderungen und Zusätze dieses Statuts durch Beschluss einer Hauptversammlung gemacht werden.

Also festgestellt am 22. Mai 1874

In der gleichen Versammlung kam es erneut zu einer Aussprache über die Gründung einer freiwilligen Turnerfeuerwehr, zumal die Bevölkerung Lobberichs sehr stark wuchs, und „der Bedarf an einer solchen Wehr immer größer wurde“. Bürgermeister Stankeit war der Ansicht, wenn sich auch inaktive Mitglieder sowie Nichtmitglieder aus dem handwerklichen Bereich beteiligen würden, müsste eine solche Feuerwehr wohl zustande zu bringen sein. Nach längerer Debatte wurde eine Kommission gewählt, die sich mit der Errichtung einer Feuerwehr befassen sollte, deren Mitglieder der Turnrat sowie Hugo Schöny, August Schulz und Hermann Lücker waren. Die freiwillige Feuerwehr Lobberich konstituierte sich schließlich am 8. 8. 1874. Der damalige Vorstand bestand aus dem Präses Bürgermeister Th. Stankeit, dem Chef Hugo Schöny, dem stellvertretenden Chef Paul Mertz, dem Schriftführer August Schulz, dem Rendanten Notar Döhmer und dem Geräte- und Zeugwart Theodor Buntenbroich.

Am 24 Mai 1876 wurde ein neuer Vorstand gewählt: Präsident Julius Kessels, 1. Turnwart Gustav Tohang, 2. Turnwart J. Girmes, Zeugwart H. Peuthen, Schriftwart G. Kuijper, Geldwart C. Hasenkox, Beisitzer Notar Döhmer. Bis August 1876 verzeichnet das Protokollbuch keine weiteren Eintragungen. Dann kam es am 11. August 1876 zu einer denkwürdigen Generalversammlung. Unter Punk 2 der Tagesordnung „Besprechung verschiedener Vereinsangelegenheiten“ sagt das Protokollbuch:

Der § 25 der Statuten wird aufgehoben und an dessen Stelle wird Folgendes festgestellt:
Zur Auflösung des Vereins ist die Stimmenmehrheit der durch eine regelgerechte neu berufene Generalversammlung anwesenden Mitglieder erforderlich. Demzufolge beschießt die heutige Generalversammlung, den Turnverein aufzulösen und zwar aus dem Grunde, weil die Beteiligung seit sehr langer Zeit eine schwache oder weil eher gar keine gewesen ist, weder bei den Turnstunden noch bei den Generalversammlungen. Ferner wurde beschlossen, die sämtlichen Gerätschaften des Turnvereins an den Meistbietenden zu verkaufen und aus dem Erlös die vorhandenen Schulden, so sie sich tunlichst decken.“

Am 12. Januar 1877 kam es zu einer Vorstandssitzung des aufgelösten Vereins. Auf dieser Vorstandssitzung schlug der eingeladene Bürgermeister Stankeit vor, die Geräte des Turnvereins zum Preis von 100 Mark für die Gemeinde anzukaufen, was einstimmig genehmigt wurde. Am 20. Juni 1877 kam es zu einer weiteren Generalversammlung des am 11. August 1876 aufgelösten Turnvereins im Lokal Mathias Kessels, zu der die nachstehenden aktiven und inaktiven Mitglieder erschienen:

Notar Döhmer, Vorsitzender, Gustav Tohang, Turnwart, Heinrich Peuten, Zeugwart, Caspar Hasenkox, Geldwart, Kuiper, Gerichtsschreiber, Schriftwart und die Mitglieder Louis Kessels, Constantin Tohang, Johann Leven, Johann Lenhsen, Mathias Kessels, Heinrich Heythausen, Andreas Peuten, Philibert Istas und Franz Moubis

Einziger Tagesordnungspunkt war die Beschlussfassung über die Verwendung des noch vorhandenen Barvermögens. Die erschienenen Mitglieder beschlossen wie folgt:

Die nicht erschienenen aktiven und inaktiven Mitglieder haben an dem Barvermögen des aufgelösten Turnvereins keinen Anspruch mehr und dieses den erschienenen Mitgliedern zur Verfügung stehe. Abzüglich der vorhandenen Schulden war ein Überschuss von 49,50 Mark vorhanden. Die Versammlung beschließt, diesen Überschuss in folgender Weise zu verwenden: an die beiden im Heere stehenden Turner Quirin Jansen und Wilhelm Frohn zwei Kisten mit je 100 Stück Zigarren portofrei zuzusenden. Den dann verbleibenden Rest von 43,50 Mark soll am Mittwoch, den 27.. Juni 1877, abends 9 Uhr im hiesigen Lokale von den heute anwesenden Mitgliedern consumiert werden“.

                                    

Karl Schöny übernahm wieder einmal die Vereinsfahne in seine Obhut.

Auch die Freiwillige Feuerwehr kam „in die Krise“. So ist in der Festschrift der Freiwilligen Feuerwehr Lobberich aus Anlass des 125jährigen Bestehens zu lesen: „Leider schienen die damaligen Wehrmänner aber noch nicht vom Geiste und Wesen ihrer Zweckbestimmung durchdrungen gewesen zu sein, denn all zu schnell bröckelte der Mitgliederbestand von ursprünglich 72 auf 32 Wehrmänner“. Das letzte Versammlungsprotokoll datiert vom 28. Juli 1877. Meinungsverschiedenheiten waren dann letztlich die Ursache dafür, dass sich die erste „Freiwillige Feuerwehr in Lobberich“ in „Wohlgefallen“ auflöste.

Die 1877 von Karl Schöny in Verwahrung genommene Fahne wurde von der früheren Handwerksfastnachtsgesellschaft „Spekulation“, genannt „Spekulantenverein“, deren urwüchsige Fastnachtsveranstaltungen in der Chronik der früheren Fastnachten für alle Zeiten verzeichnet sind, in Besitz genommen. Die von dem Lobbericher Kunstmaler Jakob Reiners, 1863 selbst Vorsitzender des Turnvereins, für den Turnverein gemalte Fahne ist etwa 2 qm groß und zeigt im großen grünen Eichenkranze die Symbole der Deutschen Turnerei. Der genannte Spekulantenverein hat dann diese Fahne 1877 kunstgerecht für sich umgeändert. Das Mittelbild (Turnvater Jahn) wurde herausgeschnitten und durch das Bildnis einer Witzfigur, dem „Spekulanten“ ersetzt. Die Worte Turnverein übermalte man mit Spekulation.

                               

Wie man sieht, zeigt das Auf und Ab im Vereinsleben des Turnvereins, dass zu jener Zeit - den Verhältnissen entsprechend - die „Hauptleibesübungen“ vorübergehend im „Verkonsumieren“ und Abhalten von „Ankerfesten“ bestanden. Diese Zeitkrankheit - wie wiederum aus manchen Zeitungsberichten hervorgeht - machte auch vor den Turnern nicht halt und ließ diese kapitulieren vor der Majestät des „Gambrinus“. Jedoch wurde immer noch weiter geturnt und vor allen Dingen wurde der Turngedanke von den ehemaligen Mitgliedern aufrecht erhalten, wenn auch die reine vereinsmäßige Betätigung praktisch stillstand. In den darauf folgenden Jahren kamen die Mitglieder jedoch immer wieder auf „ihren Turnverein“ zurück. Letzlich kamen nach einem Zeitraum von nahezu neu Jahren am 6. August 1886 28 alte Mitglieder in der Gaststätte von August Krummeich zusammen, um „dem Vorbild anderer Städte Deutschlands“ den langentbehrten Turnverein neu zu gründen.

Carl Hahnen, Emil Wagemans, Anton Schmeleisen, Leonhard Feikes, Joe Rollbrocker, Albert Michels, Christian Niessen, A. Hohenroth, van Oehlen, Küppers, Ferdinand Neyen, Brüggemann, Conrad Gartz, Josef Hoffmanns, Hegholz, George Hase, Zillekens, Gerardtz, Johann van Stappen, Heinrich van Berkel, Friedrich Schmalz, Lambert Janssen, Gaunt, Anton ter Stappen, Schmitz, Heinz Schelthoff, Johann Linnartz nannten sich fortan „Gründer des Lobbericher Turnvereins“. In der Generalversammlung vom 9. Juni 1886 wurde dann Carl Hahnen zum Präsidenten (Sprechwart), Leonhard Feikes zum Geldwart, Anton Schmeleisen zum Turnrat, Jac Rollbrocker zum Zeugwart und Emil Wagemans zum Schriftwart gewählt. Das Eintrittsgeld wurde auf 1 Mark und der monatliche Beitrag auf 30 Pfennig festgesetzt. Bürgermeister Stankeit übergab dem Turnverein die seinerzeit an die Gemeinde verkauften Turngeräte (u.a. auch ein Pferd) sowie das Protokollbuch. Vom Turnverein Mönchengladbach wurde ein Reck „kostenlos und im guten Zustand „ zur Verfügung gestellt. Die Turnabende sollten künftig mittwochs abends ab 9 Uhr im Lokale Krummeich abgehalten werden. Ende 1886 wurde ein Barren zum Preis von 65 Mark von der Firma Meyer in Hagen angeschafft. Der Betrag sollte in zwei Raten bezahlt werden.

Bereits im Oktober des Jahres 1886 wurde ein Schauturnen im Vereinslokal Krummeich durchgeführt, das in der Öffentlichkeit sehr gut ankam. Die „Rhein und Maas“ schrieb: „… daß die Leistungen sämtlicher Turner alle unsere Erwartungen übertroffen haben. Von den einfachsten Sachen bei den Freiübungen un den stufenmäßig schwerer werdenden Übungen während des Riegenturnens an, bis zu den schwierigsten Ausführungen beim Kürturnen wurde an allen Geräthen mit großer Sicherheit und Ruhe, ja , wir dürfen wohl sagen „Eleganz“ geturnt, so daß der noch sehr junge Verein sich würdig an die Seite der älteren und größeren Vereine stellen darf. Es herrschte während des ganzen Abends eine lobenswerthe musterhafte Ordnung bei allen Abtheilungen des Schauturnens und eine Einigkeit machte sich bemerkbar, wie solche einen Verein nur groß und stark machen kann. Man sah es allen Mitgliedern an, daß sie sich mit Lust und Liebe und mit großem Eifer der guten Sache hingeben und das zahlreich erschienene Publikum geizte auch gar nicht mit tüchtigem Applaus, sondern gab dadurch fortwährend dem Turn-Verein zu verstehen, daß er ihm einen recht genußreichen Abend verschaffen. Möge der junge Verein immer mehr erstarken und zur schönsten Blüthe gelangen! – Mit dem Spruch: „Frisch, fromm, fröhlich frei, Hoch lebe die Turnerei!“ rufen wir ihm ein kräftiges „Gut Heil!“zu.

 

Der Turnverein Lobberich 1861 e. V.
von 1887 bis 1911
- ein Neubeginn mit anderen Vorzeichen


Wachsende Bevölkerung, zunehmender Fuhrverkehr, aber auch das Bemühen, in einem möglichst schmucken und vorzeigbaren Ort zu leben, erklären das „rege Bestreben, durch Verbesserung der Straßen, Anlage von Trottoirs und Rinnen zur stetigen Verschönerung beizutragen. Es verdienen diese Bestrebungen um so mehr Anerkennung, als die Ausführung für die Betheiligten mit nicht unerheblichen Opfern verbunden ist. Es sind in dieser Richtung namentlich die Bewohner des Marktes mit gutem Beispiele vorangegangen; es werden aber auch seitens der Gemeindevertretung keine Opfer gescheut. So sind zum Beispiel jetzt die Arbeiten zur Erbreiterung der Mühlenstraße in der Ausführung begriffen und zwar soll diese Straße in ziemlicher Breite von der Bleichstraße ab der Bleiche entlang durchgeführt und mit der vom Krankenhause kommenden Allee in Verbindung gebracht werden. Die Bürgerschaft muß dieses Projekt mit Freude begrüßen und wird sich demnach an der neuen Ringstraße erfreuen können“. (Rhein und Maas).

Zu den Errungenschaften der 80er Jahre gehört sicherlich auch die Verlegung von Gasleitungen im Ort, deren Nutzung für Haushalte sowie – zur Verschönerung der Gemeinde – die Gasbeleuchtung in den Straßen. Die Anlegung des Gasnetzes wird der Kölner Firma F. Wiegand übertragen. Die „Rhein und Maas“ schrieb am 10. September 1887 dass „die schon in Anwendung gekommene Beleuchtung der Straßen den allgemeinsten Beifall finde“. 
In kürzester Zeit wurde wieder eine große Anzahl von Mitgliedern für den Turnverein gewonnen. Die in Lobberich und Umgebung erscheinende Zeitung „Rhein und Maas“ berichtete immer wieder über den „echt turnerischen Geist, welcher dem Verein innewohn tund die wirklich tüchtigen Leistungen dieser Söhne Jahns“. Der Verein schloss sich Mitte des Jahres 1887 dem Gladbacher Gau an.

Neu angeschaffte Geräte taten ihr übriges, um Versäumnisse der Gründerjahre vergessen zu lassen. Einen besonderen Aufschwung nahmen der Turnverein und darüber hinaus auch die Turnbewegung in den Nachbarorten durch den im Jahre 1891 erfolgten Beitritt von Wilhelm Riether und Lambert Birker. Diese beiden – und nicht zu vergessen – Robert Schöny – später dann auch Konstantin Terstappen und Josef Wirtz – stellten sich als Turnlehrer, Riegenführer und Vorturner sowie durch ihre immer geschätzte Mitarbeit im Turnrat immer wieder in den Dienst des Vereins und darüber hinaus auch der Deutschen Turnbewegung.

Am 18. Januar 1891 wurde im Vereinslokal Krummeich ein Winterfest gefeiert, wobei der Verein durch Ausübung seiner gymnastischen Fertigkeiten den Besuchern den hohen Werth des Turnens für Erhaltung der Gesundheit, für Entwicklung und Stärkung des Körpers darlegte. Die Nothwendigkeit dieser Leibesübungen ist an höchster Stelle anerkannt durch allgemeine Einführung im Heere und in allen Unterrichtsanstalten. Väter und Meister sollten sich von der großen Nützlichkeit der Turnkunst überzeugen, um ihre heranwachsenden Söhne, ihre Lehrlinge, zu deren körperlichen Entwicklung dem Turnverein zuzuführen (Rhein und Maas)

Auch das Stiftungsfest am 16. August 1891 fand reges Interesse:

Am verflossenen Sonntag hielt der Turngauverband Gladbach aus Anlass des V. Stiftungsfestes des hiesigen Turnvereins seine wechselnde Gauvorturnerstunde unter Leitung des Gauturnwartes. In schneidender Folge wechselten die als Tagesordnung vorgeschriebenen Übungen wie Eisenstab-, Barren-, Pferd- und Reckübungen und überraschten durch die große Präzision in den einzelnen Ausführungen, welche in kaum 1 ½ Stunden vollzogen, der Gesamtkritik der Referenten als Schluß unterlagen. Obschon dies wohl nicht allgemein bekannt geworden, so war doch die Zahl der Zuschauer außergewöhnlich groß, und gibt uns dies die Hoffnung, daß das Interesse dieselben auch wiederkommen lässt, wenn unser strebsamer, der Unterstützung bedürftige Turnverein bei seinem nächsten Stiftungsfest seine Leistungen zur Schau gibt, dann mag es demselben auch möglich werden, seine nöthigen Geräte so herstellen resp. ausbessern zu lassen, wie selbige von den heutigen Turnern gefordert werden. (Rhein- und Maas)


                                

Die Beziehungen zu den Nachbarvereinen wurden vertieft, die Zusammenkünfte der Vereine und ihre Riegen gefördert und der Wettkampf der Mannschaften innerhalb der Gaue und Kreise auf eine dem Turnertum entsprechende, freundschaftliche und kameradschaftliche Ebene gestellt.
Mit der Geschichte des Turnvereins eng verknüpft ist diejenige des „NIEDERRHEINISCHEN GRENZTURNGAUES“. Er wurde 1896 von den Turnern Lehrer Dahmen, Karl Kaftan, Rudolf Steinwegs, Wilhelm Jansen, Robert Schöny, Karl Hahnen und Lambert Birker gegründet. Gauvorsitzende waren bis zur Auflösung im Jahre 1933 Lehrer Dahmen (Kaldenkirchen), Lehrer Schaaf (Lobberich) und Kaufmann Pelters (Kaldenkirchen). In den Jahren des Bestehens des Niederrheinischen Grenzturngaues war Wilhelm Jansen 1896 – 1898 und dann andauernd Wilhelm Riether Gauturnwart.

Die Verschlechterung der ökonomischen Gesamtlage, wie sie von 1890 bis Anfang 1905 vielerorts, zum Teil wechselnd, zu diagnostizieren ist, traf Lobberich besonders 1891 und auch noch 1892: „Die geschäftliche Lage in den Weberkreisen am Niederrhein“, so notierte die örtliche Presse am 22. August 1891, „ist bereits eine sehr traurige und sieht man mit Bangen der Zukunft entgegen. In Dülken, Viersen, Crefeld u.s.w. hat man Lohnherabsetzungen vorgenommen, die Arbeitszeit verkürzt und Arbeiter entlassen. Dabei steigen die Preise der Lebensmittel rapid. Die furchtbaren Wetterschäden, schlechte Ernteaussichten usw. tragen zu dem flauen Geschäftsgang erheblich bei“. Während einer Zeit der konjunkturellen Abschwächung führen Hagelschlag und Unwetter im Sommer 1891 zu erheblichen Einbußen bei der Ernte, die sich in den hohen Brotpreisen widerspiegelt. Im September 1891 sieht sich die Zeitung „Rhein und Maas“ veranlasst, die ärmeren Bevölkerungskreise auf die Nahrhaftigkeit der Hafergrütze zu verweisen und diese als Brotersatz zu empfehlen. Der ruhmreiche Männergesangverein, der im November sein 50jähriges Bestehen hätte feiern können, entschloss sich, bessere Zeiten abzuwarten und holte das Versäumte im August 1892 stilvoll und gründlich nach. Im Oktober 1893 fand die feierliche Einweihung der neuen katholische Pfarrkirche in Lobberich durch Bischof Hermann Dingelstadt statt. Das erste Hochamt wurde von Pfarrer Hegger zelebriert.

Die Mitgliederzahl im Turnverein Lobberich verzeichnete in diesen Jahren eine sinkende Tendenz. Die Besuche bei den wöchentlichen Turnabenden „lassen zu wünschen übrig“ hieß es bei den Mitgliederversammlungen.

                 
                                                 Turnen im Jahre 1895

Am 21. Juli 1897 wurde von Wilhelm Riether eine Altersriege gegründet, welche aus 18 Mitgliedern bestand. Am vorletzten Tage des Jahres 1899 wandte sich der Arzt Dr. Kömmstedt, aktives Mitglied der Altersabteilung, im Namen der Gemeindeverwaltung an die Mitglieder des Turnvereines, um eine Sanitätskolonne zu gründen. 20 Turner stellten sich sofort zu Verfügung. Aus zahlreichen Protokollen dieser Zeit ist zu sehen, dass die Gemeindeverwaltung immer wieder den Turnern für „ihr uneigennütziges und segensreiches Wirken Dank und Anerkennung ausgesprochen hat“.Die Vielseitigkeit des wieder aufstrebenden Vereins nahm ständig zu. Zu den bestehenden Abteilungen kamen immer neue hinzu. Die Kraftriege (1902), die Faustball-Abteilung (1903), die Militär- und Rekrutenriege (1903), die Schwimmabteilung (1905), die Gesangsabteilung (1906) – unter der Leitung von Lehrer Schaaf bei vielen festlichen Anlässen gerne gesehen – und die Schülerabteilung (1907) sind hier besonders erwähnenswert.

            
                                 Götzwanderung im Jahre 1908


 

1898 stellten die Gebrüder van der Upwich, Förderer des Vereins, einen Platz hinter ihrem Werk und im Jahre 1900 die Reitbahn in der Schulzenburg zur Durchführung der Übungsstunden zur Verfügung, die in der Vergangenheit auf einem Schulhof, später dann in einer Sandgrube an der Breyeller Straße durchgeführt wurden.

Am 22. und 23. Juli 1899 wurde das 8. Stiftungsfest verbunden mit dem 3. Verbandsfest des Niederrheinischen Grenzgauverbandes in Lobberich statt. Die ganze Bevölkerung nahm Anteil. Festfeier, Wettturnen und ein großer Festzug waren die Höhepunkte des Festes. Im Saale von Bispels an der Breyeller Straße wurde ein Festbankett abgehalten. Der Saal war festlich geschmückt und eine übergroße Büste Turnvater Jahns zierte die Bühne. Das Kreisturnen auf dem eigens für diese Veranstaltung hergerichteten Turnplatz an der Sassenfelder Schule statt. Die Gemeinde hatte den Platz bereitwillig zur Verfügung gestellt und hergerichtet.

Damals kam auch der Gedanke einer eigenen Turnhalle auf. Es wurde ein Baufonds gegründet, der im Jahre 1914 einen Bestand von 2.914 Reichsmark und Ende des 1. Weltkrieges einen Bestand von 4.000 Reichsmark aufwies. Im Jahre 1900 erhielten die Jugend- und Schülerabteilungen eine besondere Standarte. Eine Vorturnriege wurde ins Leben gerufen, die an einem besonderen Abend übte.

                  
                                  Ansichtskarte von 1900


 

Im Jahre 1902 mietete der Turnverein von Alex Huenges, 2. Vorsitzender des Vereins ein Waldgelände an der Verbindungsstraße Ecke Friedenstraße. Es heißt in dem Vertrag: Der Turnverein pachtet heute von dem Brauereibesitzer Alex Huenges die Parzelle Nr. 120 auf 10 Jahre zum Preis von 1,-- DM je Jahr. Der Verein verpflichtet sich, in den von A. Huenges angegebenen Grenzen den Busch vorschriftsmäßig auszuroden und den Platz zu ebnen. Als Entschädigung für diese Arbeit erhält der Verein die Hälfte der Versteigerungssumme des Holzes. Sollte der Platz innerhalb der 10 Jahre verkauft werden, ist die Hälfte der Verkaufssumme an den Turnverein zu zahlen“. In ihrer Freizeit haben die Mitglieder den vorhandenen Busch gerodet, den Platz im Lauf eines Jahres entsprechend hergerichtet, mit einem Zaun versehen und zu guter Letzt noch für die Aufbewahrung der Turngeräte eine Blechbude errichtet.

                
                     Der Sportplatz mit Turnhalle an den Wevelinghover Straße um 1910

In der Jahreshauptversammlung des Jahres am 7. Februar 1903 wurde eine neue Satzung beschlossen. Diese Satzung beinhaltete das „Grundgesetz des Turnvereins zu Lobberich“ (Zweck, Name und Sitz des Vereins, Einteilung in aktive, passive und Ehrenmitglieder sowie Turnschüler, Aufnahmemodalitäten, Eintrittsgelder und Beiträge, Austrittsmodalitäten, Pflichten der Mitglieder und Strafen, Wahl- und Stimmrecht, Verwaltung des Vereins, Hauptversammlungsmodalitäten, Zusammensetzung des Turnrates). Darüber hinaus gab es eine Turnordnung, eine Vorturnerschaftsordnung, eine Turnfahrtsordnung, eine Büchereiordnung, eine Ordnung für das Jugendturnen sowie die Bestimmungen über eine Unfallkasse.

Am 21. Juni 1906 entstand eine Gesangabteilung unter Lehrer Schaaf. Die Vielseitigkeit des turnerischen Wirkens offenbarte sich seinerzeit in Eltern- und Jugendabenden, in Vorträgen, Volkstanz und Singabenden, Nikolaus- und Weihnachtsfeiern und Theateraufführungen. Im Jahre 1907 brach eine Typhusepidemie in Lobberich aus.

                                
                                                                             Turnriege 1905
                                   (H. Schopp, J. Ramachers, J. Wirtz, F. Klaps, M. Jehnen, M. Mertens)


Gesellschaftliche Höhepunkte waren in dieser Zeit immer wieder die alljährlichen Stiftungs- und Winterfeste des Vereins. Während die Stiftungsfeste bis zum Jahre 1908 auf dem Schulhof der Sassenfelder Schule abgehalten wurden (übrigens ist das erste öffentliche Turnen an diesem Platz dem Mitglied Lambert Birker zu verdanken), fanden die Winterfeste – meist im Zusammenhang stehend mit überörtlichen Feierlichkeiten (z. B. Kaiser-Geburtstags-Feier) in den verschiedenen Vereinslokalen (Krummeich – Breyeller Straße, jetzt Hölter, ab 1904 Hotel Klüttermann – früher Ewige Lampe – ab 1909 Hotel Heythausen am Markt, (Besitzer Ehel. Willy Straeten, der mit dem Haus verbundene große Saal diente bis zum Ende des 1. Weltkrieges gesellschaftlichen Veranstaltungen und wurde dann zu einem Lichtspieltheater „Capitol“ umgestaltet, nach Schließung der Gaststätte im Jahr 1956 wurden die Räumlichkeiten an den Schreinermeister Rudolf Hegholz verpachtet, der die gesamten Räumlichkeiten für eine Möbelausstellung umgestaltete) statt. Schauturnen, bestehend aus Freiübungen, Riegenturnen mit einmaligem Gerätewechsel, Pyramidenaufstellungen und Kürturnen veranschaulichten den Besuchern den hohen Wert des Turnens für die Erhaltung der Gesundheit und für die Entwicklung und Stärkung des Körpers und des Geistes. Im Jahre 1908 kam es übrigens zur Gründung des Rauchervereins „Tuttelje“.

                                     
                                                                           Turnerjugend 1910


Im sportlichen Bereich lag die Betonung auf den wöchentlichen Turnstunden – immer wieder Anlass für Turnwarte, bei den Monats- und Jahresversammlungen der Mitglieder, auf mangelndes Interesse hinzuweisen – der Beteiligung an den Turn- und Gauturnfesten in den Nachbarorten bis hin nach Venlo und Köln, dem Besuch der Bergfeste in Hinsbeck, Süchteln und Hüls, von denen viele Turner „kranzgeschmückt“ nach Hause kamen. Ein wertvolles Siegerbuch wurde angelegt, in das alle Sieger – leider nur bis zum Jahre 1922 – eingetragen wurden.

                                                     

 


Von ganz besonderer Bedeutung für den Verein und dessen Mitglieder war die Teilnahme an den Deutschen Turnfesten in Nürnberg (1903) und Frankfurt (1908). Im Jahre 1905 erhielten die Turner eine einheitliche Turnkleidung einschließlich Kopfbedeckung (schwarzer Schlapphut).         

                  
                                          Turnriege 1910
        Th. Terporten, K. Pollen, J. Wirtz, M. Lehnen, H. Schopp, W. Schopp, W. Riether


Das Jahr 1911 brachte dem Turnverein erneut besonderen Aufschwung und Anerkennung. Erstmalig feierte der Verein Karneval. Ein Kostümfest, verbunden mit einem Varietéprogramm, unter dem Motto „Apollo-Theater“ wurde im Vereinslokal Hotel Küppers (früher Niedieckstraße) abgehalten.

                

Der Turnbetrieb nahm nun immer mehr zu. Die Übungsstunden für die Jugendabteilung (14 – 17 Jahre), die Turnabteilung, Männerabteilung und Altersriege waren sehr gut besucht. Für die Unterhaltung nach dem Turnen wurde aus der Vereinskasse ein Billard angeschafft. Die Verlierer einer Partie zahlten dann 5 Pfg. in eine besondere Kasse, die Ende eines jeden Jahres in den Baufonds einfloss. Auf den regelmäßigen Generalversammlungen wurden immer wieder die Statuten vorgelesen, um die Mitglieder auf den „Geist des Turnens“ einzuschwören.

                    
                                        Die Turnriege im Jahre 1911

 

Herausragendes Ereignis war jedoch das am 22. und 23.7.1911 abgehaltene 25jährige Jubelfest (s. a. 1936), das unter Beteiligung fast aller Nachbarvereine, der ortsansässigen Vereine, dem Musikverein Lobberich und des MGV Hoffnung zu einem der schönsten Feste des Vereins wurde. Die Gemeinde trug natürlich auch zum Gelingen bei. Der Gemeinderat beschloss in seiner April-Sitzung unter Punkt 14: „Dem Turnverein werden aus Anlaß seinen 25jährigen Stiftungsfestes die zu zahlenden Lustbarkeitssteuern auf 30 RM ermäßigt.“

                           



In der „Rhein und Maas“ war später zu lesen:

Einen wohlgelungenen Verlauf hat das 25jährige Stiftungsfest unseres Turnvereins genommen. Noch zittern die Klänge froher Turnerlieder, welche gestern die Straßen Lobberichs erfüllten, durch unser Gemüte und Jubeltöne, die manche liebe Erinnerung auslösen. Es ist etwas eigenartiges ein Turnfest, ein Fest der Jugend und gereifter Männer, ein Fest der Fröhlichkeit und froher Begeisterung. Der gereifte Mann wird wieder jung, sieht er die geschmeidigen Gestalten in strammem Schritt und Tritt dahinmarschieren und unbewußt reckt und dehnt sich der Körper, es weitet sich die Brust und jede Muskel spannt sich: er möchte wieder mittun. Aber das Vorrecht der schönen Jugendzeit ist vorbei, wenn das Herz auch noch einmal alle Pfasen miterlebt. Dessen versicherten uns am Samstag Abend beim Festbankett verschiedene ältere Herren, die in ihren jüngeren Jahren mit dabei waren und eine Lanze für die edle Turnerei brachen. Mögen sie zeitlebens dem deutschen Turnen ihre Sympathie bewahren.

Eingeleitet wurde das Jubelfest durch ein Bankett im Saale des Vereinslokales Hotel Küppers. Gegen 8 Uhr versammelten sich daselbst die Mitglieder des Turnvereins und zogen zuvor zur Wohnung des 2. Vorsitzenden, Herrn Alex Huenges, wo die Fahne in Empfang genommen wurde. Nach einem kurzen Umzuge begann um 9 Uhr das Festbankett. Eröffnet wurde dasselbe durch einige Vorträge des Lobbericher Musikvereins. Hierauf trug der Gesangverein „Hoffnung“ mit bekannter Meisterschaft „Das deutsche Lied“ von Faßbender vor. Nachdem das Lied verklungen war, hielt der 2. Vorsitzende Herr Alex Huenges die Begrüßungsansprache. Der Redner dankte namens des Turnvereins für die zahlreiche Teilnahme am heutigen Abend – es sei das ein Beweis für das rege Interesse welches dem Jubelverein entgegengebracht werde. Dieser werde in der Förderung des turnerischen Geistes nicht erlahmen. Wie es immer bei Festen des Turnvereins Sitte gewesen sei, so lenkte er auch heute Abend die Blicke zuerst auf den hohen Protektor des deutschen Turnwesens, unsern Kaiser Wilhelm II. Begeistert stimmte die Festversammlung in das dreimalige „Gut Heil“ ein. Nach dem Sang der Nationalhymne wartete der Kern des Vereins, die Vorturnerschaft, unter Leitung des Turnwartes Herrn Wilhelm Riether mit seinen zusammengestellten, recht komplizierten Freiübungen auf, für deren gutes Gelingen der Vorturnerschaft bei ihrem Abmarsch durch kräftigen Applaus gedankt wurde.

Der 1. Gauvertreter Herr Lehrer Schaaf übermittelte dem Lobbericher Tunrverein zu seinem 25jährigen Dienste im deutschen Turnwesen die Glückwünsche des Niederrheinischen Grenzgaues, dessen Wertschätzung und Hochachtung er sich in hohem Maße erfreue. Der Redner geht dann in großen Gedankenreichtum bekundenden Ausführung auf das deutsche Turnen ein, das er einen Tempel des Volkstums, einen Jungbrunnen des Vaterlandes nennt, aus welchem demselben unvergängliche Kraft zufließe. Steht fest und treu zur Turnerei und zum Verein, ruft er begeistert den Mitgliedern zu. In den 25 Jahren seines Bestehens hat er sich emporgeschwungen zu einer respektablen Edelreife der deutschen Turnerschaft, das er größtenteils seinen Führern und Leitern zu verdanken hat. Die Namen Wilhelm Holthausen, Robert Schöny, Hohnroth, Michels, Goswin Becker, Norbert Gipkens, Wilhelm Riether und Lambert Birker sind unlösbar mit der Geschichte des Lobbericher Turnvereins verbunden. Dann gedenkt Herr Schaaf der Gründer des Turnvereins, die unter schwierigen Verhältnissen so treu zum Verein gestanden haben: der Herren Karl Hahnen und Aloys Michels, denen beiden ein Silbersträußchen überreicht wurde. Zum Schlusse seiner von manchem Bravo unerbrochenen Ausführungen brachte der Redner ein dreimaliges Gut Heil auf den Lobbericher Turnverein aus, welches ein vielhundertstimmiges Echo fand. – Die „Hoffnung“ wartete jetzt wieder mit einem stürmisch applaudierten Chorliedchen auf, welches der Dirigent Herr Eduard Schmalohr in liebenswürdiger Weise eigens für das Jubelfest komponiert hatte. Der 2. Vorsitzende verlas hierauf die eingegangenen Glückwunschtelegramme, von welchem u.a. namentlich dasjenige des 1. Vorsitzenden Herrn Olfenius sehr beifällig aufgenommen wurde. Herr Olfenius bedauert krankheitshalber dem Feste nicht beiwohnen zu können, übermittelte seine Glückwünsche und teilt mit, daß hiesige hochherzige Gönner dem Jubelverein eine Jubelgabe von 800 Mark gemacht haben. Ebenso lebhaft wurde der telegraphische Glückwunsch des Ehren-Gauverteters Herrn Dahmen aus Kaldenkirchen begrüßt.

Nach einem Musikvortrage folgte nun die Überreichung des von den Damen des Turnrates gestifteten Silberkranzes durch Fräulein Irma Horstmann unter ausdrucksvollem Vortrag eines der Feier angepaßten Prologs. Nochmals trat der Lobbericher Turnverein mit einer Musterrige am Pferd und mit „Keulenschwingen“ auf. Beide Vorführungen erzielten donnernden Beifall, namentlich die schwierigen Übungen am Pferd verdienen besonders hervorgehoben zu werden.

Gegen Ende des Festbanketts stellte der Verein herrliche Marmorgruppen, deren Plastik durch den schwarzen Hintergrund von großartiger Wirkung war. Herr Konrad Steeger hielt die Schlußrede. Er dankte zunächst namens des Jubelvereins allen Mitwirkenden am heutigen Abend, die zu dem schönen Verlauf beigetragen, dem Gauvorstand, der Behörde, den Spendern, den Damen für den Silberkranz, dem Gesangverein „Hoffnung“ und dem Lobbericher Musikverein. Zum Schlusse seiner Ausführungen richtete er die Bitte an die Anwesenden auch für die Zukunft dem Turnverein die Sympathie zu bewahren. Herr Prof. Winkels aus Viersen dankte hierauf namens der Gäste und widmete dem Jubelverein ein dreimaliges „Gut Heil!“. Gegen 12 Uhr war das Festbankett beendigt. Es erübrigt uns noch kurz der beiden mitwirkenden Vereine zu gedenken, des Gesangvereins „Hoffnung“ un des „Lobbericher Musikvereins“, die beide zum schönen Verlauf des Abends so viel beitrugen.

Zum Festtage prangte Lobberich in prächtigem Schmuck, die Straßen waren mit grünen Maien abgesteckt, die Häuser hatten Flaggenschmuck angeleg, sodaß sich ein farbenschönes Bild dem Auge darbot. Morgens um ½ 9 Uhr begann auf dem Turnplatze ein Wettkampf unter den Mitgliedern des Turnvereins, das viele Zuschauer angelockt hatte. Die Namen der Sieger sind folgende: 1. Abteilung Geräteturnen: 1. Preis Josef Wirtz, 2. Willy Schopp 3. Heinrich Schopp; 2. Abteilung Geräteturnen: 1. Preis Lorenz Lindackers, 2. Heinrich Thomas, 3. Jacob Michels, 4. Johannes Brüggemann, 5. Johannes Jennen, 6. Jakob Kaisers; Vierkampf: 1. Preis Karl Schroers, 2. Josef Schäfer, 3. Karl Pollen, 4. Wilhelm Riether, 5. Josef Grachten.

Im November 1911 gründete Wilhelm Riether eine Turnerinnenabteilung (26 Mädchen und 12 Frauen), aus der bereits am 1. 12. 1912 zwei Damenriegen hervorgingen. Damit zählte der Verein 215 Mitglieder. Die Turner erhielten eine einheitliche Turnkleidung einschließlich Kopfbedeckung (schwarzer Schlapphut).

 

Der TV Lobberich 1861 e.V.
von 1912 – 1932
- Der Turnverein vom 1. Weltkrieg bis zur Machtübernahme Hitlers

Bald nach Gründung der Turnerinnenabteilung wurde eine Spielabteilung ins Leben gerufen, in die die bereits bestehende Faustballabteilung „aufgenommen“ wurde. Faustball, Schlagball und „wenn nötig“ sollte auch Fußball gespielt werden, wobei jedoch die volkstümlichen Übungen nicht vernachlässigt werden sollten. 25 neue Mitglieder meldeten sich sofort für die neu gegründete Abteilung an. Die Jahresversammlung im Januar 1913 verzeichnete 235 aktive Mitglieder, die an 89 Turnabenden turnten. Zum 12. Deutschen Turnfest 1913 in Leipzig, an dem 65.000 Turner teilnahmen, fuhren auch wieder vier Turner des Vereins mit einer „Barrenmusterriege“. Unter der Leitung von Wilhelm Riether gewann die Riege dann den 5. Preis – für den kleinen Turnverein Lobberich ein herausragendes Ergebnis. Mitturner waren damals die Mitglieder Josef Wirtz, Rudolf Hegger und Willy Schopp.

Das Jahr 1913 sah die Deutsche Turnerschaft auf der Höhe ihrer Zeit. Mit 1.315.000 Mitgliedern überragten die Turner geradezu turmhoch die anderen Verbände. Die großen nationalen Töne vor dem Ersten Weltkrieg waren jedoch nicht zu überhören. Erstmalig wurden bei öffentlichen Veranstaltungen das Kugelstoßen und Speerwerfen vorgeführt, wodurch heftige turnfachliche Diskussionen ausgelöst wurden. 

Das vielseitige Vereinsleben kam dann auch bei uns durch den im Juli des Jahres 1914 beginnenden Ersten Weltkrieg praktisch zum Stillstand. Die letzte Mitgliederversammlung war am 2. September 1914. Zwar betrug die Gesamtmitgliederzahl im Februar 1915 noch 230, davon befanden sich jedoch 79 Turner im Kriege. 5 Turner fielen bereits im ersten Kriegsjahr. Insgesamt ließen 22 Turner in diesem Krieg ihr Leben. 
Im März 1916 veranstaltete der Turnverein unter seinen Mitgliedern eine Sammlung zur Unterstützung der Frauen ihrer sich im Krieg befindenden Mitglieder. 178 Mark waren gespendet worden. In den vergangenen zwei Jahren wurden bereits über 1000 Mark aus der Kasse des Turnvereins gespendet. Im Jahre 1918 hielten nur noch 6 Altersturner den Turnbetrieb aufrecht. Für die im Kriege gefallenen Mitglieder wurde eine Gedenktafel angeschafft. Durch die Betreuung der Mitglieder im Krieg und durch Zeichnung von Kriegsanleihen (hiervon gab es insgesamt 9 Stück) ging das gesamte Vereinsvermögen einschließlich des Baufonds verloren. In Lobberich wurden im übrigen ca. 4,7 Mio. Mark an Kriegsanleihen gezeichnet, die mit 5 % verzinst wurden und bis zum 1. Oktober 1924 unkündbar waren.

Nach dem Ende des Krieges, in dem 345 Bürger Lobberichs ihr Leben ließen, brachte die politische Umwälzung auch in Lobberich einige Erleichterungen. So wurde unter anderem die sehr lästige Bahnhofssperre (Auch der Lobbericher Bahnhof war von der im Juli 1915 verfügten Bahnsteigsperre betroffen, die für diejenigen Personen galt, die keinen amtlichen Ausweis mit sich führten, und damit das Betreten des Bahnhofs untersagt war) aufgehoben. Was die Gerichtsbarkeit anbetraf, so blieben alle Gesetze und Strafbestimmungen bestehen. Allerdings unterlagen alle Vergehen gegen Ordnung und Sicherheit, insbesondere auch gegen den Schutz des Privateigentums der sofortigen Bestrafung durch den neu zu bildenden „Arbeiter- und Soldatenrat“. Zur Wahl dieses Rates wurde am 13. November 1918 im Saal des Gastwirts Kessels eine Versammlung einberufen, die zahlreichen Besuch, insbesondere von Soldaten aufwies, und in der über die Tätigkeit und Befugnisse dieses Rate nähere Aufklärung gegeben wurde. Der im Anschluss daran gewählte vorläufige Arbeiter- und Soldatenrat, bestehend aus den Herren August Schroers, Fritz Steinwegs, Hubert von Krüchten und Wilhelm Riether wurde am 17. November in einer öffentlichen Versammlung bestätigt.

Mit Genehmigung der belgischen Besatzungsbehörde, die den damaligen Vorsitzenden Dietrich Olfenius dreimal vors Kriegsgericht wegen Verbreitung von Revanchegedanken bei Mitgliederversammlungen zitierte, ehe er endgültig freigesprochen wurde, fand dann am 11. 2. 1919 die erste Jahresversammlung des Turnvereins nach dem Kriege statt. 
Aber sofort nach dem Weltkrieg traten die Turner trotz der fremden Besatzung wieder auf den Plan. Am 11. Februar 1919 wurde mit Genehmigung der Besatzungsbehörde eine Versammlung abgehalten. Samstags durfte mit gleicher Genehmigung bis 21:30 Uhr geturnt werden, was den Berichten zufolge auch ab 21. 5. 1919 regelmäßig geschah. Einen Monat später wurde auch die Damenabteilung wieder aktiv. Im Jahre 1919 wurde die Schülerabteilung gegründet. Das Vereinsleben – immer wieder geprägt durch gesellige Feste, die auch von der Jugend- und Schülerabteilung abgehalten wurden – nahm kräftig zu. Die Schülerabteilung wurde zur stärksten Abteilung des Vereins. Mit 178 Mitgliedern zählte sie damals zur größten Abteilung des gesamten Turngaues.

Am 23. 6. 1920 fand eine Besprechung über eine Verschmelzung des „Sassenfelder Spielvereins“ (Fußball) mit dem Turnverein statt. Obwohl dies auch von einer außerordentlichen Mitgliederversammlung gebilligt wurde, kam es nie zu einer Verschmelzung (erst im Jahre 1934 schloss sich der Spielverein – damals aufgegangen in die DJK – dem Lobbericher Sportclub an).

Im Mai 1921 beging der Turnverein Lobberich das „Fest der Einweihung der Schüler Standarte“. Die Zeitung „Rhein und Maas“ berichtet: Am letzten Sonntag im Wonnemonat Mai begeht der Lobbericher Turnverein das Fest der Einweihung der Schüler Standarte. Edle Spender ließen das Werk vollbringen. Der Verein mit seinen idealen Interessen hat bekanntlich eine Schülerabteilung, d. h. für solche Jungens, welche noch schulpflichtig sind, neben der immer bestehenden Jugendabteilung seit einigen Jahren errichtet. Wie wir hören, zählt die Schülerabteilung ungefähr 60 bis 70 Jungens. Dass diese gesunde Einrichtung von den Bürgern freudig begrüßt wird, hat die Zeit, wie auch die rege Teilnahme bewiesen. Um die Schüler den idealen Bestrebungen zu erhalten, hat der Verein auch den kleinsten Jüngern Jahns eine Fahne gestellt, damit solche sie treu an die edle Turnerei, dem Banner: „Frisch, Fromm, Froh, Frei“ halten. Wie uns der Verein mitteilt, sollen die kleinen Turner an dem Fest ihr Können zeigen. Turnerische Darbietungen, dann Reigen und turnerische Akte kommen zur Vorführung. Wer ein solches Jugendfest einmal mitgemacht hat, ist sich klar, daß ein solches jeden befriedigt. Immer dringender und lauter ergeht der Ruf an alle Eltern der heranwachsenden Jugend: Schickt Eure Söhne turnen!

Im Frühjahr 1922 kam es zu vorbereitenden Arbeiten der Gemeindeverwaltung zur Schaffung eines allgemeinen Turn- und Sportplatzes an der oberen Wevelinghover Straße. Laut Protokollbuch berichtete am 18. 8. 1922 der Vorsitzende Eiselt: „Die Gemeinde Lobberich mietet von der kath. Kirchengemeinde Lobberich das Waldgelände an der Wevelinghover Straße zwecks Herstellung einer Platzanlage“ (die frühere Turnerkampfbahn). Der Regierungspräsident erklärte sich bereit, hierzu 50.000 Mark zur Verfügung zu stellen. Wenig später musste Eiselt jedoch verkünden, dass aus der geplanten Anlage nichts würde, da die Kirchengemeinde kein Land abgeben wolle. Vorläufig turnten die Turner im Spritzenhaus der Feuerwehr. Der vom 2. Vorsitzenden A. Huenges seinerzeit zur Verfügung gestellte Turnplatz wurde vorläufig noch behalten.

Im gleichen Jahr erfolgte die Wiederbelebung der Schwimmriege, deren Wahlspruch lautete: „Gut Heil und Gut Nass – niemand trenne das!“ Unter der Leitung von Karl Pollen und Karl Grundmann schlossen sich 42 Turner und sechs Turnerinnen der neuen Riege an. Den von der Gemeinde im August 1922 zur Verfügung gestellte Strand am Breyeller See (im Garten von Kühnen) bauten die Mitglieder zu einer Badeanstalt um, und den Platz der Gemeinde zu einem Spielfeld.

Das wohl größte sportliche Ereignis des Jahres 1922 war zweifellos das zum zweiten Male in Lobberich vom Turnverein ausgetragene Gauturnfest. Die Zeitung „Rhein und Maas“ schrieb: „Im schönsten Festschmuck prangten die Häuser und Straßen Lobberichs. Herrliche Empfangs- und Ehrenbögen waren an den verschiedenen Straßeneingängen errichtet.“ Das Fest - in Verbindung mit den Wettkämpfen, turnerischen Übungen und Schauturnen – wurde zu einem unvergessenen Ereignis, das sich auch der damalige Regierungspräsident Dr. Grützner in Begleitung von Landrat von Hartmann-Krey und Assessor Dr. Glehn nicht entgehen ließen. Der Erfolg des Festes übertraf alle Erwartungen. Das Fest erbrachte einen Überschuss von 40.000 Reichsmark. Der hoch anmutende Betrag ist nur verständlich durch das stetige Schwinden des Geldwertes. Es sollte jedoch noch schlimmer kommen.

Das Jahr 1923 – das Jahr der „galoppierenden Inflation“ – brachte vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht für den Verein sehr große Schwierigkeiten. Im April konnte unter anderem ein neuer Barren nicht gekauft werden, weil dieser 1.000.000 Mark kosten sollte. Am deutlichsten wird die „unbeschreibliche Inflationsrate“ erläutert, wenn man sich die Mitgliedsbeiträge in diesem Jahr vor Augen hält. Aufgrund der schlechten Kassenlage wurde der Monatsbeitrag am 1. Mai 1923 auf den Betrag festgesetzt, den ein Krug Bier kosten sollte. Am 25. Juni waren dann bereits 1.000 Mark zu zahlen. Im August betrug der Beitrag 5.000 Mark, im September 150.000 Mark, im Oktober 6.000.000 Mark und im November letztlich 5 Milliarden Mark. Die bereits beschlossene Beitragserhöhung für den Monat Dezember 1923 auf 300 Milliarden Mark kam dann nicht mehr zustande. Am 15.11.2923 war der „Spuk“ zu Ende. Der Kassenbestand belief sich auf 50 Milliarden Mark.

Zur Freude der Mitglieder wurde dem Turnverein seitens der Gemeindeverwaltung Ende 1923 dann endlich der längst versprochene Turnplatz an der oberen Wevelinghover Straße zur Verfügung gestellt, der dann im Laufe der nächsten Zeit hergerichtet wurde. Zeitweise wurden die Mitglieder sogar verpflichtet, an 7 – 8 Arbeitstagen im Monat am Platz zu arbeiten, andernfalls eine Strafe von 5 Mark zu zahlen war. Zum 14. Deutschen Turnfest in München vom 14. - 18. 7. 1923 wurden 22 Teilnehmer gemeldet. Von der belgischen Besatzungsbehörde wurde 21 Mitgliedern jedoch die Ausreise verweigert. An dem Turnfest, bei dem zum ersten Male auch die Frauen mitturnen durften, nahmen 300.000 Turner teil, davon allein 4.000 Zwölfkämpfer. Die während des Ersten Weltkrieges geschlossene Spielabteilung wurde im Jahre 1923 wieder für den Spielbetrieb geöffnet. Erstmals wird das Handballspiel erwähnt. Im Januar 1924 existieren bereits zwei Handballmannschaften. Das den Turnern für Übungszwecke zur Verfügung gestellte Spritzenhaus der Feuerwehr war zwischenzeitlich völlig untauglich geworden. Die Gemeindeverwaltung wurde gebeten, Miet- und Brandversicherungskosten zu übernehmen, die der Verein tragen musste, wenn die Übungsstunden zukünftig in ein Lokal verlegt werden sollten.

Bei der Jahrtausendfeier des Rheinlandes in Lobberich (6. – 13. 9. 1925) beteiligte sich auch der Turnverein mit seinen Aktiven. Erstmals trat hierbei auch eine Jugend-Handball-Mannschaft in Erscheinung. Im Jahre 1926 beantragte der Turnverein bei der Gemeindeverwaltung den Bau einer Turnhalle. Von der Gemeinde wurde eine Großbaracke der Besatzungsbehörde zur Verfügung gestellt, die zweierlei Verwendung fand: Zwischen dem Sportplatz des Lobbericher Sportklubs (jetzt Standort der Dreifach-Turnhalle Wevelinghover Straße / An den Sportplätzen) und dem des Turnvereins (jetzt Neubaugebiet zwischen Wevelinghover Straße und Schulzenburg) wurde eine Holzbaracke errichtet und die Badeanstalt am Breyeller See bekam eine Holzbaracke für Umkleidemöglichkeiten. Die Spielabteilung hatte immer mehr Zulauf. Mittlerweile waren fünf Handball- und vier Faustball-Mannschaften vorhanden, die das Vereinsleben sehr anregten. Erstmals wurden im Faustball die Alters- und die Jugendmannschaft Gaumeister. A
b Februar 1927 konnte in der „neuen Turnhalle“ an der Wevelinghover Straße geturnt werden. Der Verein hatte nun 200 Mitglieder (ohne Jugendliche).

Das 15. Deutsche Turnfest 1928 in Köln besuchten auch 18 Mitglieder aus den Reihen des Turnvereins. Auch in Köln sorgte die brisante politische Situation für Spannung und kampfbetonte Haltung der Akteure. Das Rheinland war von den Franzosen, den Engländern und Belgiern besetzt. Bei den leichtathletischen Wettbewerben lief der spätere Vorsitzende des Deutschen Leichtathletikverbandes, Dr. Max Danz, die 400 Meter in 50,7 Sekunden. Steigende Arbeitslosigkeit brachte den Mitgliedern des Vereines erhebliche finanzielle Einbußen. So wurden der Mitgliedsbeitrag beim 3. Mitglied um 25 % und der beim 4. Mitglied pro Familie um 50 % gesenkt. Im November 1929 trat der 1. Vorsitzende Franz Eiselt nach siebenjähriger Tätigkeit aus persönlichen Gründen zurück. Nachfolger wurde Anfang 1930 Max Steeger.

Im März 1930 verstarb der langjährige Ehrenvorsitzende Dietrich Olfenius, der 13 Jahre die Geschicke des Vereins mit großer Umsicht und ungeheurer Schaffensfreude geleitet hatte. Die finanzielle Lage des Vereins verschlechtert sich zunehmend. Immer wieder wurde von den Mitgliedern versucht, die Mitgliedsbeiträge zu verringern. Für erwerbslose Mitglieder wurde schließlich der Beitrag auf 40 Pfg – Schüler 20 Pfg – gesenkt, später dann ganz gestrichen. Die Spielabteilung erhielt darüber hinaus für die Beteiligung an Auswärtsspielen einen Fahrtkostenzuschuss. Aus der Bücher- und Urkundensammlung des verstorbenen Ehrenvorsitzenden Olfenius wurde eine Bibliothek eingerichtet, die sonntags von 14 – 15 Uhr geöffnet war und von Walter Lachmund verwaltet wurde. Um Abwanderungen zu anderen innerörtlichen, ebenfalls Sport treibenden Vereinen zu verhindern, die speziell im Schüler- und Jugendbereich vorhanden waren, wurde erstmals eine Abteilung Schüler-Handballgegründet. Erstmals wird auch erwähnt, dass neben dem Faust- und Handballspiel von Turnerinnen auch das Trommelballspiel („Tamborin“) fleißig geübt wurde.

Bereits das Jahr 1932 ließ den politischen Umsturz – auch in der Deutschen Turnerschaft – erkennen: Der Führer der Deutschen Turnerschaft – Neuendorff – forderte damals eine „nationale und soziale Erneuerung der deutschen Turnbewegung auf völkischer Grundlage“. Die Leibesübungen sollten “kein Selbstzweck sein“, sondern dazu dienen „völkisch-sittliche Ziele zu verwirklichen“. Der Bekundung des Wehrwillens folgten dann schnell praktische Maßnahmen, die zur Hebung der Wehrkraft führen sollten. Geländeübungen, Übungsmärsche, Kampf Mann gegen Mann, Ordnungsübungen, Ziel- und Weitwerfen und auch Kleinkaliberschießen wurden seitens der Führung der Deutschen Turnerschaft den Mitgliedsvereinen vorgeschlagen. In der Deutschen Turnzeitung beschäftigte sich Neuendorff bereits mit dem Plan einer vormilitärischen Ausbildung. Mehr und mehr identifizierte er sich mit den Zielen Adolf Hitlers und der NSDAP.


 

Der TV Lobberich 1861 e.V.
von 1933 – 1945
- Politisierung des Sports – die freie Entfaltung der Vereine wird stark eingeschränkt

 

Ein öffentliches Bekenntnis zum Nationalsozialismus und seinen Führern legte die Deutsche Turnerschaft dann auf dem 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart ab. Hitler bekannte sich in seiner Ansprache auf diesem Fest, an dem auch fünf Vertreter des Lobbericher Turnvereines teilnahmen, zu Jahn und bezeichnete das Fest als ein „Fest deutscher Kraft“. Der folgende Text von Karl Behrend wurde der Festzeitung 15. Deutsches Turnfest Stuttgart 1933, Nummer 13, August 1933, Seite 403 entnommen.

Kurz vor dem Deutschen Turnfest nahmen die Texte der Festzeitung einen ganz anderen Ton an: „Die Deutsche Turnerschaft hat den Marsch ins Dritte Reich und in die Selbstauflösung angetreten und die Worte „der deutsche Turner kann erst untergehen, wenn Deutschland untergeht“ sollte schon wenige Jahre später schreckliche Wirklichkeit werden.“

Das Lied vom Deutschen Turnfest!

Von Karl Behrend, Berlin

„Zehn Tage lang marschierte ununterbrochen ein großes Heer durch Stuttgarts Straßen. Zehn Tage lang wehten dort Tausende und aber Tausende Fahnen und verkündeten flatternd von der Not, der Treue und von dem Glauben der deutschen Turner an Deutschland. Erschütternd das Bild! – Fahnen aus entrissenen deutschen Gebieten, stumme Mahner in ihrem schwarzen Trauerflor, Fahnen der Deutschen aus Afrika, Brasilien, Chile, Fahnen aus aller Welt wehten zusammen und legten Zeugnis für das Band ab, das die Deutsche Turnerschaft in vielen Jahren harter Arbeit von einem deutschen Bruder zum anderen über die ganze Erde geflochten hat. Der weite Raum in den Straßen wurde eng, sehr eng. 400 000 Einwohner hat Stuttgart, in den Festtagen waren es gegen 800 000. Zehn Tage lang klang ein gewaltiges Lied durch die Straßen. Es war ein einfacher Text. Die Heere Friedrichs des Großen haben ihn bei Leuthen gesungen, die deutsche Jugend auf dem Todesfeld von Langemarck. Links! Rechts – Links! Rechts!

Das war der Text. Und alles hat mitgesungen, der Körper, die Seele und der Geist. Es ist der Gleichschritt der Deutschen Turnerschaft und des deutschen Volkes. Es ist der Gleichklang, der entsagende Einordnung in die Gesamtheit bedeutet, der den Willen ausdrückt, sich unterzuordnen, um dem Ganzen zu dienen. Das ist der Schlüssel zu dem Geheimnis, warum beim Deutschen Turnfest alles wie aus einem Guss war. Niemand ist Kanone, niemand Star; alle sind gleiche Glieder einer großen Kette. Links! Rechts! So erklang es 1860 beim ersten Deutschen Turnfest in Coburg. Links! Rechts! So erklang es 1913 beim Turnfest in Leipzig. Damals war Deutschland ein reiches, glückliches Land. Als die Turner so gerade und straff daherschritten, da war es das Wissen: Wir sind ein mächtiges Volk. Wir sind Hunderttausende von starken, gesunden Turnern. Wir sind Hunderttausende von starken, gesunden Soldaten.

Dann kamen der Krieg und nach ihm die Jahre der Zerrissenheit. Jetzt ist das 15. Deutsche Turnfest verrauscht. Wieder erklang das kerndeutsche: Links! Rechts! Aber es klang anders als in Leipzig. Es war kein stolzes Rufen mehr: Wir sind! Aber doch ein Zukunftfrohes: Wir werden! Die Zeit hat uns gedemütigt, aber wir haben uns durchgekämpft und wir werden uns weiter durchkämpfen, wieder hin zum Licht, und die Zwietracht mit der überzeugenden Tat bekämpfen.

Wie ein Symbol war das Kommen des Volkskanzlers Adolf Hitler, des Kämpfers für Deutschlands Freiheit und Einheit. Froh bekannte er beim Anblick der Hunderttausende: „Als Kanzler des deutschen Volkes bewegt mich Freude und Stolz, in dieser wunderschönen Hauptstadt des Schwabenlandes deutsche Männer und Frauen begrüßen zu können, die als beste Repräsentanten der Lebenskraft unseres Volkes anzusprechen sind. Sie kommen von überall her, wo es Deutsche gibt. Sie verkünden als Anhänger all unserer Stämme uns die Einheit der deutschen Nation!“

Auf dem Festplatz nahm der Kanzler die Parade der Deutschen Turnerschaft ab. Die Turner und Turnerinnen jubelten ihm zu und huldigten ihm als dem Führer des Dritten Reiches. Ganz klar kam zum Ausdruck: die Deutsche Turnerschaft marschiert geschlossen unter der Führung des Kanzlers für Deutschland. Die deutschen Turner sind Soldaten des neuen Deutschlands, sind Soldaten, auf die er sich verlassen kann. Sie marschieren mit ihren festen Schritten unter seiner Fahne vorwärts zum neuen Deutschen Reich.

Das Lied vom 15. Deutschen Turnfest in Stuttgart ist verklungen. Doch das Lied vom deutschen Turner, der für sein deutsches Volk lebt und wenn es sein muß auch stirbt, darf nimmer verklingen. Es soll und wird durch die Zeiten brausen und in der Not dem deutschen Volk zur Seite stehen, und kann erst untergehen, wenn Deutschland untergeht.

Links! Rechts! – Links! Rechts! Schritt gefasst! Deutschlands Turner marschieren für ihres Vaterlandes Glück und Ruhm.

Tambour, die Wirbel geschlagen! Links! Rechts! – Links! Rechts! –

Nach der Machtergreifung Hitlers wurden im Mai 1933 für alle Turnvereine Einheitssatzungen erlassen, die seitens der neuen Machthaber vorgeschrieben wurden. Jedes Vereinsmitglied musste dem neuen Staate „gesinnt“ sein und dies auch schriftlich erklären.

Von den nationalsozialistischen Ideen blieb zwangsläufig auch der Turnverein Lobberich nicht verschont. Vorträge über die „Jugenderziehung im nationalsozialistischen Staat“ und „Die deutsche Turnerschaft im Dritten Reich“ u. Ä. taten ihr übriges, den Mitgliedern und vor allem den Vereinsführern die neue Richtung, die die Turnsache einzuschlagen habe, klarzumachen. Der ständig sinkende Mitgliederbestand – vor allem in der Turnabteilung – wurde damit verharmlost, dass man einfach erklärte: „Der erhebliche Rückgang in der Mitgliederzahl ist wenig von Bedeutung, da die austretenden Mitglieder dem Turnbetrieb und dem inneren Wesen eines deutschen Turnens nicht geziemen, ausscheiden mussten“ (Protokoll der Jahreshauptversammlung vom 17.3.1934).

Die Mitgliederzahl sank in kürzester Zeit auf 190. Zweimal monatlich musste jeder Verein „Wehrsport-Übungsstunden“ abhalten. Bei jeder Mitgliederversammlung war nun ein Pressevertreter der „öffentlichen Propagandastelle“ anwesend. Max Steeger trat vom Amt des 1. Vorsitzenden zurück, ebenso Kinderturnwart G. Teggers und Spielwart R. Mackenstein. Durch die Einführung eines Pflichtturnjahres musste jedes Mitglied von 17 – 25 Jahren jede Woche an einem Turnabend teilnehmen. Eine neue Einheitsturntracht wurde eingeführt: stahlblaues Hemd, kurze oder Stiefelhose, Koppel, Marschschuhe oder Stiefel. Den SA- und HJ-Angehörigen wurde es erlaubt, ihre eigenen Uniformen zu tragen. Dies ging sogar soweit, dass die Teilnahme an den Handballspielen von dem Besitz dieser neuen Tracht abhängig gemacht wurde. Am Vorabend der ersten, nur noch von den Nationalsozialisten bestimmten Reichstagswahl vom 12. 11. 1933, wurde in einer Mitgliederversammlung alle Mitglieder aufgefordert, gemäß dem Gelöbnis der Turner auf dem Deutschen Turnfest in Stuttgart „dem Führer Adolf Hitler zur Seite zu stehen und mit „JA“ zu stimmen.“ Der „Langemark-Gedächtnis-Marsch“, ein Gepäckmarsch – als Schweigemarsch veranstaltet, wurde erstmals durchgeführt. Er ging damals über 15 km zum Ehrenmal auf den Süchtelner Höhen. Mit mehr als 20 Turnern beteiligte sich der Turnverein Lobberich daran. 
Vom „Reichsbund für Leibesübungen“, in dem 16 verschiedene Sportarten zusammengeschlossen waren, wurden einheitliche Richtlinien und Vorschriften erlassen. Unter anderem sollte Handball künftig als „Deutsches Spiel“ besonders gepflegt werden. Der Mitgliedsbeitrag wurde auf 20 Pfg. für Erwachsene und 10 Pfg für Jugendliche und Erwerbslose und auf 6 Pfg. für Schüler festgesetzt. Finanziell kam der Verein „so gerade über die Runden“.

Anfang 1934 kam es zur Wiederaufnahme der Wandertätigkeit der Vereinsmitglieder – jedoch nicht innerhalb einer besonderen Abteilung des Vereins, sondern „zur Vertiefung des Heimatgefühls und zur Herstellung der Volksgemeinschaft im Gesamtverein“. Der Nachfolger von Steeger, Anton Kunnen, verstand es immer wieder bei den monatlichen Mitgliederversammlungen die Mitglieder zu größeren sportlichen Anstrengungen zu bewegen. Verschiedene Turnfeste in den Nachbargemeinden, das Landesturnfest in Aachen, das Kreisturnfest in Krefeld, die Stiftungsfeste in Oedt und Kempen wurden besucht. Ebenso die Teilnahme am Süchtelner Bergfest und am Bökelbergfest in Mönchengladbach zeigten immer wieder Mitglieder des Vereins als Sieger. Die Durchführung der Kreisschwimmwoche übernahm der Turnverein Lobberich. Sie wurde am Breyeller See (früher Strandlokal Ludwigs) abgehalten und sah auch so manchen Sieger oder Platzierten aus den Reihen der Mitglieder des Turnvereins. Bei der Einweihung des „Adolf-Hitler-Parkes“ am Seestrand trug der Verein zur Verschönerung des Festes durch Leuchtkeulenschwingen und Pyramidenaufstellungen bei. Für das von Hitler ins Leben gerufene „Winterhilfswerk“ kam es am 1. 12. 1934 zwischen dem Lobbericher Sportclub und dem Turnverein zu einem Handballspiel (!), dessen Erlös dieser Institution zu Verfügung gestellt wurde. Den wenigsten wird bekannt sein, dass die Handballabteilung des Lobbericher Sportklubs in den Jahren 1934 – 1936 unter der Führung des erfahrenen und sehr rührigen Heinrich Houben sehr erfolgreich war und mit zu den stärksten Mannschaften im Kreis zählte. Die großen Hoffnungen auf ein erfolgreiches Abschneiden in den kommenden Jahren wurden jedoch auch hier durch die Einberufung zum Arbeits- und Wehrdienst zunichte gemacht.

Insbesondere das Frauenturnen und die Spielabteilung hatten dann im Jahre 1935 erheblichen Anteil daran, dass der bis auf 162 gesunkene Mitgliederbestand wieder auf 200 anstieg. Eine Frauenturnriege wurde vom Vereinsführer Anton Kunnen aus der Taufe gehoben. Die Anzahl der Schüler und Jugendlichen ließ jedoch immer weiter nach. Der Grund hierfür lag in dem Bestreben der „politischen Machthaber“, „Jungvolk“ und „Hitlerjugend“ auszubauen. Die Schwimmabteilung wurde geschlossen, obschon nach wie vor die Mitglieder zu den bekannten Übungsstunden zum Breyeller See gingen.

Einer allgemeinen Verordnung entsprechend wurde der Verein ins Vereinsregister eingetragen. Notar Dr. Joseph Veith wurde am 23. 2. 1935 zum neuen ersten Vorsitzenden des Turnvereins gewählt. Nach den Einheitssatzungen wurden neu gebildet: der Vereinsführerstab, der Vereinsführerring, der Turnausschuss und der Ältestenrat. Der Vereinsführerstab bestand aus: dem Vereinsführer, dem Stellvertreter des Vereinsführers, dem Oberturnwart, dem Amtmann, dem Kassenwart, der Führerin der Frauen und Mädchen, dem Pressewart und dem Dietwart. („
Diet“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet Volk, im übertragenen Sinn deutsch. Der Dietwart ist also in des Wortes ursprünglichster Bedeutung der Volkswart, der Deutschwart, also Pfleger alles dessen, was dem Volke gehörig und eigen ist. Der Dietwart sollte in der NS-Zeit im Auftrag des Reichssportführers alle Turn- und Sportvereine im nationalsozialistischen Sinne schulen und deren Ideologie und „Erziehungsziele“, also Rassebewusstsein, Gemeinschaftssinn, völkische Haltung und antijüdische Ressentiments, an die Mitglieder herantragen. Dazu hatte er dafür Sorge zu tragen, dass die Mitglieder von Vereinen nationalsozialistische Lieder singen, die Reden des Führers hören. In Dietprüfungen wurde die völkische Haltung der Sportler kontrolliert.)

Dem Vereinsführerring gehörten an: die Mitglieder des Vereinsführerstabes, der Beitragswart, der Männerturnwart, der Frauenturnwart, der Jugendturnwart, der Pflichtturnwart, der Volksturnwart, der Spielwart, der Schwimmwart, der Fechtwart, der Werbewart, der Leiter der Vereinszeitung, der Wanderwart, der Festwart, die Zeugwarte (soweit notwendig). Dem Turnausschuss gehörten an: der Oberturnwart, der Männerturnwart, der Frauenturnwart, der Jugendturnwart, der Kinderturnwart, der Volksturnwart, der Spielwart, der Schwimmwart, der Fechtwart, der Schneelaufwart, der Wasserfahrwart, der Pflichtturnwart, der Spielmannszugführer, die Gerätewarte sowie die fachlichen Leiter der einzelnen Abteilungen, die vom Vereinsführer im Einvernehmen mit dem Oberturnwart zu bestimmen waren (soweit notwendig). Dem Ältestenrat gehörten an: der Vereinsführer, der Oberturnwart, der Dietwart, die Führerin der Frauen und Mädchen, bis zu 6 weitere Mitglieder, die der Vereinsführer möglichst aus der Zahl der tätigen Ehrenmitglieder zu berufen hatte. Die Einheitssatzung wurde in der Generalversammlung vom 23. 2. bzw. 27. 4. 1935 einstimmig angenommen. Der Verein wurde Mitglied des Reichsbundes für Leibesübungen, in der auch die Deutsche Turnerschaft im Jahre 1936 aufging. Aus der Deutschen Turnerschaft wurde das „Fachamt für Geräteturnen, Gymnastik und Sommerspiele“. Ein „Begräbnis 1. Ordnung“ wie es viele namhafte Turner bezeichneten. Die Verbandsstruktur wandelte sich von einer demokratischen in eine autoritäre.

Noch eine Besonderheit brachte die neue Vereinssatzung mit sich: Die „Völkische Sprache“ wurde in die Turnerei eingeführt. Um dies und das gesamte Gedankengut der politischen Machthaber zu fördern, wurden sog. „Dietwarte“ bestellt, die an wöchentlichen „Dietabenden“ Vorträge hielten, die von den Mitgliedern „rege besucht werden sollten“. So ist zum Beispiel in § 4 der neuen Satzung bestimmt, „dass Mitglieder des Vereins nur unbescholtene Deutsche werden können. Als Deutsche gelten nur Volksgenossen, deren Eltern und Großeltern Arier sind“. F
ür das Frauenturnen wurde auf Vorschlag des damaligen Kreisvorsitzenden ein Klavier angeschafft, um das rhythmische Turnen zu fördern. Das „eingeschlafene“ Schlagballspiel wurde zum neuen Leben erweckt. Angesiedelt wurde es in der Spielabteilung des Vereins. Im Oktober 1935 kam es zur Auflösung des Lobbericher Boxklubs. Die ehemaligen Mitglieder wurden insgesamt Mitglieder des Turnvereins (Franz Hespers, Heinz Boss, Theo Boss, Josef Jackels, Hermann Kleppen, August Tillmanns, Josef Lenhsen, Josef Tack, E. Wirtz, Heinz Vaassen, E. Wienhoven, Paul Küppers, Leo Schotten, Josef Mooren). Damit hatte der Verein Ende 1935 wieder 300 Mitgliedern.

Auch das Jahr 1936 war für den Turnverein Lobberich von großer Bedeutung. Als Erstes muss hier das „50jährige Jubelfest“, welches aus den nachstehenden Erläuterungen heraus zum „75jährigen Jubelfest“ wurde:

Bei den Vorbesprechungen zum 50. Stiftungsfest kamen vielen Mitgliedern, insbesondere den Älteren, Bedenken hinsichtlich der Gründung des Turnvereins. Die am 6. 1. 1886 erfolgte Neugründung bedürfe einer eingehenden Untersuchung. Gespräche mit den „Alten“ zu den Gründern gehörenden Mitgliedern des Vereins und vor allem die Eintragungen im seinerzeit weitergeführten Protokollbuch ergaben dann, dass die Zweifel der Mitglieder berechtigt waren. Am 12. 3. 1936 stellte der Verein dann den Antrag an den Gau – nicht ohne vorher eine positive Stellungnahme des Kreises erreicht zu haben – das Gründungsjahr 1861 anführen zu dürfen. In dem Antrag heißt es u. a.:

„Am 2. September 1861 wurde von 17 Personen ein Turnverein in Lobberich gegründet. Das noch vorhandene Protokollbuch berichtet ausführlich über die Gründung und über die späteren Vorgänge innerhalb des Vereins. Auch die Beweggründe für die Auflösung des Vereins im Jahre 1877 sind niedergelegt. Die Beteiligung sei lange eine sehr schwache gewesen. Das Vermögen des Vereins, bestehend aus den Turngeräten, wurde der Gemeinde Lobberich übereignet. Im Jahre 1866 schlossen sich wiederum mehrere Personen zu einem Turnverein zusammen. Sie benutzten das Protokollbuch des alten Vereines und machten am 6. Juni 1886 folgende Eintragung:

„Nach einem Zeitraum von neun Jahren sind heute, den 6. Juni 1886 die Unterzeichneten zusammengetreten, um wieder nach dem Vorbild anderer Städte Deutschlands einen lang entbehrten Turnverein zu gründen“. Vorstehende sind daher als Gründer des Lobbericher Turnvereins zu betrachten.

Die Beteiligten haben offenbar die Ehre, Gründer eines Turnvereins in Lobberich zu sein, für sich in Anspruch nehmen wollen. In der Protokollniederschrift weisen sie jedoch selbst auf den alten Verein hin und auf die Tatsache, dass das Vereinsleben in Wirklichkeit nur geruht habe: Mehrere der Beteiligten waren Mitglieder des alten Vereines, die Turngeräte des alten Vereins wurden wieder zur Verfügung gestellt, das alte Protokollbuch weitergeführt und in ihm wurde zum Ausdruck gebracht, dass man den engeren Zusammenschluss lange entbehrt habe.

Die Auffassung, eine Neugründung liege vor, wurde im Verlauf der Jahre mehrmals erheblich angezweifelt, aber die Gründer von 1886 bestanden auf ihrem Ehrenvorrecht. Unter Anerkennung ihrer lobenswerten Tat beließ man es einstweilen bei ihrer Auffassung. Die Mitglieder des heutigen Turnvereins Lobberich (die Gründer von 1886 leben nicht mehr) sind übereinstimmend der Ansicht, dass der Turnverein und die turnerische Idee seit 1861 in Lobberich besteht und dass der Verein in den Jahre 1877 bis 1886 nur geruht hat, dass also in Wirklichkeit das Gründungsjahr des Vereins das Jahr 1861 ist.“

Dieser Antrag wurde am 25. 3. 1936 durch den Gauführer Karl Paye wie folgt genehmigt:

„Auf Ihren Antrag vom 12.3.1936 genehmige ich hiermit unter Berücksichtigung der Stellungnahme des Kreisführers, dass der Turnverein Lobberich als Gründungsjahr das Jahr 1861 bezeichnet. Die im Jahre 1886 erfolgte Wiederbelebung des Vereins ist nicht als Neugründung zu werten.“

Die Freude unter den Mitgliedern war verständlicherweise groß. Mit Recht konnte man dann in diesem Jahre das 75jährige Bestehen des Vereins feiern. Die Festlichkeiten wurden im September abgehalten. Dabei wurden die Volksturnmeisterschaften des Kreises durchgeführt, die als Pflichtveranstaltung für alle kreisangehörigen Vereine seitens des Kreisvorstandes deklariert wurden. Lobberich erlebte wieder einmal ein wahres Volksfest, an dem sich alle ortsansässigen und viele Nachbarvereine, aber auch die gesamte Bevölkerung Lobberichs beteiligte.

Auf Beschluss des „Reichsbundes für Leibesübungen“ wurde der komplette Übungs- und Wettkampfbetrieb für Jugendliche von 10 – 14 Jahren am 1.12.1936 eingestellt. Die Jugendlichen sollten insgesamt dem „Jungvolk“ bzw. dem „BDM“ (Bund Deutscher Mädel) zugeführt werden. Überwacht wurde die ganze Angelegenheit durch die zwischenzeitlich, wie es hieß „zur besseren Kontaktpflege“ eingerichteten „Ortsgruppe des Reichsbundes für Leibesübungen“. Zu Ostern 1937 trat der Jahrgang 1926 als Erster pflichtgemäß in das „Jungvolk“ ein. Insbesondere die Jugendarbeit des Vereins litt zwangsläufig unter dieser Entscheidung. Wenn es auch in späterer Zeit immer mehr Verbindungen zwischen den „staatlichen Jugend-Sammel-Stellen“ und dem Verein gab, war eine optimale Jugendarbeit nicht mehr möglich. 
Im März 1937 fanden diverse Verhandlungen auf Veranlassung des Ortsführers des Reichsbundes für Leibesübungen statt, die zur Folge haben sollten, den Turnverein Lobberich und den Lobbericher Sportclub aufzulösen und einen neuen Verein unter dem Namen „Verein für Leibesübungen Lobberich 1937“ zu gründen. Der damalige Vorstand beschloss mit der Zustimmung der Mitglieder:

„Vorstand und Ältestenrat des Turnvereins Lobberich sind nach eingehender Aussprache der Ansicht, dass zur Zeit die Neugründung des einheitlichen Vereins verfrüht ist, halten aber die Idee für sehr begrüßens- und erstrebenswert. Wir schlagen deshalb vor, dass zu diesem Zweck ein engeres Zusammenarbeiten zwischen den einzelnen Vereinen versucht werden soll, damit auf diese Weise ein allmähliches, organisatorisches Zusammenwachsen der einzelnen Vereine, insbesondere im Interesse der Jugend, erreicht wird“ (Protokoll der Mitgliederversammlung vom 13.3.1937).

Erstmals im Jahre 1937 wurde das „Prellballspiel erwähnt, das ebenfalls in der „Sport- und Spielabteilung“ angesiedelt und gerne gespielt wurde. In leichtathletischer Hinsicht trat Hermann Steinwegs (später auch ein guter Handball-Schiedsrichter) mit sehr guten Leistungen im Speerwerfen, Hochsprung und 100-Meter-Lauf (12,0 Sek.) hervor. Bei den Turnern waren dies Heinz van Overbrüggen, Josef Zanders und Josef Schäfer, die nicht nur bei den vereinsinternen Meisterschaften, sondern auch bei örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen siegreich waren. Immer eindringlicher versuchten die Dietwarte, bei den wöchentlichen Dietabenden die Mitglieder auf die nationalsozialistischen Ideen einzuschwören. So sprach beispielsweise der damalige Dietwart Rechtanwalt Cornel Schmitz an einem Abend über das „Gesetz zur Verhütung von Erbkrankheiten“ und dessen positive Auswirkungen auf die Turnbewegung der Zukunft.

Zum Winterfest 1938 wurde das Mitglied der Deutschlandriege, gleichzeitig auch Gau-Turnlehrer, Heinz Sandrock, mit einer Riege verpflichtet. Erstmals in diesem Jahr stellte der Turnverein für den stattfindenden Karnevalszug einen Wagen und eine Fußgruppe. Sportliches Hauptereignis war im Jahre 1938 das vom 27. - 31. Juli durchgeführte Deutsche Turnfest in Breslau, an dem 28 Vereinsmitglieder teilnehmen konnten. Fünf Turner wurden seinerzeit als Wettkämpfer gemeldet, von denen Josef Schäfer, Josef Wirtz und Karl Koerfers als Sieger heimkehrten. Da seit dem Jahre 1935 für die Vereinsmitglieder keine Unfallversicherung mehr bestand, wurde, um größere Schäden wenigstens teilweise ausgleichen zu können, eine „besondere Unfallkasse“ eingerichtet, die aus freiwilligen Spenden bei Vereinssammlungen und ähnlichen Anlässen gespeist wurde.

Im September 1938 verstarb Robert Schöny, ein Mann, der sich fast 50 Jahre lang ständig in führenden Vereinsämtern (Vorsitzender, Schriftwart, Turnwart und Kassierer) um die Belange des Vereins mit großem Erfolg eingesetzt hat. Auch über den Verein hinaus hat er im „Niederrheinischen Grenzgau“ als Turnwart lange Jahre das turnerische Leben mitgestaltet. Nicht nur bei den Turnern, auch in der ganzen Bürgerschaft war Schöny beliebt und geschätzt. Er gehörte darüber hinaus fast 47 Jahre der Lobbericher Feuerwehr an. Der Turnverein verdankt ihm jedoch noch mehr: Hat er doch die Traditionsfahne des Vereins aus dem Jahre 1861 „gerettet“, als er diese von seinem Vater Karl übernahm und aufbewahrte, ehe er sie dem Verein zum 75jährigen Jubelfest zurückgab. Das Turnen hielt ihn bis zuletzt geistig und körperlich jung. Insbesondere bei den Turnabenden der Altersabteilung war er gerne gesehen.

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                                                              Karl Schöny


 

Am 21. Dezember 1938 erfolgte die Umbenennung des bisherigen Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen in die Bezeichnung „Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen“. Dadurch wurde der Sport eindeutig „politisiert“. Rudolf Hess Stellvertreter Adolf Hitlers bekannte: „Die vom Reichssportführer geschaffene Einheitsorganisation der deutschen Leibesübungen, der Deutsche Reichsbund für Leibesübungen hat die Aufgabe, das deutsche Volk zu einem „Volk in Leibesübungen“ zum machen. Diese wichtige politische Zielsetzung, die besonders bei dem Deutschen Turn- und Sportfest in Breslau 1938 in Erscheinung trat, lässt es geboten erscheinen, dem Reichsbund Führung und Schutz der NSDAP zuteil werden zu lassen. Damit ist zum Ausdruck gebracht, daß der Einsatz der Millionen deutscher Turner und Sportler im NSRL (Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen) und die Arbeit der Organe dieses Bundes politisches Wirken im Sinne und im Namen der NSDAP ist.“

Bei der Jahreshauptversammlung am 31. 12. 1938 wurde beschlossen, aufgrund eines Verbotes des „Reichssportführers“, jegliche Verbindung zu ausländischen Vereinen zu beenden, den Turnverein „Oranje Venlo“, mit dem man seit vielen Jahren in angenehmer Beziehung stand, nicht zum Winterfest 1939 einzuladen. 
Lobberich wird im Laufe des Jahres 1939 zum „Stützpunkt der Turnerei“ im Kreis. Lehrgänge des bereits erwähnten Gauturnlehrers Sandrock wurden in Lobberich abgehalten und die Mitglieder der Nachbarortsvereine verpflichtet, an diesen Lehrgängen teilzunehmen. Die letzte Mitgliederversammlung vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. 9. 1939 fand am 2. Juli 1939 statt. Da zu Kriegsbeginn der Vereinsführer Dr. Veith ebenfalls eingezogen wurde, viele Turner auch zum Arbeitsdienst gerufen waren, ruhte zunächst die Verwaltungsarbeit im Verein. Dr. Veith, der im März 1940 wieder in seinen Zivilberuf zurückbeordert wurde, rief dann am 9. 3. 1940 zu einer Jahreshauptversammlung die noch verbliebenen Mitglieder zusammen, in der er die geänderten Vereinsverhältnisse und die Aufgaben und Ziele des Vereins in der Kriegszeit erläuterte. Dr. Veith führte weiter aus, „dass die Aufrechterhaltung des Vereinslebens, die Pflege der Kameradschaft und die ständige Hilfsbereitschaft für die Zukunft Grundlage und Richtschnur für die Kriegsarbeit im Verein sein sollten“. Dementsprechend wurden den im Wehrdienst stehenden Mitgliedern zu verschiedensten Anlässen kleine Päckchen übersandt. In der gleichen Versammlung wurde von Josef Wilms erwähnt, dass der gesamte Turn- und Spielbetrieb wegen der besonderen Lage „äußerst schlapp“ geworden sei.

Im Jahre 1940 wurden neue Einheitssatzungen des „ Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen“ beschlossen, die zum Inhalt hatten: „Anwendung des Führerprinzips, Anerkennung der Gemeinnützigkeit und die grundsätzliche Einheitlichkeit der Satzungen bei allen im Reichsbund für Leibesübungen zusammengeschlossenen Turn- und Sportvereinen“. Die Vereine wurden immer wieder zu „Metallspenden“ aufgerufen, die wegen der allgemeinen Knappheit an Rohstoffen notwendig wurden. Der Verein opferte aus diesem Grunde viele Pokale, Wanderpreise und Fahnenspitzen.

Durch die Ausweitung der Kriegshandlungen am 10. 5. 1940 (Einmarsch in Holland) und die damit verbundenen erneuten zahlreichen Einberufungen fanden zunächst bis zum Oktober 1945 keine Mitgliederversammlungen mehr statt. Trotzdem war die Arbeit im Verein immer noch sehr rege. Auf Kameradschaftsabenden wurden Probleme erörtert und erledigt. Erstes gefallenes Mitglied war Josef Schotten. Das Anwachsen der Kriegswirren führte zwangsläufig zu einem Rückgang des Turn- und Spielbetriebes. 1941 verbleiben noch 122 Mitglieder. Allein 41 junge Turner befanden sich bei der Wehrmacht oder im Arbeitsdienst. Trotz allem wurde am 10. 11. 1941 das 80jährige Bestehen des Turnvereins gefeiert. Das Fest machte dem Turnverein auch weit über die Grenzen Lobberichs hinaus alle Ehre. In Riesenartikeln würdigten die erscheinenden Zeitungen das Fest, auf dem die Ehrenmitglieder Lambert Birker und Wilhelm Riether für ihre 50jährige Vereinsmitgliedschaft geehrt wurden. Der fortschreitende Krieg forderte immer mehr Opfer. Mittlerweile war fast die Hälfte aller Mitglieder eingezogen. Die Fahrverbindungen zu auswärtigen Veranstaltungen wurden immer schlechter.

Speziell für die Jugendabteilung des Vereins wurde die Gründung einer Rollschuh- und Schlittschuhabteilung beschlossen. Eine Kinderabteilung wurde ins Leben gerufen, womit im November 1942 der Verein wieder 180 Mitglieder zählt. Die Rollschuhabteilung hielt Übungsabende zunächst in der Kulturhalle an der Breyeller Straße, nach deren Verkauf dann im Spritzenhaus der Feuerwehr ab.

Die letzte Eintragung vor Kriegsende im Protokollbuch trägt als Datum den 18. 11. 1942. Ab diesem Zeitpunkt ruhte der gesamte Turn- und Spielbetrieb, wie auch das übrige Vereinsleben.

 

Der TV Lobberich 1861 e.V. von 1945 – 1961
- die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Wiederaufbau


Die Zeit des Zusammenbruchs von 1944 – 1945 versetzte auch dem Turnverein harte Schläge. Die im Jahre 1926 unter Bürgermeister Eger entstandene Turnhalle war ausgeplündert und schwer beschädigt. Der Sportplatz glich einem von Panzer- und Schützengräben durchzogenem Trümmerfeld, die Geräte waren alle verloren. Die erste Mitgliederversammlung nach dem Zweiten Weltkrieg fand am 26. 10. 1945 im Vereinsheim Dammer statt und war von 46 Turnerinnen und Turnern besucht. Turnsenior Lambert Birker eröffnete sie und betonte dabei, „dass es nun an der Zeit sei, die durch den Krieg unterbrochene Arbeit wieder aufzunehmen, um die alte Stellung des Vereins in der Jugenderziehung und Körperertüchtigung wieder zu erringen.“ Zum Zwecke der Wiederaufnahme des Turn- und Spielbetriebes wurde überörtlich der Spiel- und Sportverband Grenzland gebildet, dessen Leiter Jakob Pegels in Kempen wurde. Der Turnverein schloss sich diesem Verbande, der in etwa dem früheren Niederrheinischen Grenzgau entsprach, anund betätigte sich in den Facharten Turnen (einschließlich Leichtathletik) und Handball.

Der neue Mitgliedsbeitrag wurde auf 1 RM und für Jugendliche unter 18 Jahren auf 50 Pfg. festgesetzt. Die Übungsabende, von dem immer eifrigen Oberturnwart Josef Wilms initiiert, fanden im Saale des alten Vereinsheimes Kessels-Dammer (der Saal wurde beim ersten Neubau der Sparkasse Lobberich an der von-Bocholtz-Straße abgerissen; die Gaststätte blieb bestehen und ist heute das Hotel „Stadt Lobberich“) statt, da die Turnhalle wegen schlimmer Verwüstungen nicht mehr benutzt werden konnte. Auch die Platzanlage des Vereins war von Gräben und Granattrichtern durchzogen und von Panzern aufgewühlt. Turngeräte waren bis auf ein Reck, einen großen und einen kleinen Barren, die außerdem noch stark reparaturbedürftig waren, nicht mehr vorhanden. Von der Hoffnung auf den gesellschaftlichen und turnerischen Neubeginn beseelt, wurde auch die Vereinsarbeit fortgesetzt. Die beliebte „Götzwanderung“ am Christie-Himmelfahrts-Tag wurde erstmals im Jahre 1946 wieder durchgeführt.

Auch Zusammenschlussbestrebungen mit dem Lobbericher Sportclub kamen im April 1946 wieder ins Rollen. Noch einmal wurde betont, dass bei gutem Willen einer gemeinsamen Arbeit im Dienste der Jugendertüchtigung nichts im Wege stehe, dass aber auch in einem Orte wie Lobberich sowohl der eine als auch der andere Verein lebensfähig sei. Die vom Kreisverband vorgelegten neuen Satzungen wurden vorerst nicht anerkannt, da man es nicht für guthieß, eine Trennung von Turnen und Spielen vorzunehmen. (Die Vereinigung von Turn- und Spielvereinen wurde seitens des Verbandes nicht für gut befunden.)

Anfang Januar 1948 stellte der Turnverein den Antrag an die Gemeinde Lobberich, ihm die frühere Jugendherberge, insbesondere aber den an die eigentliche Turnhalle angrenzenden großen Raum der Jugendherberge auf die Dauer des bestehenden Pachtvertrages über den Sportplatz zu einer angemessenen Miete zu vermieten. Dr. Veith begründete dies damit, dass der Verein mittlerweile 350 Mitglieder habee und darauf angewiesen sei, „getrennt zu turnen“, hierzu jedoch die bisherige Turnhalle nicht ausreiche. Außerdem wäre es zweckmäßig, so Dr. Veith, wenn auch die beiden Räume, also praktisch die gesamte Jugendherberge dem Verein vermietet werden könne, die man dann an jemanden vermieten könnte, der als Platzwart des Turnvereins aber auch als Hallenwärter fungieren könne. Am 15. April 1948 kam dann der entsprechende Mietvertrag zustande. Nachdem der Turnverein die vertragliche Verpflichtung eingelöst hatte, die sich im schlechten Zustand befindlichen Räumlichkeiten instand zu setzen, konnte mit den Eheleuten Wilhelm und Luise Jennen geb. Leßmann am 21. Mai 1948 ein Dienstvertrag (Anstellung als Turnhallen- und Sportplatzwart) geschlossen werden.

Zum 87. Stiftungsfest des Vereins, am 27. Mai 1948, das im Saale Dammer abgehalten wurde, trat wiederum die Rheinlandriege auf, in der auch zwei junge Lobbericher Turner mitturnen durften: Heinz Fegers und Hans Hegger. Einem Zeitungsbericht nach waren die Leistungen der beiden Lobbericher im Vergleich zu den Turnkünsten der Turner der Rheinlandriege zwar „noch nicht so ausgereift“, dennoch zeigten sie „recht ansprechende Übungen“. 
Das 19. Deutsche Turnfest vom 19. – 23. August 1948 in Frankfurt, zu dem nur Teilnehmer aus den amerikanischen und britischen Besatzungszonen offiziell reisen durften (die Turner aus dem französisch besetzten Bereich kamen „heimlich“), besuchten trotz der ungewöhnlich schweren Zeiten mehr als 30.000 Festteilnehmer; unter ihnen auch ein Lobbericher Turner: Heinz Fegers. Er erreichte damals den 8. Platz in seiner Klasse. Ein Erfolg nicht nur für den jungen Turner, auch für den Verein und dessen immerwährendes Bemühen, gute Turner und Sportler aus eigenen Reihen hervorzubringen. 

Am 28. 8. 1946 wird ein Pachtvertrag zwischen der Gemeinde Lobberich und dem Turnverein unterzeichnet, der dem Turnverein für 13 Jahre – beginnend am 1. 9. 1946 endigend am 1. 11. 1959 – den bisherigen Gemeindesportplatz zur Nutzung ermöglicht. Der Pachtzins betrug 80 DM pro Jahr. Der Turnverein wurde darin verpflichtet, den Platz in den Sommermonaten an zwei Abenden der Gemeinde für den von ihr gewünschten Zweck und der Katholischen Kirchengemeinde für die katholische Pfarrjugend unentgeltlich zur Verfügung zu stellen. Der erste Bauabschnitt sah die Herrichtung des Spielfeldes und die Errichtung der bereits erwähnten 100-Meter-Bahn vor. Als 2. Bauabschnitt für 1948 wurde die Fertigstellung der Rundbahn und für 1949 der Tennisplatz (!) vorgesehen. Ja sogar eine Rollschuhbahn und ein Schwimmbad waren geplant.

            
 

Bausteine in Form von Karten wurden ausgegeben, die jedes Mitglied und jeder Gönner des Vereins käuflich erwerben konnten, damit die hohen Kosten nicht voll zulasten des Vereins gingen. Anfang 1948 wurde zur Belebung der Turnstunden ein Turnlehrer (Funke) eingestellt, dessen Aufbauarbeit gute Früchte trug. Von den Vereinsmitgliedern wurde, unter der Leitung von Josef Schäfer, die Instandsetzung in Angriff genommen. In mehr als 5.000 Arbeitsstunden wurde das ganze Spielfeld verlegt, mit Sprung- und Kugelstoßgruben versehen und mit einer fünf Meter breiten Aschenbahn sowie mit erhöhten Zuschauerplätzen umsäumt. Von dem Gedanken ausgehend, dass „der Bestand des Vereins nur durch eine nach Idealen strebende Jugend gesichert sei“, wurde die Jugendarbeit besonders gefördert. Dank der unermüdlichen Arbeit des Jugendwartes Bernhard Ostermann und des Oberturnwartes Josef Wilms wurde die Jugend- und Schülerabteilung bis Ende 1950 zur stärksten Abteilung des Vereins und des Kreises mit einer eigenen Sing- und Spielschar. Im September 1948 wurde auch die Frauenturnabteilung wieder aktiv.

Das Bedürfnis der vielen aktiv Tätigen, sich an einem Wettkampf beteiligen zu können, der Aussicht auf Anerkennung ihrer Leistungen brächte, war verständlich; hatten doch die Turnvereine durch ihre erhebliche Breitenarbeit sehr viele – vor allem junge Menschen – zur aktiven körperlichen Betätigung gebracht, Aktive, von denen naturgemäß nur wenige zu Spitzenleistungen kamen. Diese Überlegungen führender Funktionäre in der deutschen Turnbewegung führten auf Antrag des Turnvereins Lobberich zu dem Beschluss des Gauturntages, einmal im Jahr eine Mehrkampfveranstaltung auf breitester Grundlage zu bieten. Dabei sollten Einzelkämpfe als Rahmenwettbewerbe mit einbezogen werden. So entstand im September 1949 das „Turner-Grenzland-Treffen“, mit dessen Durchführung der Verein zehn Jahre lang beauftragt wurde. Der Erfolg dieser Veranstaltung war über Erwarten groß. Im Durchschnitt wurde das Treffen von 14 Vereinen des Turngaus beschickt. Allein der Turnverein stellte durchschnittlich 135 (!) Wettkämpfer, von denen nahezu 100 Sieger wurden.

Das 1. Turner-Grenzland-Treffen wurde auf der im 1. Bauabschnitt fertiggestellten Turnerkampfbahn durchgeführt und zählte zu den wohl größten sportlichen Ereignissen dieses Jahres im Grenzland. Durch die unermüdliche Arbeit der Mitglieder Kunnen, Körfers und Wilms war dieses Treffen ein so großer Erfolg, dass es zu einer Dauereinrichtung des Kreises wurde. Beim ersten Treffen fanden sich 728 Wettkämpfer ein. Der Turnverein selbst stellte hiervon allein 72, wovon 58 als Sieger aus den Wettkämpfen hervorgingen. Die Handballabteilung nahm immer größeren Aufschwung. Ertrag der hervorragenden Arbeit besonders von Josef Winkelmolen, Heinrich Lohmann, Josef Schäfer, Ernst Ott, Willi Hochbruck und nicht zuletzt von Bernhard Ostermann, der sich besonders für die Handballjugend einsetzte. Bernhard Ostermann war es auch, der eine Tischtennisabteilung gründete, um den Schülern und Jugendlichen auch im Winter eine Beschäftigung auf sportlicher Ebene zu geben. Auf Anregung von Josef Wilms, seinerzeit Oberturnwart, wurde die Sing- und Tanzgruppe im Verein zu neuem Leben erweckt. Speziell für 14jährige wurde eine Volkstanzgruppe eingerichtet. 

Erstmals in der Geschichte der beiden größten Lobbericher Sportvereine LSC und TV kam es Anfang 1950 zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten untereinander, die hervorgerufen wurden durch gegenseitiges Abwerben von Mitgliedern insbesondere aus den beiden Leichtathletikabteilungen. Immer wieder war dies Anlass zu teilweise sehr emotional geführten Diskussionen zwischen den Vorständen beider Vereine. 

Zu den verheißungsvollsten Zeichen eines Neubeginns nach 1945 gehörte zweifellos, dass am 10. Dezember 1950 der Deutsche Sportbund (DSB) in Hannover gegründet wurde. Ein freiwilliger Zusammenschluss aller Turn- und Sportverbände der Bundesrepublik Deutschland und Westberlins. Damit war, nach den zurückliegenden Jahren erbitterter Agitation und Polemik, Einheit und Frieden im Turnerlager wiederhergestellt. Der DTB (Deutscher Turnerbund) wurde Dachverband der Turner, hervorgegangen aus der ehemaligen Deutschen Turnerschaft und dem Arbeiter-Turn-Bund. 

Herausragendes gesellschaftliches – aber auch sportliches – Ereignis war im Jahre 1951 zweifellos das 90jährige Stiftungsfest des Turnvereins. An dem Festzug nahmen mehr als 2.000 Turnerinnen und Tunern teil. Die ganze Gemeinde nahm Anteil an dem großen Fest. Die Turnhalle, zwischenzeitlich völlig renoviert und erneuert, erstrahlte im neuen Glanz. Von der Gemeindeverwaltung wurden für 5.000 Mark neue Turngeräte angeschafft, die den Turnerinnen und Turnern zugute kamen.

              Der Vorstand im Jahr 1951:

          1. Vorsitzender Dr. jur. Joseph Veith
          1. Stellv. Vorsitzender Rechtsanwalt Cornel Schmitz
          2. Stellv. Vorsitzender Karl Körfers
          Geschäftsführer Anton Kunnen
          stellv. Geschäftsführer Egidius Birker
          Schriftführer Hermann Steinwegs
          Pressewart Theo Peters
          Oberturnwart Josef Wilms
          
Jugendwart Bernhard Ostermann
          Spiel- und Volksturnwart Ernst Ott
          Turnspielwart Josef Schäfer
          Altersturnwart Karl Grundmann
          Turnwart Heinz Fegers
          stellv. Jugendwart Willy Hochbruck
          stellv. Spiel- und Volksturnwart Ernst Zitzen
          stellv. Altersturnwart Jakob Sieben
          Volkstanz und Singen Heinz Fritz
          Gerätewart Hans Meinel
          Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm Riether

              
                                 Turnriege im Jahre 1951
 

Im Jahre 1951 verstarben die Mitglieder Lambert Birker und Alex Huenges.

Lambert Birker war einer der Turner der ersten Stunde, Mitbegründer des Grenzgaues und immerwährendes Vorbild für die Jugend des Vereines. Er hatte an der Breyeller Straße eine kleine Werkstatt, in der Kartonagen- und Buchbinderarbeiten hergestellt wurden. Schwer verwundet kam Lambert Birker im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges 1918 in englische Gefangenschaft, aus der er erst 1919, gesundheitlich noch nicht hergestellt, nach Lobberich zurückkehrte. Mit 16 Jahren packte ihn das Turnen. Obwohl die Geräte damals noch primitiv waren, war ein gutes Turnen gewährleistet. Mit besonderem Nachdruck stellte Birker die schon dort vorherrschende Disziplin in der kleinen Turnerschar heraus. Sie allein schweißte das Häuflein zu einer schönen Kameradschaft zusammen, die Grundlage wurde zum fortschreitenden Aufstieg des TV Lobberich. Mit Zähigkeit und turnerischer Begabung stieg Birker 1895 zum ersten Turnwart auf.

                       
                                    Lambert Birker


Er nutzte in dieser Eigenschaft das fachliche und propagandistische Moment geschickt zu verbinden. „Man soll nie das Licht der Öffentlichkeit scheuen, wenn es sich um eine Sache zum Nutzen des Volkes handelt, auch dann nicht, wenn gewisse Kreise in der Turnerei eine ihnen nicht genehme Sache sahen“ – war sein Lebensmotto. Als seinerzeit an der Sassenfelder Straße das erste öffentliche Schauturnen im Freien startete, zu dem einige auswärtige Vereine herangezogen wurden, sagte Birker: „Ja, es muss doch etwas geboten werden!“ Das Schauturnen brachte den gewünschten Vereinszuwachs. Obwohl ihm in frühesten Jahren schon durch das Ableben seines Vaters die Sorge um die Familie übertragen war, wurde die Turnsache sein A und O. Ein Fehlen im Turnbetrieb gab es für ihn nicht. Er lebte seinen Turnkameraden die Treue vor. Die Gründung des Niederrheinischen Grenzturngaus 1896 in Lobberich basiert auf seiner Einflussnahme. Er gründete auch die Altersriege im Turnverein Lobberich. Seine turnerische Leistung wurde über Lobberichs Grenzen hin bekannt. Man holte ihn als Kampfrichter beim Kreisfest in Köln und in gleicher Eigenschaft bei den Gauturnfesten. „Mein Leib- und Magenfach war das Geräteturnen“ – so Originalton Lambert Birker. 

Alex Huenges war jahrelang zweiter Vorsitzender des Vereins, der insbesondere durch seine bemerkenswerte selbstlose Vereinsarbeit immer wieder hervortrat. Das Jahr 1952 war für den Turnverein von besonderer Bedeutung. Im Juli dieses Jahres wurde unter der Führung von Dr. Veith und weiteren sechs Vereinsmitgliedern der Verein Turnerkampfbahn Lobberich e. V.gegründet, der nach langen und äußerst schwierigen Verhandlungen mit der Gemeinde und der kath. Kirchengemeinde den Sportplatz von der kath. Kirchengemeinde erwerben konnte. Erhebliche Zuschüsse von der Gemeinde, der Regierung, dem Kreis, dem Landessportbund, aber auch nicht unerhebliche Eigengelder des Vereins sowie Spenden und viele Tausende von freiwilligen Arbeitsstunden der Vereinsmitglieder ließen in den kommenden Jahren eine vorbildliche Platzanlage entstehen. Auch für die Handballjugend wurde das Jahr 1952 zu einem besonders erfolgreichen Jahr. Die mühevolle, uneigennützige Arbeit der Männer um Bernhard OstermannHeinz Nopper, Josef Hauertz und Hermann-Josef („Sepp“) Gerhards – begann erste Früchte zu tragen. Beachtenswerte Erfolge wurden erzielt. Erstmals wurde die A-Jugend ungeschlagen (!) Kreismeister.

Zum 20. Deutschen Turnfest nach Hamburg, an dem erstmals auch wieder die Turnerjugend teilnehmen konnte, fuhren auch drei Aktive des Turnvereins: Josef Wilms, Hermann Steinwegs und Heinz Fegers. Dieses Fest, besonders jedoch die Ansprache von Bundespräsident Heuss bei der Schlussveranstaltung setzte für die Turn- und Sportbewegung neue Akzente. Im Zuge einer verbandsseitig dem Lobberich Sportclub (LSC) auferlegten Sportplatzvergrößerung, bei der die Umlaufbahn weichen musste, wurde diesem im Jahre 1952 gestattet, die Anlage des Turnvereins zu Trainingszwecken zu nutzen. Im November 1953 übernahmen die Eheleute Ernst und Henny Zitzen den Hallenwartposten für die Turnhalle. 

Die Leichtathletikjugend bringt es im Jahre 1954 zu beachtenswerten Erfolgen. Toni Pollen, Gerd van Sandten, Willi Wolters und Sepp Gerhards machten erstmals auf sich aufmerksam; jedoch sollte hier die gesamte Abteilung mit Franz Holterbosch an der Spitze wegen ihres unermüdlichen Einsatzes bei vielen Sportveranstaltungen nicht unerwähnt bleiben. So nahmen Sepp Gerhards und Willi Wolters als erste Sportler des Vereins an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil. Im Dezember 1954 wurde die noch aus der Vorkriegszeit stammende Satzung des Turnvereins den neuen Gegebenheiten angepasst – insbesondere auch wegen der neuen Gemeinnützigkeitsverordnung, die dem Verein ermöglichte, Spendengelder anzunehmen. Nachdem das Tennisplatz- und Kleinspielfeld im Rohbau fertiggestellt waren, wurde der Ausbau der Tennisanlage vom weiteren Plan gestrichen, da man der Meinung war „Tennis sei zurzeit kein Volkssport“. (wie sehr sich die Zeiten ändern werden!) Auf Initiative von Ernst Ott wurde der „Vereins-Besten-Pokal“ angeschafft: 

Bestimmungen über die Zuerkennung des Wanderpreises an das jahresbeste Mitglied: 

  1. Der Verein hat einen Wanderpreis gestiftet zur alljährlichen Zuerkennung an das
    jahresbeste Vereinsmitglied.

     
  2. Jahresbester ist, wer sich sowohl mit seiner turnerischen Leistung wie auch in seiner
    ideologischen Einstellung zum deutschen Turnen und in seiner gesamten persönlichen
    charakterlichen Haltung zum Verein und seinen Mitgliedern am meisten hervorgetan hat.
    Maßgebend ist also die Gesamtleistung und Gesamthaltung für den Verein und seine turnerische Arbeit und nicht allein die messbare sportliche Leistung.

     
  3. Die alljährliche Auswahl des Jahresbesten erfolgt durch Beschluss des Vorstandes, die Verleihung erfolgt auf der ordentlichen Jahresversammlung der Mitglieder für das betreffende Jahr.
     

Erste Preisträger im Jahre 1955 sind Sepp Gerhards für seine besonderen leichtathletischen Leistungen und Willi Wolters, der in diesem Jahr Niederrhein-Meister im Zehnkampf wird. Der besonders den alten Handballern heute noch bekannte Karl-Heinz Gädtke stößt mit 46,92 Meter im Diskuswurf in die Westdeutsche Spitzenklasse vor. Er starb leider schon in jungen Jahren an einer heimtückischen Krankheit. Neues Vereinsheim wurde im Jahre 1956 das Kolpinghaus (heute Seerosensaal), da der alte Saal vom Dammer dem Sparkassenneubau weichen musste. Im Februar 1957 übernahm Heinz Nopper für lange Jahre das Amt des Jugendspielwartes. Seinen hervorragenden Leistungen, die weit über das „Normale“ hinausgingen, ist es zu verdanken, dass eine ganze Reihe von guten Handballspielern aus den Reihen der Jugendlichen hervorging. Anfang 1958 wurde die Schwimmabteilung mangels Beteiligung aufgelöst. Ernst Brandt, jahrelanger Leiter dieser Abteilung, gründete den Versehrtensportverein (heute: Behindertensportverein) Lobberich. Hans Schatten wurde neuer Handball-Spielwart und löste Ernst Ott ab. Ein neuer Aufschwung der Handballabteilung begann. Dank des guten Nachwuchses aus der A-Jugend konnte im Jahre 1959 nach kurzer Zugehörigkeit zur Bezirksliga der Aufstieg in die Landesliga geschafft werden. 


              1. Herren-Handball-Mannschaft 1959


 

Die Olympischen Sommerspiele in Rom im Jahre 1960 sahen auch eine Teilnehmerin aus den Reihen des TV Lobberich: Anneliese Gerhards, die als Speerwerferin an erster Stelle in der deutschen Bestenliste 1960 stand, hatte als einzige deutsche Teilnehmerin im Speerwerfen das Finale erreicht. Am Fernsehen konnten viele den Kampf mit Freude beobachten. Vereinsinterne, örtliche und überörtliche Ehrungen wurden Frau Gerhards für ihre erbrachten Leistungen zuteil.

Karl Loos übernahm im Jahre 1960 das Training der Handball-Stamm-Abteilung. Unter seinem „eisenharten“ Training und mehr als vorbildlicher Leistung und nicht zuletzt durch eine hervorragende Kameradschaft errang die 1. Mannschaft 1960 bereits die Gruppenmeisterschaft in der Landesliga. Fast wurde auch der Aufstieg in die Oberliga geschafft, der damaligen höchsten deutschen Spielklasse im Feldhandball. Auch in der Halle erreichte wurden nennenswerte Erfolge erzielt: So wurde die 1. Mannschaft erstmals Hallenhandballmeister des Kreises Grenzland.

         
                "Sepp" Gerhards in Aktion beim Meisterschaftsspiel gegen den 
                        damaligen Deutschen Meister TUS Lintfort (8:8)

Im Zuge einer Generalbereinigung von Grundstücksangelegenheiten erhielt der Turnverein von der Gemeinde Lobberich das an die Turnerkampfbahn angrenzende Doppelwohnhaus Wevelinghover Straße 151/153 zugesprochen. Damit war ein Grundstein gelegt, in späteren Jahren das heute bestehende Vereinsheim zu errichten.


                                        Turnriege 1962
(Heinz Fegers, Günter Isenberg, ?,?,?, Helmut Gütz, Wolfgang Kath, ?, Manfred Albersmann, Peter Falk, ?)

Das Jahr 1961 wurde zu einem der erfolgreichsten Jahre des Turnvereins in sportlicher wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Nicht nur das 100jährige Jubelfest wurde zu einem Ereignis besonderer Art, auch die Leichtathletik- und Handballabteilung erzielten beachtenswerte Erfolge.

            


 

Die 100-Jahr-Feier in der Zeit vom 8. bis 16. Juli 1961 wurde dank der vorbildlichen, unermüdlichen Arbeit der speziell für dieses Fest ins Leben gerufenen verschiedenen Arbeitsausschüsse zu einer werbewirksamen, auch von Außenstehenden viel beachteten Veranstaltung. Ausscheidungsspiele um den Aufstieg zur Handball-Oberliga, ein Festzug, eine leichtathletische Großveranstaltung auf der Turnerkampfbahn, ein wunderschöner Festabend unter der Beteiligung von Turnern der Deutschland- und Rheinlandriege, die Rheinischen Turnmeisterschaften in 31 Wettbewerben, der Deutsche Turnvereins-Gruppenwettstreit (Landesklasse), die Deutsche Turnvereins-Meisterschaft (Landesklasse) und besondere Einzelkämpfe und Staffeln sorgen für einen sportlichen und gesellschaftlichen Rahmen, der sich sehen lassen konnte. Im Rahmen der Veranstaltung überreichte Bürgermeister Hein Nicus dem Turnverein eine neue Fahne. 

Die erste Handballmannschaft erreichte dank hervorragender Leistungen über die Ausscheidungsspiele gegen Sterkrade, Mülheim und Hilden den Aufstieg in die Oberliga und wurde bereits im ersten Jahr ihrer Zugehörigkeit Tabellenvierter. 


                         
                        1. Herren-Handball-Mannschaft 1960/1961
                     (Ernst Ott, Walter Schmitz, Hans Tüffers, Lambert Birker, Heinz Peffer, August Winkelmolen,
                     Johannes Schmitz, Josef Hauertz, "Sepp" Gerhards, Otto Tophoven, Karl-Heinz Gädtke,
                     Roland Geratz, Herbert Houben, Trainer Karl Loos und Hans Schatten)

 

Die guten Leistungen der Handballer fanden auch überörtlichen Zuspruch; so wurden Sepp Gerhards in die Westdeutsche Auswahl und Roland Geratz, Lambert Birker und Hans Tüffers in die Niederrhein-Auswahl berufen. 

In fast allen Männer- und Jugenddisziplinen wurden im leichtathletischen Bereich neue Vereinsrekorde aufgestellt. Die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik brachten dem Turnverein erstmals einen Deutschen-Meister-Titel: Anneliese Gerhards kehrte als Deutsche Meisterin im Speerwerfen der Frauen nach Hause zurück. Zuvor hatte sie auch die Westdeutsche- und die Niederrhein-Meisterschaft erringen können. Mit 52,77 Metern belegte Frau Gerhards im Jahr 1961 den 2. Platz in der Deutschen Bestenliste und den 9. Platz in der Weltrangliste. Hans Straver, ebenfalls ein vorbildlicher Leichtathlet wurde an 40. Stelle über 400-Meter-Hürden in der deutschen Bestenliste geführt. Mit dem Jahr 1961 ging eine Epoche im Turnverein Lobberich zu Ende, die in der Hauptsache durch den Neuaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg geprägt war.


Der Vorstand des TV Lobberich 1861 e.V. im Jubiläumsjahr 1961
(sitzend: Hermann Geratz, Aloys Engbrocks, Jakob Sieben, Bernhard Ostermann, Dr. Joseph Veith,
Wilhelm Riether, Anton Kunnen, Johannes Ramachers, Karl Grundmann
stehend: Hans Schatten, Willy Hochbruck, Paul Broer, Rolf Finster, Ernst Ott, Josef Wilms, Doris
Fegers, Ilse Baumann, Heinz Fegers, Heinz Nopper

 

Der TV Lobberich 1861 e.V. von 1962 – 1987
- der Turnverein auf dem Weg zum Breitensport -

 

Dieses Kapitel der Chronik des Vereinslebens beginnt mit einem Jahr, in dem die Gemeinde Lobberich in sportlicher Hinsicht – auch dank des Turnvereins Lobberich – wieder einmal sehr gut dasteht: Die 1. Handballmannschaft spielt im zweiten Jahr in der höchsten deutschen Spielklasse; der Handball-Oberliga Bezirk Niederrhein. Anneliese Gerhards holt sich zum zweiten Male den Titel einer Deutschen Meisterin im Speerwerfen der Damen. Willi Moonen – Mitglied der Billardfreunde 1937 – gelingt es, den Titel eines Deutschen Billardmeisters in der Disziplin „Einband“ zu erobern. Ein junger Reiter namens Karl-Heinz Giebmanns reitet von Erfolg zu Erfolg. 

Auf Initiative des Leichtathletikwartes des Turnvereins, Kurt Krummeich, wurde dem Vorstand des Vereins ein Probeexemplar einer Vereinszeitung – zunächst als „Nachrichtenblatt der Leichtathleten“ mit dem Titel „Sporttelegramm“ – vorgestellt. Nach mehreren Anläufen wurde die Herstellung jedoch zunächst „ad acta“ gelegt, da die Produktionskosten nach Meinung der Mehrheit der Vorstandsmitglieder nicht in einem rechten Verhältnis zum Nutzen dieser Zeitung stehen würden.


Straßenlaufstaffel des TV Lobberich 1861 e.V. im Jahre 1962
(Heinz Nielebock, Franz Meldorf, Kurt Heinrich, Hans Straver, Herbert
Halberkamp, Erhard Hahs, Manfred Sommerfeld, Jupp Leuf, Heinz Tüffers,
Manfred Tissen)

Im September 1962 kam es zu ersten Differenzen im Vorstand des Turngaus Kempen, die durch die im Jahre 1960 erfolgte Neugründung des Kempener Turnvereins hervorgerufen wurden. Die Arbeit auf Gauebene ist dadurch erheblich behindert. Dem persönlichen Einsatz des 1. Vorsitzenden des Turnverein Lobberich, Dr. Josef Veith, ist es zu verdanken, dass die Meinungsverschiedenheiten beigelegt werden konnten. Im neu gewählten Vorstand des Turngaus Kempen waren auch folgende Mitglieder des Turnvereins Lobberich vertreten: Dr. Josef Veith, Wilhelm Riether, Hans Straver, Josef Wilms, Heinz Fegers, Günter Isenberg und Helmut Gütz. 

Aufgrund eines Gutachtens, das den Zustand des über einhundertjährigen – im Jahre 1960 von der Gemeinde dem Turnverein Lobberich zugesprochen – Doppelwohnhauses Wevelinghover Straße 151/153 beschreibt, wurde erstmals erwogen, wegen der äußerst hohen Instandsetzungs- und Reparaturkosten, die bestehenden Gebäulichkeiten abzureißen und ein neues Vereinsheim mit Platzwartwohnung zu errichten. 

Ende des Jahres 1962 übersteigt die Mitgliederzahl des Turnvereins die 500er-Marke. 

Auch das Jahr 1963 brachte dem Turnverein einen erneuten Erfolgsboom, an dem vor allem die 1. Handballmannschaft großen Anteil hatte. Erstmals nahm sie an der westdeutschen Meisterschaft teil. Die damaligen Spiele gegen so bekannte Mannschaften wie TuS Lintfort (früherer Deutscher Feldhandball-Meister), VfL Gummersbach, TG Witten, Bayer Leverkusen und Grün-Weiß Dankersen sind vielen Vereinsmitgliedern und Handballfreunden noch in angenehmster Erinnerung. Stetig steigende Zuschauerzahlen (teilweise bis zu 3.000!) verdeutlichen das seinerzeit große Interesse, das man der jungen Mannschaft entgegenbrachte; selbst der Rundfunk war teilweise bei den Spielen vertreten. Ende November 1963 wurde zur Verbesserung der Trainingsmöglichkeiten für die Handballer eine Flutlichtanlage auf der Turnerkampfbahn fertiggestellt – allerdings nur für einen Torraum. Wenn auch das Jahr 1963 für die Leichtathletikabteilung nicht ganz so erfolgreich war wie die Jahre zuvor, so wurden trotzdem schöne und vor allem auch beachtenswerte Leistungen erzielt. Anneliese Gerhards, Hildegard Jalas, Herbert und Ingrid Halberkamp, Erhard Hahs, Hans Straver, Jürgen und Heinz Nielebock und Manfred Sommerfeld hatten daran entscheidenden Anteil. Die Männermannschaft Hans Straver, Jürgen Nielebock und Manfred Sommerfeld errang im Fünfkampf bei den Niederrhein-Meisterschaften einen hervorragenden fünften Platz.


Anneliese Gerhards gewann 1963 einen unter anderem mit der damaligen
Weltmeisterin Elvira Ursulina (CCCP) besetzten vorolymbpischen Wett-
Kampf im Speerwerfen der Damen in Tokio


 

Ein sportliches überregionales Ereignis darf auch in der Vereinschronik eines Turnvereins nicht fehlen: Im August 1963 begann die Profi-Fußball-Bundesliga mit ihren ersten Meisterschaftsserie. Der 1. Deutsche Meister der Bundesliga war der 1. FC Köln.

Das Jahr 1964 dürfte insbesondere für die Gemeinde Lobberich von größter Bedeutung sein: Innenminister Weyer von Nordrhein-Westfalen überreichte Bürgermeister Hein Nicus und Stadtdirektor Heinz-Willi Güßgen am 7. August 1964 die Urkunde zur Verleihung der Stadtrecht. Bereits im Sommer des Jahres 1881 hat es erste Anstrengungen in Lobberich gegeben, Stadtrechte zu erhalten. Die von Bürgermeister Stankeit initiierten Bemühungen wurden jedoch von den Bauern der Umgebung, die eine Bevorzugung der „Städter“ fürchteten, zu Fall gebracht. Auch Bürgermeister Marx scheiterte 1901 an diesem Bestreben.


Die Handball-A-Jugend des TV Lobberich beim Freundschaftsbesuch beim 
Schalksmühler TV im Mai 1964
(Die TVer in den dunklen Trikots:
stehend: Kurt Brendler, Bernd Swyen, Dieter Schulz, Fred Geratz, Franz Hauertz
knieend: Manfred Albersmann, Ulrich Lau, Herbert Geratz, Erwin Tenten, Manfred
Siegert)


Mit Ernst Ott verlor der Turnverein im Jahre 1964 seinen langjährigen 2. Vorsitzenden und damit einen Mann, dessen Verdienste gar nicht alle aufgezählt werden können. Die Ehrennadeln des DTB, des Turngaus Kempen und des Westdeutschen Handballverbandes sind nur einige der vielen Auszeichnungen von Ernst Ott. Klaus Nielebock und Hans Straver übten den vakanten Posten als Leichtathletikwart vorübergehend aus. Vor allem den „Hausfrauen Lobberichs“ eröffnete das Jahr 1964 ein neues Betätigungsfeld im Turnverein. Eine „Hausfrauenabteilung“, in der vor allem Gymnastik betrieben werden sollte, wurde von Edeltraud Krug gegründet. Die Abteilung, die später dann liebevoll „Muttiriege“ genannt wurde, ging dann in die „Senioren-Gymnastik-Gruppe“ über, in der zeitweise bis zu 60 ältere Damen in zwei Gruppen sportliche Betätigung suchten. 

Bei den 18. Olympischen Spielen in Tokio, an denen letztmalig – bis zur Wiedervereinigung – eine gesamtdeutsche Mannschaft aus Sportlern der Bundesrepublik und der DDR vertreten war, belegte Anneliese Gerhards einen beachtlichen 8. Rang beim Speerwerfen der Frauen. Ein Jahr nach ihrem schönen Erfolg in Tokio wurde Anneliese Gerhards erneut Deutsche Meisterin, während Herbert Halberkamp bei den Rheinischen Turnmeisterschaften Sieger im Sechskampf wurde und bei den Westdeutschen Meisterschaften über 200m-Hürden den dritten Platz belegen konnte. 

Im Oktober 1965 wurde für die Handballabteilung erstmals ein „Spielausschuss“ gebildet, dem die Mitglieder Lothar Niederländer, Rolf Finster und Helmuth Müller angehören. Dieser Ausschuss sollte dem Trainer bei der Mannschaftsaufstellung beratend zur Seite stehen. Allerdings machten sich erste Anzeichen einer handballerischen Krise bemerkbar. Man trennte sich von Erfolgstrainer Karl Loos, womit – für viele vorhersehbar – unausweichlich ein Abwärtstrend der Handball-Stammabteilung verbunden war. Nach einer Übergangsphase, in der Hermann-Josef (Sepp) Gerhards als Spielertrainer fungierte, wurde der Dülkener Sportlehrer Heythausen als neuer Trainer verpflichtet. 

Auf Anregung von Klaus Nielebock beteiligte sich der Turnverein erstmals an dem vom Landessportbund durchgeführte „Sportabzeichenwettbewerb“; leider machten nur wenige Vereinsmitglieder von dieser Möglichkeit, ihre Fitness zu beweisen, Gebrauch. 

In der Jahreshauptversammlung 1966 trug Günter Isenberg als „Skiwart“ vor, dass eine große Anzahl der Vereinsmitglieder dem Skifahren „fröhnt“. Junge und auch ältere Menschen würden den Versuch unternehmen, im Winter Urlaub zu machen und sich zum ersten Mal auf Skier stellen. Günter Isenberg vermutete „auch in den Reihen des Turnvereins eine relativ starke Gruppe von Turnbrüdern und Turnschwestern, die entweder bereits auf den Brettern gestanden haben oder aber die, die sich gerne damit vertraut machen möchten“. Als Gau-Skiwart äußerte er den Wunsch, dass der Turnverein im nächsten Jahr um eine Abteilung, nämlich die Skiabteilung, „reicher“ würde. Leider ist in den folgenden Protokollbüchern hiervon nie mehr die Rede. 

Die negativen Vorzeichen im Handball hatten ihre Konsequenzen: Einer großen Erfolgsphase, die auch in den späteren Jahren in diesem Sinne nie mehr vorkam, folgte ein Niedergang, der sich zunächst darin widerspiegelte, dass die 1. Herren-Mannschaft aus dem Handball-Oberligahaus in die Verbandsliga abstieg. Die 2. Herrenmannschaft bewegte sich dem allgemeinen Trend entsprechend auch nur noch im unteren Tabellendrittel. Nun wurde hektisch der Grund für diesen Einbruch gesucht. Viele sahen ihn darin, dass nicht genügend Nachwuchs aus der Jugendabteilung – speziell aus der A-Jugend – herauskam, der den hohen Ansprüchen gerecht werden konnte. Dennoch gab es in dieser schwierigen Phase der Handballabteilung des Vereins einen Lichtblick: Leni Tophoven, Ehefrau von Otto Tophoven, Torwart der 1. Handballmannschaft, und ehemalige niederländische Nationalspielerin, gründet im Juni 1967 eine Damen-Handball-Abteilung, an deren Aufbau und Erfolgen sie in der nächsten Zeit erheblichen Anteil hatte. Die Faustball-Abteilung, zwischenzeitlich in der Altersabteilung angesiedelt, wurde nach Jahren der Mittelmäßigkeit erstmals wieder Kreismeister. 

Aus Dankbarkeit und in Erinnerung an die großartigen Verdienste des 1. Vorsitzenden des Vereins wurde der von ihm gegründete Verein „Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ in „Dr. Joseph-Veith-Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ umbenannt.

In Sachen Vereinsheim-Neubau wurde im September 1967 ein weiterer Schritt nach vorne getan: Das bereits erwähnte Doppelhaus an den Wevelinghover Straße wurde von den Mietern geräumt. Im April 1968 wurden dann endgültig der Abriss und ein Neubau beschlossene Sache. Der zunächst vorgelegte Finanzierungsplan, der mit einer Gesamtbaukosten-Summe von 175.000 DM abschloss, ließ jedoch einige verhaltene Stimmen laut werden, die aus Kostengründen das Projekt infrage stellten. Zur besseren Arbeitsteilung und Entlastung des geschäftsführenden Vorstandes wurde nun ein Bauausschuss ins Leben gerufen, dem die Mitglieder Hans Schatten, Heinz Grundmann, Ernst Ditges, Josef Wilms, Karl Blasius, Walter Schmitz, Willi Schmitz, Johannes Schmitz und Hans Christians angehörten.
 

Speziell auf die Mitgliederentwicklung der Leichtathletikabteilung des Turnvereins hatten im Jahre 1968 die 19. Olympischen Spiele in Mexiko des Jahres 1968 positive Auswirkungen. Allein 21 neue Mitglieder traten dieser Abteilung bei. Bei den jugendlichen Leichtathleten traten Sieglinde Klinkertz und Martina Gerhards im Speerwerfen besonders hervor. Karl-Heinz Schmitz wurde Kreismeister im Zehnkampf. Übrigens wurde bei den Spielen in Mexico für die Hochspringer eine neue Ära eingeläutet: Der Amerikaner Fosbury kreierte einen neuen Hochsprungstil. Mittlerweile haben alle Hochspringer ihre Technik darauf umgestellt. Das vom 28. Mai – 2. Juni 1968 in Berlin abgehaltene Deutsche Turnfest wurde auch von sechs Aktiven des Turnvereins besucht. 

Auch für die Handballabteilung brachte das Jahr 1968 einen leichten Aufwärtstrend. Die erste Mannschaft schaffte wieder den Aufstieg in die Oberliga, die zweite Mannschaft stieg in die Bezirksklasse auf. Die bereits erwähnte gute Aufbauarbeit von Leni Tophoven trug erste Früchte: Die erste Damenmannschaft wurde bereits Bezirksmeister. Im Hallenhandball waren die Aktiven dann nicht so erfolgreich. Zwar schaffte die 1. Herrenmannschaft noch die Qualifikationsrunde zur neu gegründeten Hallenlandesliga, doch der erhoffte Aufstieg wurde knapp verpasst. 

Das Jahr 1969 – das Jahr, in dem der erste Mensch den Mond betrat – war für den Turnverein besonders in einer Hinsicht bedeutungsvoll: durch den Neubau des Vereinsheims. Nachdem es Anfang April 1968 zu einem Brand in dem abbruchreifen Doppelhaus kam, wurde am 19. 4. 1969 in Zusammenarbeit mit dem Technischen Hilfswerk (THW) und unter tatkräftiger Mithilfe vieler Vereinsmitglieder der Abbruch vorgenommen. Bereits Mitte Dezember 1969 stand der Rohbau dank unermüdlicher ehrenamtlicher Arbeit – das Protokollbuch erwähnt hier besonders die Mitglieder Heinz Grundmann, Hans Schatten, Gebr. Schmitz und Johannes Schatten, den Vater von Hans Schatten, der mit 78 Jahren immer so rüstig und fähig war, die gesamten Arbeiten in seiner ihm eigenen Art mit größter Umsicht und Sachkenntnis zu leiten. In mehr als 3.000 Arbeitsstunden wurde der Rohbau fertiggestellt, so dass ein zünftiges Richtfest gefeiert werden konnte.

Der Tod eines besonders verdienten Mitgliedes darf natürlich in einer Chronik nicht unerwähnt bleiben: Ehrenvorstandsmitglied Wilhelm Riether, * 12. 9. 1872, verstarb Karnevalsmontag im Februar 1969 mit 97 Jahren. Damit verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der die Geschicke des Vereins jahrzehntelang mitgeprägt hatte. Er verkörperte einen Teil der Geschichte des Turnvereins Lobberich. Folgende Ämter hatte er im Verein inne: Kassierer, Turnwart, Oberturnwart, Frauenturnwart und 2. Vorsitzender. Wilhelm Riether führte an der Breyeller Straße zusammen mit seinem Bruder eine Bürstenmacherwerkstatt, die sich schon seit 1796 vom Vater auf die Söhne vererbte. 1891 fing es mit der „Turnerei“ an – wie Wilhelm Riether sich ausdrückte. Der Lobbericher Turnverein hatte damals wohl 7 oder 8 aktive Mitglieder. Ein Jahr später wurde der junge Handwerker Schriftführer und Chronist des Vereins. Gegen Ende des Jahres 1894 nahm er für seinen Verein am Wettkampf in Viersen teil. Bei diesem Gauturnfest holte er sich den zweiten Preis. Dann kam die Zeit, in der es auf die „Wanderschaft“ ging. Nach Oedt, Krefeld und Viersen wanderte der junge Handwerker und Turner auch nach Bocholt (Westfalen). Hier und später in Unna zählte Riether zu den besten Turnern und wurde beim Turnverein auch zweiter Turnwart. Die Turnerei ließ ihn nun nicht mehr los. Er trat in Hannover in den hannoverschen Turnerbund ein. Hier lernte er das Kunstturnen kennen, das er mit großer Begeisterung betreibt. Schon am zweiten Abend steht er in der ersten Kunstturnriege. Dann trieb es ihn wieder in seine Heimat. Sein erster Weg führte ihn wieder zu seinen Lobbericher Turnkameraden.

     
         Wilhelm Riether (1872 - 1969)

Aber nicht nur im Vereinsleben, das er von den ersten Anfängen an begleitete und förderte, sondern auch darüber hinaus war Wilhelm Riether stets ein Turner, der sich mit Leib und Seele der Turnerei verschrieben hatte. Von 1898 bis 1935 (37 Jahre lang!) sahen wir Wilhelm Riether als Gauturnwart des Niederrheinischen Grenzturngaues, dessen Mitbegründer er war. Als Mitgründer der Turnvereine Eintracht Dülken (1895), TV Amern (1906), TV Schaag (1906), TV Bracht (1902), TV Hinsbeck (1902), TV Boisheim (1905), von denen heute schon einige nicht mehr bestehen, hat er auch in den Nachbarorten die Turnerei gehegt und gepflegt. Die Vorläufer des Süchtelner Bergfestes waren die von Wilhelm Riether in Szene gesetzten volkstümlichen Turnfeste in Hinsbeck (1906 – 1908). Die damaligen Übungen setzten sich noch aus Laufen (um den Pfahl), Springen, Stabhochsprung und Weithochsprung zusammen. Im Jahre 1911 lehnten es die Hinsbecker ab, die Veranstaltung durchzuführen. Daraufhin bewarben sich die Süchtelner Turner um die Ausrichtung, woraus schließlich das Süchtelner Bergfest, das traditionsreichste Sportfest unserer näheren Umgebung, entstand. 

Zahlreiche Ehrungen wurden Wilhelm Riether zuteil: Die zahllosen Ehrenbriefe und Urkunden, Diplome und Dankschreiben, die er erhalten hat, geben ein Zeugnis von seinem unermüdlichen Einsatz für die Turnerei. Einige wenige seien hier erwähnt: Preußische Staatsplakette (1932), Ehrenbrief des Niederrheinischen Grenzgaues (1936), Ehrenbrief des Kreises VIII b – Rheinland (1919), Urkunde der Gemeinde Lobberich in Anerkennung seiner Verdienste um die Ertüchtigung der Jugend (1951) und so weiter und so weiter. Die Ehrenmitgliedschaften in den Turnvereinen „Oranje Venlo“, „TV Breyell“, „TV Wachtendonk“ und „TV Oedt“, die Ehrenmitgliedschaft im Turngau Kempen und die Ernennung zum Ehren-Oberturnwart im Jahre 1950 machen deutlich, wie sehr Wilhelm Riether mit der Turnerei verbunden war. Ihn und seine hervorragenden Leistungen zu würdigen ist dem Chronisten ein besonderes Bedürfnis, ohne die Leistung anderer – ebenfalls verdienter Mitglieder – schmälern zu wollen. 

Mit der Eröffnung der neuen städtischen Sporthalle an der Süchtelner Straße nahm besonders der Hallenhandball im Verein einen neuen Aufschwung. Die umständlichen Fahrten zur kleinen Kaldenkirchener Sporthalle hatten endlich ein Ende. Im Oktober 1969 übernahm der frühere Erfolgstrainer Karl Loos wieder das Training der 1. und 2. Männermannschaft. Die 1. Damenmannschaft setzt ihren Erfolgskurs fort und stieg in die Landesliga auf. Nach schwachen Leistungen steigt die 1. Herrenmannschaft im Feldhandball aus der Oberliga ab. 

Im Oktober 1969 wird auf Anregung von Lothar Niederländer eine „Volley-Ball-Abteilung“ gegründet, womit in sportlicher Hinsicht im Verein an „Vakuum“ geschlossen wird. 

In der Leichtathletikabteilung machten wiederum die Jugendlichen von sich reden. Systematisches Leistungstraining und ein gesunder Ehrgeiz brachten viele beachtlich Erfolge, die zwei LVN-Meistertitel von Hans-Josef Caelers im Hochsprung (mit 1,96 m steht er an 18. Stelle der gesamtdeutschen Bestenliste) und Martina Gerhards im Speerwurf seien stellvertretend erwähnt. 

Zu Beginn des Jahres 1970 wurde in der neuen Stadt Nettetal, die sich im Zuge der kommunalen Neugliederung ab 1. 1. 1970 aus den früheren Orten Lobberich, Kaldenkirchen, Breyell, Hinsbeck und Leuth ergab, unter der Leitung von Lothar Niederländer eine „Turn-Spiel-Abteilung“ gegründet, die die Leistungsgruppen „Faustball“ und „Volleyball“ aufnahm. Hier kam es hin und wieder zu Problemen mit der „Altersabteilung“, in der ja, wie bereits beschrieben, auch die Faustballgruppe untergebracht war. Dank der verständnisvollen und lieben Art eines Willi Tack, der u. a. auch die sehr beliebte „Wanderabteilung“ – ebenfalls in der Altersabteilung angesiedelt – betreute, wurden auch diese Probleme zur Zufriedenheit aller gelöst. Am 29. 6. 1970 fand die erste eigenständige Jugendversammlung im Turnverein Lobberich statt, die darauf abzielte, die Jugendlichen im Verein stärker zusammenwachsen zu lassen, um später eine echte Mitbestimmung und Mitgestaltung im Verein durch die Jugendlichen zu erreichen. Im Feldhandball verpasste die 1. Männermannschaft nur knapp den Wiederaufstieg in die Oberliga. Im Hallenhandball dagegen wurde sie – infolge eines deutlich verbesserten Trainings in der neuen Sporthalle – Kreismeister und schaffte den Aufstieg in die Landesliga. Die 1. Damenmannschaft erreichte in der Halle bereits die Oberliga.

        
          Das neue Vereinsheim an der Wevelinghover Straße im Jahr 1970


Am 18. 12. 1970 wurde das neue Vereinsjugendheim im Rahmen einer schlichten Feier seiner Bestimmung übergeben. Dr. Veith hob in seiner Festrede dabei hervor, dass der Neubau an sich, aber auch der dabei zutage getretene große Idealismus und Eifer vieler Vereinsmitglieder seitens der Stadt, vor allem aber auch von der Bevölkerung sehr lobend anerkannt wurde. Schon wenige Zahlen bezeugen, wie groß der Anteil der Mitglieder am Gelingen des Vorhabens war:
 

Gesamtbaukosten:ca. 214.000 DM
Eigenkapital:         ca.    30.000 DM
Eigenleistung (!)    ca.    79.000 DM

Die Gesamtarbeitsstunden der Mitglieder: 5.500 (!)

Im April 1972 legte Dr. Veith aus Altersgründen das am 23. 2. 1935 (nach 37 Jahren!) übernommene Amt des 1. Vorsitzenden nieder. In der Jahreshauptversammlung wurde er auf Vorschlag des Ältestenrates einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Die Mitglieder wählten den Zahnarzt Walter Böken zum neuen 1. Vorsitzenden des Vereins.

          
                      Zahnarzt Walter Böken

Das Olympiajahr 1972 brachte dem Verein in sportlicher Hinsicht keine nennenswerten Erfolge. Auch der erhoffte Mitgliederzuwachs blieb aus. Letztlich zählte der Verein Ende des Jahres 749 Mitglieder. In der Turnspielabteilung wurde auf Initiative von Lothar Niederländer eine „Er und Sie“-Gruppe, in der von Ehepaaren hauptsächlich Gymnastik und Ballspiele betrieben werden konnten, gegründet. Im Hinblick auf die Leistungen von Spitzensportlern, die ausschließlich durch die Deutsche Sporthilfe unterstützt wurden, wurden auch im Turnverein kritische Stimmen zum Leistungssport laut, zumal der Breitensport, von allen Gruppen und Institutionen anerkannt, weitestgehend von den Sportvereinen getragen wird. 
Die 1. Damen-Handball-Mannschaft stieg nach einer überzeugenden Serie in die höchste deutsche Spielklasse, die Regionalliga auf, musste diese jedoch nach einem Jahr der Zugehörigkeit wieder verlassen. Das dort anzutreffende Leistungsniveau war wohl doch zu hoch, um hier bestehen zu können. Da im Turngau außer dem Turnverein Lobberich kein anderer Verein Faustball wettkampfmäßig betrieb, schloss man sich 1972 – um Wettspiele austragen zu können – mit dieser Abteilung dem Turngau Mönchengladbach an. Auch mit der Volleyballabteilung, die seit den Olympischen Spielen in München einen wahren Boom erlebte, schloss man sich einem übergeordneten Verband, nämlich dem Westdeutschen Volleyballverband, an. Den Bestrebungen, den Jugendlichen im Verein mehr Mitbestimmung und Selbstverwaltung zu ermöglichen, wurde am 17. 3. 1972 mit dem Erlass einer Jugendordnung Rechnung getragen. Das Jahr 1973 brachte für den Handballsport, aber auch bei vielen Handballfreunden ein leicht wehmütiges Ereignis: Mangels Interesse der Spieler und nicht zuletzt auch der Zuschauer, die vor allem dem wesentlich schnelleren und abwechslungsreicheren Hallenhandballspiel ihre Gunst erwiesen, sagte man auch verbandsseitig dem Feldhandball ade. Mitte des Jahres 1973 kam es von verschiedenen Seiten aus zu Gründungen von Schülersportgemeinschaften in Lobberich. Träger dieser SSG waren die Lobbericher Schulen und die beiden Großvereine LSC (Lobbericher Sportclub) und TV Lobberich. Insgesamt wurden 23 Sportgemeinschaften in Nettetal in sechs Sportarten gegründet. In den Schulübungsgruppen waren 8 TV-Übungsleiter im Einsatz (Volleyball 2, Leichtathletik 4, Handball 1, Turnen 1).

Auch für die Handballjugend gab es im Jahr 1973 erhebliche Neuerungen. Wurde bisher mit der A- und B-Jugend auf dem Großfeld gespielt, einigten sich nunmehr die Jugendbetreuer des Handballkreises Grenzland darauf, nur noch Kleinfeldspiele durchzuführen. Man wollte hierdurch einen kontinuierlicheren Aufbau und eine bessere Vorbereitung der Mannschaften auf die Hallenserie erreichen. Allein sieben Jugendmannschaften wurden seitens des TV Lobberich für die Serie 1973/74 gemeldet, eine bis dahin noch nie erreichte Zahl. Wieder einmal zeigte sich auch in diesem Jahr die unermüdliche Jugendarbeit von Heinz Nopper, der sich in selbstloser Weise dieser Tätigkeit verschrieben hatte, ohne dabei die anderen Übungsleiter aus der Stammabteilung zu vergessen. Allein zwei Kreismeistertitel (A- und E-Jugend), ein zweiter Platz und ein vierter Platz zeugten von der guten Leistungsdichte in der Handballjugend im Jahre 1973. 

Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft am 20. Februar 1974 verstarb der langjährige 1. Vorsitzende des Turnvereins, Notar D. Joseph Veith. Mit ihm verlor der Turnverein Lobberich einen Mann, der jahrzehntelang die Geschicke des Vereins an verantwortlicher Stelle geführt hatte. Der Ankauf der Turnerkampfbahn, die Gründung des Vereines „Turnerkampfbahn Lobberich e. V.“ und der Bau des Vereinsheimes, sind einige wichtigen der überaus vielzähligen, hervorragenden Leistungen dieses Mannes für den Verein. Der Turnverein Lobberich ist mit der Person Dr. Joseph Veith sehr stark identifiziert. Ohne seine Kenntnisse und sein Ansehen im öffentlichen Bereich wäre für den Verein sicherlich vieles unmöglich geblieben und manche Türe hätte sich nicht geöffnet. Im Juli 1974 wurde auf Antrag von Klaus Nielebock beschlossen, eine Bastketball-Abteilung zu gründen, die zunächst nur versuchsweise laufen sollte. Der Gymnasiallehrer M. Foudeh übernahm die Betreuung der Abteilung. Bald darauf wurde diese Abteilung Mitglied beim Bastketballverband. Nach nur drei Jahren seiner Amtstätigkeit verstirbt der 1. Vorsitzende Walter Böken im Jahr 1975. 

Am 23. Mai 1975 wählen die Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung Günter Isenberg zum neuen 1. Vorsitzenden des Turnvereins.

                
                         Der neue Vorsitzender Günter Isenberg

In der Leichtathletikabteilung machte ein junger Hammerwerfer auf sich aufmerksam: Jürgen Steffen, der sich in der Schülerklasse zur deutschen Meisterschaft in Bielefeld qualifizieren und dort einen hervorragenden 2. Platz belegen konnte. Neben dem „Mutter- und Kindturnen“ innerhalb der Gymnastikabteilung für ältere Frauen wurde im Januar 1976 eine Gymnastikabteilung für Frauen von 18 – 30 gebildet, die von Helga Heydhausen ins Leben gerufen und aufgebaut wurde. Im März 1976 wurde eine Ballettgruppe eingerichtet, die durch Werner Heks, Claudia Bergmann und Klaus Nielebock gegründet wurde unter Ballettmeister Willi HeksAm 7. 5. 1976 wurde das 900. Mitglied in den Verein aufgenommen. Viele Abteilungsleiter des Turnvereins hatten gehofft, durch die Olympischen Sommerspiele in Montreal (17. Juli – 1. August 1976) käme es zu einem Aufschwung in den einzelnen Bereichen. Es herrschte zwar nach wie vor reges Treiben im Verein, besondere Leistungen wurden jedoch nicht erwähnt.

Da hatte es das Jahr 1977 – wenn auch nicht in sportlicher Hinsicht – schon etwas mehr in sich: Erstmals wurde im August dieses Jahres über die Nutzung der Turnerkampfbahn für Tennisplätze gesprochen, sieht man einmal von dem geplanten Tennisplatz Ende 1949 ab. Dieses Vorhaben sollte in den nächsten Wochen und Monaten Gegenstand vieler Diskussionen, Gespräche und Presseartikel sein. Im Dezember 1977 erteilte der Eigentümer der Platzanlage, der Verein „Dr.-Joseph-Veith-Turnerkampfbahn e. V.“ dann endlich grünes Licht, auf der Anlage zunächst drei Tennisplätze zu errichten. Als dann seitens der Stadt neue Pläne aufgeworfen wurden (Verlagerung dieser neuen Plätze zwischen Sportplatz und Stadion (Schulzenburg-Wäldchen)), kamen neue Diskussionen auf. Fast noch ein ganzes Jahr verging, ehe man im November 1978 mit dem Bau der Tennisplätze begann. Unter der Leitung von Heinz Hoelter zählte die neu gegründete Tennisabteilung – obwohl man noch nicht spielen konnte – am 31. 12. 1978 bereits 170 Mitglieder. Ein Beweis dafür, dass die Entscheidung über den Bau der Tennisplätze – zumindest unter Berücksichtigung der Sportangebotserweiterung – richtig sein sollte. Tennis – in früheren Zeiten einmal der Sport des „Gehobenen Mittelstandes“ – wurde immer mehr zum Volkssport. Allein 40 Neuanmeldungen verzeichnete der Gesamtverein aufgrund der Gründung der Tennisabteilung. Die Gründung der Abteilung solle jedoch zunächst nicht als Konkurrenz zu den benachbarten Tennisvereinen gesehen werden. Ohne dass zunächst Medenspiele (Meisterschaftsspiele) ausgetragen wurden, sollte für die Förderung und Entwicklung der Breitensportarbeit im Verein ein neues Zeichen gesetzt werden. 

Im Jahr 1978 kam es erstmals zu Gesprächen über eine Selbstverwaltung der einzelnen Abteilungen innerhalb des Gesamtvereins. Diese Gespräche verliefen jedoch aus den unterschiedlichsten Gründen „im Sande“; vor allem aus finanzieller Hinsicht und aus organisatorischen Gründen war die Zeit wohl „noch nicht reif dazu“. 

Für die weitere Entwicklung der Tennisabteilung war das Jahr 1979 von großer Bedeutung. Auf der Warteliste für die Aufnahme in diese Abteilung standen mittlerweile 90 Personen. Durch den regen Spielbetrieb erfuhr auch das Vereinsjugendheim einen erheblichen Aufschwung. Der Verein Turnerkampfbahn e. V. erwägte den Bau zweier weiterer Tennisplätze, stellte jedoch die endgültige Entscheidung zunächst zurück, um innerhalb des Turnvereins Diskussionen möglich zu machen. Da viele Tennisspieler ihre Kinder mit auf den Platz brachten, beschloss der Vorstand des Turnvereins, hinter dem Vereinsjugendheim einen Spielplatz anzulegen und mit Spielgeräten zu bestücken, welches die Kinder dankend annahmen. 

Im leichtathletischen Bereich machte Hans-Theo Gotzes dadurch auf sich aufmerksam, dass er die verlangte Qualifikationsnorm zur Teilnahme an den Deutschen Marathonmeisterschaften erreichte. 

In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im Januar 1981, an der 158 Mitglieder (hauptsächlich aus der Leichtathletik- und der Tennisabteilung) teilnahmen, wurde der Neubau der beiden weiteren Tennisplätze teilweise sehr emotionsgeladen diskutiert. Die sich anschließende Abstimmung sah knapp eine Mehrheit für den Bau der Tennisplätze. Der später erzielte Kompromiss, bei dem es dann um die Lage der neuen Tennisplätze ging, sah dann auch die Inaussichtstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes mit Hoch- und Weitsprunganlage vor. 

Den Leichtathleten lag jedoch dieser Kompromiss „schwer im Magen“. Mancher spielte mit dem Gedanken, dem Verein den Rücken zu kehren; Klaus Nielebock äußerste sich u.a.: „Letztlich dürfe man nicht verkennen, dass gerade aus dem leichtathletischen Bereich heraus sehr viel für den Verein, darüber hinaus jedoch auch für die Bevölkerung getan würde“ und verwies dabei auf den Lobbericher Lauftreff, von den Eheleuten Joachim Schmeja ins Leben gerufen, Trimm-dich-Aktionen und auf verschiedene Lauf- und Sportabzeichenaktionen, um nur einige wenige zu nennen; „darüber hinaus“ so Klaus Nielebock „müssten die Leichtathleten auf die dringend benötigte Umlaufbahn verzichten“. 

Im Jahre 1980 zeigen sich bei den Leichtathleten beachtliche Erfolge: Angelika Bruckes ersprang sich im Hochsprung die Kreismeisterschaft, Vizemeister im Zehnkampf wurde Klaus Wolters. An Landes-, Westdeutschen- und Deutschen Meisterschaften beteiligten sich aufgrund der Qualifikationsergebnisse Angelika Bruckes, Hans Straver, Christoph Hühnerbein und Heinz-Theo Gotzes. Die Langläufer, um die sich besonders die Gebrüder Manfred und Helmut Sommerfeld kümmerten, errangen bei vielen Cross- und Straßenläufen Siege und Platzierungen. Besonders der Altersklassenläufer Walter Jansen machte hierbei von sich reden. Die Volleyballabteilung, mittlerweile bestehend aus einer Herren-, einer Damen- und fünf Jugendmannschaften, hatte kein gutes Jahr. Die 1. Herrenmannschaft stieg aus der Landesliga ab (in erster Linie dadurch bedingt, dass sich die Mannschaft überwiegend aus A-Jugend-Spielern zusammensetzte). Die Er- und Sie-Gruppe war auch im Jahre 1980 ein beliebter Treffpunkt. Hier stand nicht der Wettkampf, sondern das gesellige Turnen im Vordergrund. 

In der Tennisabteilung werden erstmals Klubmeisterschaften ausgetragen, um ein „Kräftemessen“ untereinander zu ermöglichen. Zusammen mit dem Hinsbecker Tennisklub wurden dann auch die Stadtmeisterschaften im Tennis ausgetragen. Die Basketballabteilung hatte 1980 ihre bisher größten Erfolge: Die 1. Herren-Mannschaft schaffte den Aufstieg in die Bezirksliga. Im WBV-Pokal erreichte man die Runde der letzten Acht. Die Damenmannschaft belegte einen beachtlichen Mittelplatz, obwohl sich diese Mannschaft fast ausschließlich aus B-Jugendlichen zusammensetzte. 

In der Jahreshauptversammlung vom 3. 4. 1981 wurde Heinz Grundmann besonders geehrt. Heinz Grundmann, seit 1931 Vereinsmitglied, seit 1951 ununterbrochen Vorstandsmitglied als Jugendwart, Sozialwart und Geschäftsführer, erhielt aus der Hand des 1. Vorsitzenden die goldene Vereinsnadel „in Gold“, eine Auszeichnung, die der Verein bisher nur ein einziges Mal vergeben hatte, nämlich an den früheren 1. Vorsitzenden Dr. Joseph Veith.

    
         Endlich fertig, zwei weitere Tennisplätze für die Tennisabteilung

Im September 1981 waren endlich die beiden neuen Tennisplätze fertiggestellt und bespielbar. Das Jahr 1981 war für die Leichtathleten wieder ein sehr erfolgreiches Jahr. Im Zehnkampf errang Klaus Wolters den Kreismeistertitel. Über 10.000 Meter machte ihm dies Christoph Hühnerbein nach. Hühnerbein verbesserte darüber hinaus die Vereinsbestenleistungen über 1.500, 3.000, 5.000 und 10.000 Meter. Insgesamt stellten die TVer im Jahre 1981 17 Vereinsbestenleistungen auf. Ein Renner war nach wie vor der „Lobbericher Lauftreff“. 1.573 Sportlerinnen und Sportler nahmen im Jahre 1981 an ihm teil. Erstmals wurde auch Sport für „Arbeitnehmer im Schichtdienst“ angeboten, der jedoch nur schwach genutzt wurde. Im November 1982 trat der Turnverein in der vom Radiosender RTL ausgestrahlten Sendung „RTL-Unterwegs“ gegen den TSV Kaldenkirchen an. Der mündliche Vergleichskampf, an dem auf Lobbericher Seite die Mitglieder Detlev Hintzen, Michael Liedtke, Anja Sommerfeld, Nora und Manfred Albersmann teilnahmen, sah die Lobbericher als Sieger. Der von Radio Luxemburg gestiftete Preis wurde der Jugendabteilung des TV zur Verfügung gestellt. 

Das Jahr 1982 war insgesamt für alle Abteilungen des Vereins ein bewegtes und erfolgreiches Jahr. Angefangen mit dem „Frauenturnen“, bei dem unter Leitung von Helga Heydhausen die „Aerobicgymnastik“ sehr gut ankam, über das Kleinkinder- und Kinderturnen, bei dem sich Margret Tüffers und Elke Heider besonders einsetzten. Ungezählte Stunden opferten sie Freizeit für die Kinder opferten, Tennis, Leichtathletik, Basketball, Faustball, Handball, Volleyball, Altersturnen bis hin zu den erholsamen und lehrreichen Wanderungen der Wanderabteilung. Diese war lange Jahre von Willi Tack geführt und geprägt und zwischenzeitlich von Herbert Tüffers übernommen. In allen Bereichen zeigte sich, dass die Mitglieder das „Programm“ des Vereins wohlwollend annahmen und Trainings- und Übungsstunden fleißig besuchten. Dabei war auch der gesellige Teil innerhalb der einzelnen Abteilungen nicht mehr wegzudenken. Sommerfeste, Spielfeste, Kaffeekränzchen, Weihnachts- und Nikolausfeiern wurden immer wieder von fleißigen Helfern organisiert und mit viel Liebe vorbereitet. 

Beim Volleyball hatten die 1. Frauen- und 1. Herrenmannschaft einen mittleren Tabellenplatz inne. Aufgrund dessen, dass nicht immer alle Stammspieler den Mannschaften zur Verfügung standen (Aufnahme Studium, Ableistung von Wehrdienst, berufliche Gründe o. ä.), konnte man dennoch mit den gezeigten Leistungen zufrieden sein. Bei der Jugend hatten sich die erstaunlich guten Leistungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt. Insbesondere dank der guten Aufbau- und Trainingsarbeit von Theo Tillmanns verfügte die Volleyballabteilung insgesamt über eine gute Leistungsdichte. Die Tennisspieler trugen erstmals Freundschaftsspiele gegen die benachbarten Tennisvereine TC Hinsbeck, TSV Kaldenkirchen, TV Breyell aus, was prompt zu Gegeneinladungen führte. 

Im Jahre 1982 war man auch bei den Leichtathleten sehr aktiv. Insgesamt 17 Veranstaltungen wurden ausgerichtet, wobei diese auf der Turnerkampfbahn, der Straße und in den Sporthallen ausgetragen wurden. Straßenlaufveranstaltungen und Wettkämpfe in der näheren und weiteren Umgebung wurden besucht. Der unter Breitensport angesiedelte Lauftreff erfreute sich immer größerer Beliebtheit. 2.421 Laufinteressierte nahmen an 104 Lauftreffs teil. Das angesprochene Sportangebot für Arbeitnehmer im Schichtdienst wurde wegen „zu geringer Beteiligung“ wieder eingestellt. Die freigewordenen Übungsstunden in der Sporthalle wurden von der Frauenriege unter Leitung von Margret Tüffers ausgefüllt, die nun „Frühsport“ betrieb. Auch die DLV-Mehrkampfabzeichen-Aktion war wiederum ein Erfolg: 17 x Gold, 17 x Silber und 3 x Bronze waren das stolze Ergebnis. Stellvertretend für viele soll hier Klaus Wolters genannt werden, der beste und vielseitigste Mehrkämpfer des Turnvereins, Er erhielt in diesem Jahr die goldene „DLV-Nadel 10“ für mehr als zehn Verleihungen in ununterbrochener Reihenfolge. 

Die Handballer freuten sich über den Wiederaufstieg der 1. Herrenmannschaft in die Verbandsliga. Die 1. Frauenmannschaft belegte – ebenfalls in der Verbandsliga spielend – einen guten Mittelplatz. Erstmals in der Geschichte des Frauenhandballs im Turnverein Lobberich wurde zur Saisonvorbereitung ein Trainingslager abgehalten, wobei das Spielverständnis und die Kameradschaft gefördert werden sollten. Die 1. Basketballherrenmannschaft belegte in der laufenden Serie einen hervorragenden 2. Platz, während die im Wesentlichen aus Jugendlichen bestehenden 1. Damenmannschaft den Aufstieg in die Bezirksklasse schaffte. Im April 1983 wurde das 1.200. Mitglied in den Verein aufgenommen. Bei der Jahreshauptversammlung kam noch einmal die Diskussion über die Auflage einer Vereinszeitung – initiiert durch Klaus Nielebock – auf. Eine Kommission wurde gebildet, die Einzelfragen klären sollte. Ein erstes Muster wurde im August 1983 vorgelegt. Weitere Einzelheiten wurden nicht bekannt. Im Jahr 1983 wird erstmals der Vereinsbestenpokal nicht verliehen. 

Im ersten Halbjahr konnte die Herstellung eines Kunststoff-Kleinspielfeldes abgeschlossen werden. Damit stand der Leichtathletikabteilung, aber auch allen anderen Abteilungen ein Spielfeld zur Verfügung, das unabhängig von der Witterung genutzt werden konnte. Die Terrasse vor dem Vereinsheim erhielt dank des Einsatzes vor allem der Mitglieder der Tennisabteilung eine neue Gestaltung. Erstmals weilten in den Reihen des Turnvereins auch zwei Triathlonkämpfer: Manfred Sommerfeld und Udo BenthausBei den Stadtmeisterschaften im Tennis kann Sepp Gerhards den Stadtmeistertitel in der Seniorenklasse erringen. 

Am 20. 2. 1984 wurde von Manfred Sommerfeld eine „Radsportabteilung“ ins Leben gerufen, in die sofort 14 Mitglieder aufgenommen werden konnten. Erwartungsgemäß blieben im ersten Jahr des Bestehens spektakuläre Erfolge aus. Letztlich wollten einige Leichtathleten, insbesondere die Langläufer, ihr Ausdauertraining erweitern und das Radtraining zur Vorbereitung auf ihre Triathlonwettbewerbe nutzen. Einige Radsportler nahmen dennoch an einzelnen oder mehreren Radtouristikfahrten teil, die nicht selten über 100 oder mehr Kilometern führten.


                     Die Radsportabteilung des TV Lobberich

Bei den Triathleten ist besonders der aus Dülken zum TV Lobberich gestoßene Rolf Donners zu erwähnen, der 1984 an 10 Triathlonveranstaltungen teilnahm und in der erstmals durchgeführten Wertung um den Triathloncup der DTV-Serie in seiner Altersklasse (M 40) bundesweit den ersten Platz belegen konnte.


          Die Altherren-Handball-Mannschaft des TV Lobberich


 

Am 27. September 1984 erfolgte der Eintritt in den Tennisverband Niederrhein, um den Tennisspielern die Gelegenheit zu geben, erstmals für die Saison 1985 Medenspiele (Meisterschaftsspiele) durchführen zu können. Eine Damen-, zwei Herren- und eine „Bambini-Mannschaft“ wurden gemeldet.
Die 1. Herrenmannschaft konnte dann ungeschlagen in die Bezirksklasse „F“ aufsteigen. Die Bambini-Mädchenmannschaft belegte einen sehr guten zweiten Platz und verpasste nur knapp den Aufstieg. 
Für die Volleyballabteilung war die Saison 1985/86 eine besonders Erfolgreiche: Endlich wurde der Aufstieg in die Oberliga (nach dreimaligem Aufstieg in nur zwei Spieljahren) von der Bezirksklasse über die Landes- und Verbandsliga geschafft. Dies war insbesondere das Verdienst von Theo Tillmanns.

   
                  Die Tennisabteilung im Jahre 1986

Auch die Leichtathleten waren im Jahre 1985 wieder sehr rege. In vielen Einzel- und Mannschaftswettbewerben konnten 16 Kreistitel erkämpft werden. In den DLV-Bestenlisten werden die Schülerinnen A im Mannschaftswettbewerb an 2. Stelle aufgeführt, Frank Boukes steht über 3.000 Meter an 16. Stelle. Die außersportlichen Leistungen der Leichtathletikabteilung sollten ebenfalls nicht unerwähnt bleiben: Tagesausflüge der Schülerabteilung, Saisonabschlussfeier und die Berlinfahrt (seit 1964 mit jeweils 50 – 60 Mitgliedern aus allen Abteilungen des TV) waren einmal mehr Höhepunkte eines intakten Abteilungslebens. 

Auch die anderen Abteilungen des Vereins waren im Jahre 1985 immer bestrebt, das sportliche und außersportliche Angebot an die Mitglieder attraktiv zu gestalten, angefangen beim Kinder- und Erwachsenenturnen bis hin zur Wanderabteilung. Die Wanderabteilung unter Leitung des sehr aktiven Herbert Tüffers führte Wanderungen, Radtouren und eine Eifelfahrt durch, an denen fast 700 Personen teilnahmen. Auch der von Klaus Schriefers organisierte „Staffellauf rund um Nettetal“ fand im Jahre 1985 mit 94 teilnehmenden Mannschaften aus der näheren und weiteren Umgebung regen Zuspruch. 

Das 125jährige Jubiläum des Turnvereins wurde im Juli des Jahres 1986 gebührend gefeiert. Mit einem Empfang in der Werner-Jaeger-Halle erlebten die Mitglieder des Turnvereins einen ersten gesellschaftlichen Höhepunkt der Jubiläumswoche, die vom 5. bis 13. Juli 1986 stattfand. Der 1. Vorsitzende, Günter Isenberg, war erfreut, eine große Schar Ehrengäste begrüßen zu können. „125 Jahre Turnverein Lobberich 1861 – das ist ein Jubiläum, das sich schon allein der hohen Zahl wegen zu feiern lohnte. Es wäre sicherlich nicht uninteressant, einmal zu untersuchen, was allein in den vergangenen Jahren in Lobberich alles geplant, versucht und gegründet wurde – und von dem heute keiner mehr spricht. So ist das Jubiläum als solches schon ein Markenzeichen“ – sagte Bürgermeister Karl Reulen als Festredner. Grußworte übermittelte auch Dagmar Schröder als Frauenwartin des Rheinischen Turnerbundes und des Deutschen Turnerbundes. Sie überreichte das Walter-Kolb-Schild für 125jährige Treue zum deutschen Turnen. Landrat Backes überreichte die Sportplakette des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

                

 

Dazu gab es die Hans-Momm-Plakette. Leithathletik-Kreisvorsitzender Gerd Schmitz machte in seiner Glückwunschrede deutlich, dass das Turnen ohne Leichtathletik nie ausgekommen sei. Er schenkte dem Turnverein die Verbandsplakette des Leichtathletikverbandes Nordrhein. Handballnostalgie war angebracht, und manchem Zuschauer sollen Tränen in den Augen gehabt haben, als es am Sonntagmorgen um 11:00 Uhr zum Feldhandballspiel-Klassiker TV Lobberich gegen TUS Lintfort im Stadion in der Schulzenburg kam. „Sepp warf Tore wie in alten Tagen, nur Janikulla hielt nicht mehr ganz so gut“ so war die Schlagzeile in den „Grenzland-Nachrichten“. Fast 600 Zuschauer ließen sich das Spektakel nicht entgehen, das letztlich die Lobberich mit 9:6 gewinnen konnten. Dass die „Alten“ (Otto Tophoven, Roland Geratz, Walter Schmitz, August Winkelmolen, Josef Hauertz, Johannes Schmitz, Hans Tüffers, Erich Wolters, Lambert Birker, Herbert Houben, Willi Schmitz und „Sepp“ Gerhards dabei von den „jungen HüpfernBernd Swyen, Hans Hubert Glock, Dieter Nagel, Dieter Hoffmann, Hans Moers und Manfred Albersmann verstärkt wurden“, war sicherlich nicht ausschlaggebend für den verdienten Sieg über den ehemaligen Deutschen Feldhandball-Meister. 

Den Pokal des Vereinsbesten für das Jahr 1986 erhielt Manfred Albersmann für die Erstellung der Festschrift zum 125jährigen Bestehen des Turnvereins. 

Keine Strecke war zu lang für die Ultra-Langläufer Manfred Bermges und Matthias Zimmermann. Im Sommer nahmen sie an einem Deutschlandlauf von Flensburg nach Garmisch-Partenkirchen teil.Die Tennisabteilung war im Jubiläumsjahr sehr erfolgreich. So stieg die 1. Herrenmannschaft in die Bezirksklasse E und die Jungseniorenmannschaft in die Bezirksklasse C auf. 266 Mitglieder zählte die noch junge Tennisabteilung Ende 1986. Der Tennisboom begann.

               
Die Pokalvitrinen im Vereinsheim des TV Lobberich
oben die "alte" Fahne / unter die "neue" Fahne


 

Der TV Lobberich 1861 e.V. von 1987 – 2011
- der Turnverein entwickelt sich zum Sport-Dienstleister -

Was geschah im Jahre eins nach dem 125-jährigen Jubiläum des Turnvereins? Die Welt geriet über die Entwicklung in der UdSSR erst in Erstaunen, dann in Euphorie. Michael „Gorbi“ Gorbatschow hatte mit Glasnost“ und „ Perestroika“ begonnen, die Sowjetunion radikal zu reformieren. In Rheinhausen kämpften Tausende von Stahlarbeitern um ihre Arbeitsplätze und gegen die Schließung ihrer Hütte - 160 Tage lang – umsonst. Die Siebenkämpferin Birgit Dressel starb an zu vielen Medikamenten. Mathias Rust flog nach Moskau und landete auf dem Roten Platz. Erich Honecker wurde zum ersten Mal mit allen Ehren in Bonn empfangen. Die 17jährige Steffi Graf gewann mit den French Open ihr erstes Grand-Slam Tennisturnier. Willy Brandt trat als Parteivorsitzender der SPD zurück, weil die SPD die von ihm als Parteisprecherin vorgeschlagene parteilose Griechin Margarita Mathiopoulos nicht akzeptierte. Mit einer halben Million Interviewern lief eine von Datenschützern heftig umstrittene Volkszählung ab, bei der man neben dem Zählen des Volkes auch noch Verhaltensmuster erforschen wollte, um den Wohnungs- und Straßenbau effizienter planen zu können. Das Begrüßungsgeld für Besucher aus der DDR wurde auf 100 DM erhöht. Das sportlich wohl größte Ereignis des Jahres 1987 war sicherlich das Deutsche Turnfest in Berlin mit über 120.000 Festteilnehmern. Die Veranstaltung wurde zur Demonstration für die Vielseitigkeit und die Bedeutung des allgemeinen Turnens und der Sportarten im Deutschen Turner Bund (DTB). Elf Mitglieder des Turnvereins ließen sich dieses Spektakel nicht entgehen.

Der Turnverein Lobberich hatte am 1.1.1987 1.515 Mitglieder (davon 612 Jugendliche). Der Verein hatte ein breit gefächertes Angebot mit immerhin 14 Disziplinen. Der erste Vorsitzende Günter Isenberg mahnte den akuten Betreuermangel in einzelnen Abteilungen – insbesondere in der Handballjugend – an. Noch einen Punkt sprach er auf der Jahreshauptversammlung an: die Integration der ausländischen Mitbürger in den Turnverein. Nettetal hatte einen Ausländeranteil von ca. 8 % im Jahre 1987. Dieser Anteil dürfe sich, so Isenberg, in den nächsten Jahren noch erhöhen. Diese Entwicklung solle man nutzen, und sich verstärkt um Mitglieder aus diesen Reihen bemühen. Sie könnten eine interessante Bereicherung des Vereinslebens sein. Auch wäre eine enge Zusammenarbeit mit bereits existierenden ausländischen Sportgruppen denkbar. Die erste Basketballherrenmannschaft des Turnvereins war stark geschwächt, da die beiden besten Spieler der letzten Jahre nach München verzogen. Der angestrebte Wiederaufstieg in die Landesliga wurde zwangsläufig nicht geschafft. Die 1. Männerhandballmannschaft mit ihrem Trainer Detlev Hintzen belegte in der laufenden Saison den 8. Tabellenplatz. Die 1. Damen-Handballmannschaft verpasste knapp den Aufstieg in die Oberliga. Im DHB-Pokal wurden die Damen erst in der 3. WHV-Runde durch den Regionalliga-Spitzenreiter SV 04 Düsseldorf gestoppt. Die Jugendnationalspielerin Anne-Marie Hermans schaffte den Sprung in die Juniorinnen-Nationalmannschaft. Nicole Tüffers nahm am Endkampf der rheinischen Turnerjugend teil. Auf dem TV-Platz wurde die 1. Jugendolympiade für Nettetal durchgeführt.


        Die AK-I-Tennis-Herrenmannschaft des TV Lobberich
Rainer Thiel, Harry Holden, Rudi Geburtsky, Wolfgang Lüttig, Dieter
Hoffmann, Helmut Gütz und Lambert Birker


Die Tennisabteilung steigerte die Anzahl ihrer Mitglieder auf 266 (davon 38 Jugendliche). Eine 1. Herrenmannschaft, 1 AK I und eine Senioren-, sowie eine Damenmannschaft beteiligten sich an den Medenspielen. Zum Leidwesen von Tenniswart Helmut Gütz konnte die fruchtbringende Arbeit mit Kindern und Jugendlichen durch den unerwarteten Rücktritt des Tennisjugendwartes nicht fortgesetzt werden, und die bereits geplanten Vereinsjugendmeisterschaften mussten ausfallen. Für ihre besonderen Leistungen für den Turnverein als Oberturnwartin erhielt Margret Tüffers den Vereinsbestenpokal für das Jahr 1987. Margret Tüffers sei für ihre „klare Ausdruckweise und klaren Ziele bekannt“ – konstatierte Günter Isenberg bei der Verleihung.

Das Jahr 1988 war das Jahr der Olympischen Sommerspiele in Seoul. Vier Staaten (Kuba, Äthiopien, Nicaragua, Nordkorea) boykottierten die Spiele, da Nordkorea nicht an der Ausrichtung der Spiele in „angemessenem“ Maße beteiligt wurde. Tennis und Tischtennis wurden aufgenommen. Trotz dieses Ereignisses wurde das Jahr, zumindest für die Leichtathleten des Turnvereins, kein besonderes Jahr. Insbesondere durch den häufigen Übungsleiterwechsel litt die Jugendarbeit. An den DLV-Meisterschaften nahmen Gertrude Mevissen (Jugenddiskus), Manfred Bermges (100-km-Lauf) und Torsten Bunte (Jugendmehrkampf) teil. Das Jahr 1988 war auch das erfolgreichste Jahr deutscher Tennisgeschichte. Zum ersten Mal holte ein deutsches Team (Becker, Jelen, Stich) den seit 1900 bestehenden Davis-Cup. Boris Becker gewann als erster Deutscher das New Yorker Masterturnier und Steffi Graf gewann den „Grand Slam“ und obendrein olympisches Gold in Seoul. Auf der Jahreshauptversammlung wurde Ernst Pauw für 70jährige Vereinsmitgliedschaft geehrt. Der erste Vorsitzende Günter Isenberg warnte in der gleichen Versammlung: „Die so viel gerühmte Kraft des Sports sollte doch nicht vor Abteilungsdenken haltmachen“. Eine Anspielung auf die immer wieder hochkommenden Begehrlichkeiten der einzelnen Abteilungen nach mehr Selbständigkeit – insbesondere nach „finanzieller Selbständigkeit“. Für die 1000-Jahr-Feier überbrachten die Staffelläufer Walter Jansen, Manfred Sommerfeld, Manfred Bermges, Udo Benthaus, Klaus Marxen, Kersten Kesting, Heinz Theo Gotzes, Manfred von Rauchhaupt und Matthias Zimmermann die Einladung nach Caudebec en Caux in Frankreich. Diese großartige Leistung wurde auch in der französischen Presse entsprechend gewürdigt. Heinz Tüffers erwarb als erstes Vereinsmitglied das Goldene Sportabzeichen mit der „25“. Im Juli fand die 2. Jugendolympiade Nettetals statt. 

Die 1000-Jahr-Feier im September 1988 war wohl der Veranstaltungshöhepunkt des Jahres 1988 in Lobberich. Ein großer Festzug und ein historischer Markt riefen die Geschichte Lobberichs in Erinnerung. Etwa 100 Mitglieder des Turnvereins beteiligten sich an dem großen Festzug unter dem Motto „Die Kirmes kommt nach Lobberich“. Die unermüdliche Arbeit des Festausschuss mit Heinz Hölter, Margret Tüffers, Helmut Sommerfeld, Hans Mönicks und Hans Schatten hat sicherlich zum Erfolg der Turnvereinstruppe entscheidend beigetragen.


                           1000 Jahre Lobberich 
               Geschichte im Festzug lebendig dargestellt

 

Die Turnstunden der Turnabteilung (Mutter-Kind-Gruppen, Gruppe „mollig und fit“, Kinderturngruppen, Frühsportgruppen, Frauenturngruppen) wurden sehr gut besucht. Die Volleyballabteilung hatte nahezu 100 Mitglieder, die mit Kameradschaft, Leistungsfreude und Beständigkeit in vier Seniorenmannschaften und 4 Jugendmannschaften aktiv waren. Der 1. Damen-Volleyballmannschaft gelang der Aufstieg in die Landesliga. Die erste Damenmannschaft der Basketballabteilung wurde dagegen aufgelöst. Auch um die Handballabteilung (Männer) war es im Jahre 1988 nicht gut bestellt. Durch den Weggang mehrerer Leistungsträger und die Verletzung wichtiger Spieler standen die beiden Männermannschaften auf einem Abstiegsplatz. Hier machte sich die seit Jahren vernachlässigte Jugendarbeit stark negativ bemerkbar. Trotz der schlechten „Rahmenbedingungen“ verfügte der Turnverein über neun Jugendmannschaften. Die Handballdamen konnten dagegen auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Unter der Leitung von Anke Deininger konnte die zweite Mannschaft zweimal hintereinander aufsteigen. Die fehlende Jugendarbeit war auch Thema in der Tennisabteilung. So fanden die auf der TV-Anlage durchgeführten Jugendkreismeisterschaften ohne Beteiligung des Turnvereins statt. Der Deutsche Sportbund muss die Entwicklung in der Mitgliederbetreuung seiner Vereine beobachtet haben, schrieb er doch: „Die Befähigung des Übungsleiters und des Trainers, aber auch die führungsmäßige und betreuerische Funktion von Abteilungsleitern und Betreuern bestimmen Entstehen und Wachsen von Sportarten. Der Zuwachs orientiert sich im Breiten- und Freizeitsport daran, ob die Angebote Spaß machen, ob das gesellige Drumherum und die Mischung der Partner stimmen. Im Wettkampf- und Leistungssport ist ausschlaggebend, was der Übungsleiter und Trainer im Hinblick auf den sichtbaren Erfolg zu geben vermag.“ Weil es im Jahr 1988 keine herausragenden Leistungen innerhalb des Vereins gab, wurde der Vereinsbestenpokal in diesem Jahr nicht vergeben. In der Leichtathletikabteilung wurde eine „Sport-Spiel-Spaß“-Gruppe gegründet.

Das Jahr 1989 stand maßgeblich unter dem Einfluss der politischen Umwälzungen in den europäischen Ostblockstaaten, welche durch wachsenden Protest der Bevölkerung hervorgerufen wurden. Mit dem Abbau der Grenzanlagen Ungarns zu Österreich im Mai, der Grenzbefestigungen der Tschechoslowakei im Dezember und dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 kam es zur Öffnung des „Eisernen Vorhangs. „Wir sind das Volk“ (Slogan der DDR-Bevölkerung) und „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ (Gorbatschow zu Honecker) waren seinerzeit Zitate, die bis heute nicht vergessen sind. Ungarn, Polen, Tschechoslowakei und Rumänien ließen freie Wahlen zu und wurden Republik und die westlichen Bündnispartner der Bundesrepublik bekundeten ihre Bedenken über ein wiedervereintes und damit erstarktes Deutschland. Die am 9. November begonnene politische Umwälzung in der DDR und der damit in Gang gesetzte Prozess der Vereinigung beider deutscher Staaten hatte auch den Zusammenschluss der beiden Sportbünde (DSB und DTSB der DDR) und der beiden nationalen olympischen Komitees (NOKs) zur Folge: „Ohne Pomp, aber mit Würde“ (Daume) vollzog sich im Berliner Reichstag am 17.11.1990 die Vereinigung im NOK in Deutschland und am 15.12.1990 in Hannover mit dem Beitritt der fünf neuen Landessportbünde zum DSB die Einheit der deutschen Sportbewegung, nachdem sich bis dahin die Spitzenverbände bereits vereinigt und die Vereinsbasis demokratisch neu zu ordnen begonnen hatte. 1.523 Mitglieder (davon 563 Jugendliche) hatte der Turnverein zu Beginn des Jahres 1989. Die Tennisabteilung beklagte wiederum „mangelnde Jugendarbeit“ – wo doch hier die Basis für die Zukunft der Abteilung zu sehen sei. Die Männerhandballmannschaft stieg wegen der bereits genannten Gründe in die Bezirksliga ab. Besser machte es die erste Volleyballdamenmannschaft, die den Aufstieg in die Landesliga schaffte. Im Oktober verfügten die Lobbericher Bürger erstmals über eine neue technische Errungenschaft: „Kabelfernsehen“. Der Konkurs der Girmes AG, die anschließend unter Girmes GmbH weitergeführt wurde, betraf auch viele Mitglieder des Turnvereins. Auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde Heinz Grundmann für seine unermüdliche Tätigkeit für den Verein zum Ehrenmitglied ernannt. Die Leistungen eines Heinz Grundmann aufzuzählen wäre wie „Eulen nach Athen tragen“ meinte Günter Isenberg in der Laudatio.

Heinz Grundmann trat bereits 1931 in den Turnverein ein, im Vorstand des Turnvereines war er seit 1951 tätig, zunächst als Jugendwart und seit 1960 als Geschäftsführer, Kassierer und Sozialwart. Heinz Grundmann beeinflusste maßgeblich und organisatorisch alle TV-Platz-Erweiterungen und –ausbauten ab 1952, die 100-Jahr-Feier des Turnvereins im Jahre 1961, die 125-Jahrfeier im Jahre 1986 und den Bau des Vereinsjugendheimes. Hierzu leistete er zwischen Juni 1969 und Dezember 1970 neben Hans Schatten und einigen weiteren verdienten Mitgliedern über 1000 Arbeitsstunden ohne jegliches Entgelt.

       
                  Heinz Grundmann "Mr. TV"
                           (*1922 - +1992)

 

Nicht zuletzt dank seiner Vorliebe für Zahlen wurden zahlreiche heimische und überregionale Sportfeste und Veranstaltungen von ihm maßgeblich organisatorisch betreut, vor allem die Kinderturnfeste des Turngau Kempens. Einen großen Teil seiner Freizeit nahm die Arbeit als Geschäftsführer, Kassierer und sonstige organisatorische Arbeit für den Turnverein in Anspruch. Die beträchtliche Entwicklung des Vereins in den letzten Jahren und die damit einhergehenden wesentlich größeren finanziellen Bewegungen hatte er souverän unter Kontrolle. Seine besonderen Vorzüge: Humor, Schlagfertigkeit, Hilfsbereitschaft, Verantwortungsgefühl, absolute Zuverlässigkeit und beispielhafte Bereitschaft, Aufgaben und Pflichten innerhalb und außerhalb des Vereins zu übernehmen. Als Abrundung dieser Vorzüge: eine vehemente Abneigung gegen finanzielle Vergütung jeglicher Art für Funktionärstätigkeiten im Verein. Durch seine Verdienste hatte er sich den Respekt und die Anerkennung aller Vereinsmitglieder erworben. Neben der Ehrennadel des DTB in Bronze, Silbernadel des Leichtathletikverbandes, Silbernadel des Handballverbandes, Ehrennadel des Turngaus Kempen, Sportabzeichen in Gold, Ehrenplakette der Deutschen Sporthilfe wurde ihm die goldene Ehrennadel des Leichtathletikverbandes Niederrhein und der Kreisehrenbrief des Handballverbandes Niederrhein überreicht. Zwangsläufig, dass Heinz Grundmann für das Jahr 1990 den Pokal des Vereinsbesten verliehen bekam.

Es ist wahr geworden: „Deutschland einig VaterlandGorbatschow gab Kohl und Genscher im Juli im Kaukasus grünes Licht für die vollständige Wiedervereinigung. Nach der Massenflucht von Tausenden DDR-Bürgern, den Massendemonstrationen und dem Fall der Mauer am 9. November 1989 erschien der Weg zur deutschen Einheit unumkehrbar. Dies machte auch das Votum der Wähler zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 deutlich: Die gewählte Koalitionsregierung unter der Führung des CDU-Politikers und Ministerpräsidenten Lothar de Maizière verfolgte das Ziel, den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gemäß Artikel 23 Grundgesetz vorzubereiten. In den folgenden Monaten liefen sowohl innen- wie auch außenpolitisch die Vorbereitungen und Verhandlungen für eine Wiedervereinigung auf Hochtouren. Am 3. Oktober 1990 feierten die Deutschen in Ost und West gemeinsam die deutsche Einheit. Die Sowjetunion zerfiel in selbständige Einzelstaaten beginnend mit Litauen, Lettland und Estland. Im dann selbständigen Russland wir Boris Jelzin Präsident. 

Am 1. 1. 1990 hatte der Turnverein 1.534 Mitglieder (davon 541 Jugendliche). Der Verein hatte sich in einem Schreiben an die Stadt Nettetal zur Weiterleitung an Neubürger und Übersiedler aus den neuen Bundesländern gewandt, in welchem auf das breite Angebot des Turnvereins auf sportlichem und gesellschaftlichem Gebiet hingewiesen wurde. Hierdurch sollten neue Mitglieder geworben werden und dieser Bevölkerungsgruppe gleichzeitig eine schnellere Integrationsmöglichkeit verschafft werden. Die Seniorenabteilung feierte ihr 15jähriges Bestehen. Beim „Mutter-und-Kind-Turnen“ nahmen erfreulicherweise immer mehr „Väter“ teil; beim Kinderturnen erhöhten sich die Turngruppen auf nunmehr 7. Es existierten in der Turnabteilung insgesamt 13 Turngruppen, davon alleine 10 nur mit Frauen. „Wo sind die Männer“ fragte Margret Tüffers, die in diesem Jahr den Übungsleiterschein für Behindertenturnen und die S-Lizenz für geistig Behinderte erwarb. 20 begeisterte Mitglieder fühlen sich in der Turngruppe „Er & Sie“ unter der Leitung von Anita Sommerfeld sehr wohl. Gemeinsamkeit gab es bei den Jugendlichen: Aus den Abteilungen Handball, Leichtathletik und Turnen fuhren Jugendliche gemeinsam in die Herberge von Blankenheim. Die Wanderabteilung zählte in diesem Jahr 390 Beteiligte an 13 durchgeführten Wanderungen. 110 Radsportbegeisterte fanden sich bei insgesamt 6 Radtouren ein. Am 1. Juli 1990 löst die D-Mark die Mark der DDR als gesetzliches Zahlungsmittel ab. Am 22. Juli 1990 wurden die Länder Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, und Thüringen neu gebildet. Am 3.10.1990 traten die neu gegründeten Länder der Bundesrepublik bei, die DDR hatte aufgehört zu existieren. 

Neben dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft durch die deutsche Fußballnationalmannschaft mit einem 1:0-Sieg gegen Argentinien war sicherlich das Deutsche Turnfest in Dortmund und Bochum mit 100.000 Teilnehmern, darunter etwa 10.000 Gäste aus der DDR, das Sportgroßereignis des Jahres 1990. Unter dem Motto „Zwei Städte ein Fest“ wurde erstmals ein deutsches Turnfest von zwei Städten durchgeführt. „Die Flamme der Leichtathletikabteilung wird langsam, aber stetig immer kleiner – wann erlischt die Flamme endgültig?“ – so Klaus Nielebock in seinem Jahresbericht auf der Jahreshauptversammlung. Es fehlten Aktive, die sich für den Erfolg zu schinden bereit6 seien. Leistungsträger wie Torsten Bunte und die Senioren Walter Jansen, Manfred Bermges, Klaus-Dieter Albrecht und Manfred von Rauchhaupt seien für eine sportlich gute Entwicklung des Bereichs „zu wenig“. Der ersten Mannschaft der Tennisdamen gelang der Aufstieg in die Bezirksklasse A. Herzinfarkt – was nun? Nach Krankenhausaufenthalt und Rehaklinik bleiben bei vielen Patienten oft die Angst vor der Zukunft und die Unsicherheit, wie sie sich im Alltag zurechtfinden werden. Diese „Marktlücke“ hatten die Verantwortlichen des Turnvereins erkannt. Am 14. November 1990 wurde die Koronarsportgruppe des TV Lobberich gegründet. Ein Arzt, der ständig bei den Übungsabenden dabei ist, kontrolliert den Blutdruck und ist Ansprechpartner bei medizinischen Fragen. Wichtig für die Teilnehmer ist das regelmäßige Pulsmessen während der Sportstunden zur Einschätzung der persönlichen Belastungsgrenze. Die notwendige Satzungsänderung wurde in der Jahreshauptversammlung vom 15. 3. 1991 beschlossen (§ 4 Zweck des Vereins – Punkt 2: „Förderung und Durchführung des Behinderten- und Rehabilitationssports“). Bürgermeister Karl Reulen wurde mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Ihm wurde darüber hinaus im Januar 2000 als bisher einzigem Bürger die Ehrenbürgerrechte der Stadt Nettetal verliehen. Unter militärischer Führung der USA eroberte im Januar 1991eine aus 37 Nationen bestehende Armee der UNO das vom Irak besetzte Kuweit zurück. Im März wurde der Warschauer Pakt aufgehoben.

Die Turnabteilung verfügte 1991 über die beliebte Eltern- und Kindturngruppe, die mit teilweise bis zu 35 Kindern belegten Kinderturngruppen, den Frauenturngruppen mit Jazztanz-, „Mollig- und Fit“- und „Er- und Sie“-Gruppe. Die Gruppe „Mollig- und Fit“ traf sich außerdem zur Wassergymnastik im Hinsbecker Hallenschwimmbad. Die Seniorinnengruppe klagte über viele altersbedingte Ausfälle bei den Turnstunden. Im Oktober 1991 nahmen die 70- bis 80jährigen Damen am „Oktoberfest“ der Rheumaliga des Kreises teil und zeigten, dass man sich trotz „Alters und Rheuma“ sehr beweglich halten kann. Aus der Leichtathletikabteilung starteten in diesem Jahr erstmals keine Aktiven bei den offenen Kreismeisterschaften. Klaus Nielebock führte dies auf „keinen Bock“ bei den Jugendlichen und Junioren zurück. Die gleiche Einstellung verzeichnete er auch von den übrigen Leichtathleten, wobei Ausnahmen wie Walter Jansen, Manfred Bermges, Hans Straver, Heinz-Theo Gotzes, Klaus-Dieter Albrecht und Manfred von Rauchhaupt die Ausnahmen von der Regel waren. Die Eheleute Achim und Marlies Schmeja leiteten im 14. Jahr den „Lobbericher-Lauf-Treff“. An den sonntäglichen Treffs nahmen in diesem Jahr 560 Läuferinnen und Läufer teil. Im Sommerhalbjahr wurde der „Sportabzeichentreff“ eingerichtet. Achim Schmeja, Hans Mönicks und Manfred Sommerfeld kümmerten sich an vielen Abenden mit Ratschlägen, Hilfen und Messgeräten um die etwa 100 Sportabzeichenbewerber. Die Basketballabteilung hatte in 1991 Schwierigkeiten, die Zahl der Aktiven auf dem Stand des Vorjahres zu halten. Insbesondere durch das Auseinanderfallen der Damenmannschaft, deren Spielerinnen zwischenzeitlich an Hochschulen in ganz Deutschland das Studium aufnahmen, kam es zu personellen Problemen. Die Basketballabteilung hatte in diesem Jahr viele junge Aktive hinzugewonnen, die die entstandenen Lücken schließen könnten. Auch hier ergaben sich Schwierigkeiten durch fehlende Übungsleiter im Nachwuchsbereich. Erstmals wurde das Endspiel im Herreneinzel in Wimbledon von einer rein deutschen Begegnung bestritten, in der Michael Stich gegen den Favoriten Boris Becker gewann.
Den Vereinsbestenpokal erhielt in diesem Jahr Stefan Müller aus der Volleyballabteilung. Der Verbandsligaspieler widerstand in den 17 Jahren seiner Aktivenzeit zahlreichen Abwerbungsversuchen höherklassiger Vereine. Insbesondere in den „schlechten Zeiten“ habe er ein vorbildliches Verhalten gegenüber dem Turnverein gezeigt, so Günter Isenberg in der Laudatio.

Auf der Jahreshauptversammlung vom 20.3.1992 konnte der Vorsitzende Günter Isenberg das 1600e Mitglied – den elfjährigen Martin Dickmanns – Handballabteilung, begrüßen und besonders ehren. Der neue Teilnehmerrekord an den in der Zeit vom 25. Juli bis 9. August 1992 ausgetragenen XXV. Olympischen Spiele in Barcelona / Spanien spiegelten die politischen Veränderungen der Welt wider. Erstmals nahm nach der deutschen Wiedervereinigung eine gesamtdeutsche Mannschaft teil. Die Sportarten Badminton und Baseball wurden in das olympische Programm aufgenommen. Südafrika darf erstmals wieder teilnehmen. Die deutschen Athleten gewannen u. a. 37 Goldmedaillen, darunter auch Michael Stich und Boris Becker, die im Tennisherrendoppel siegten. In der diesjährigen Jahreshauptversammlung wurde das mangelnde Interesse der Jugend an Vereinsarbeit bemängelt. An der Jugendversammlung nahmen von 569 Kindern und Jugendlichen „nur“ 5 Mitglieder teil. Ein Herz für Senioren zeigte die Jahreshauptversammlung, als sie für Mitglieder ab 80 Jahren (aktiv und inaktiv) künftige Beitragsbefreiung beschloss. Im Dezember 1992 verstarb im Alter von nur 70 Jahren Heinz Grundmann.

Mit ihm verlor der Turnverein Lobberich, aber auch sein Heimatort, einen liebenswerten Menschen, der viele ehrenamtliche Funktionen wahrgenommen hatte. Er arbeitete außer im Turnverein Lobberich im Vorstand des Stadtsportverbandes (seit seiner Gründung im Jahre 1970) und des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Lobberich. Er wurde u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz für seine vielfältigen Tätigkeiten gewürdigt. Monika Heidler und Lambert Birker sorgten nach dem Tod für eine reibungslose Übernahme der vielen Tätigkeiten von Heinz Grundmann. In Mode gekommen war der Jazztanz, der in drei Gruppen durchgeführt wurde. Einen kleinen Aufwind verursachte das olympische Jahr für die Leichtathleten des Turnvereins. Nach dem „absoluten Tief“ des Vorjahres konnten in diesem Jahr drei Bahn- und zwei Hallensportfeste durchgeführt werden. An Kreis- und DLV-Meisterschaften beteiligten sich mit Erfolg die Senioren Walter Jansen, Hans Straver, Klaus-Dieter Albrecht und Manfred von Rauchhaupt. Die erste Damenhandballmannschaft musste nach 10jähriger Zugehörigkeit die Verbandsliga verlassen und stieg in die Landesliga ab. Eine „Shaolingruppe“ unter der Leitung von Peter Mann wurde eingerichtet. Die 1. Tennisherrenmannschaft schaffte den Aufstieg in die Bezirksklasse D. Die gute Jugendarbeit, Mitte der 1991 wieder von Udo Tschentke übernommen, zeigte erste Erfolge. Den Vereinsbestenpokal erhielten Brigitte Houben und Elmi Schulz, seit 1988 für die Handballjugend tätig. Beide sind Mütter von zwei bzw. drei Kindern und opferten ihre Freizeit für die Jugendbetreuung und das Jugendtraining. Darüber hinaus spielten beide noch aktiv Handball.

Im Jahre 1993 nahm der Turnverein wiederum eine positive Entwicklung. Besonders erfreulich war der große Zuspruch zum Angebot „Koronarsport“. Der beträchtliche Zuwachs der Teilnehmer machte die Gründung einer zweiten Gruppe notwendig, die zunächst an der prekären Hallensituation scheiterte, letztlich aber durch den besonderen Einsatz von Hubert Götzkes eingerichtet werden konnte. Freude machte auch das jüngste Kind des Turnvereins, die asiatische Kampfsportart „Shaolin“. Das Thema „Hallenstunden“ beschäftigte auch in diesem Jahr die Übungsleiter und Trainer, nicht zuletzt auch den Vorstand des Turnvereins, immer mehr. Es wurde festgestellt, dass die tagsüber genutzten Hallenstunden immer mehr infrage gestellt wurden durch den Anspruch der Schulen. Das behinderte naturgemäß die Bemühungen des Vereins, das sportliche Angebot noch attraktiver und breiter zu machen. Erstmals zeigte sich der Vorsitzende des Vereins, Günter Isenberg, mit der Situation bei den Jugendlichen unzufrieden: „Es zeigt sich immer wieder, dass im Teenageralter die Jungen und Mädchen für den Sport weniger zu begeistern sind, da sie sich oft anderen Dingen zuwenden, mag der Übungsleiter oder Trainer auch noch so viel Fantasie entwickeln“. Die Anzahl der jugendlichen Mitglieder im Turnverein war im Vergleich zu den anderen Altersgruppen gering, wobei sie in den Spielsportarten stärker vertreten waren als in den Individualsportarten. Dies stellte jedoch nicht nur ein Problem innerhalb des Turnvereins dar, auch die meisten Nachbarvereine hatten mit dieser Problematik zu kämpfen. Verantwortliche Übungsleiter baten insbesondere den Vorstand, in den kommenden Jahren hierauf besonders zu achten und das Angebot an die Wünsche und Bedürfnisse der Jugendlichen anzupassen. "Sport für Frauen“ nicht mehr „Frauenturnen“ – so mochte Übungsleiterin Helga Heythausen zukünftig die Sportstunden für Frauen nennen. Das Wort „Frauenturnen“ entspreche „nicht mehr dem Zeitgeist entsprechen“. Aerobic, Stretching und Callanetics seien die neuen Schlagworte. Im Zusammenhang mit gymnastischen Übungen nach Musik und von Zeit zu Zeit einem straffen Zirkeltraining boten die Turnstunden mittlerweile einen überaus abwechslungsreichen Verlauf. Mangel an geeigneten Leistungsträgern und die fehlende Kontinuität bei den ballspielenden Abteilungen führten logischerweise zu Überlegungen, wie sie der Kooperation (HSG Nettetal) Hinsbeck/Lobberich/Breyell zugrunde lagen. In der Saison 1993 nahmen erstmals zwei Tennisjugendmannschaften an den Meisterschaftsspielen der Kreisklasse teil. Die 1. Tennisherrenmannschaft stieg aus der Bezirksklasse D ab, ebenfalls absteigen musste die Jungseniorinnen-Mannschaft. Die Jungsenioren dagegen konnten in die Bezirksklasse C aufsteigen. Am 4. Juli 1993 gewinnt Deutschland erstmals die Basketball-Europameisterschaft. Das Balett-Training ruhte im Jahre 1993, da die Bemühungen des Vereins, einen geeigneten Trainer zu finden, nicht von Erfolg gekrönt waren.

Nach intensiven Gesprächen zwischen den Handballwarten des VfL Hinsbeck und des Turnvereins war man sich über die Bildung einer „Handballspielgemeinschaft“ einig. In erster Linie lag der Grund hierfür im nachlassenden Interesse im Jugendbereich. Hier wurde es dringend erforderlich, die „Hebel anzusetzen“, um auch im Seniorenbereich eine bessere Qualität zu erreichen. Mit Elmar Muck konnte ein Spielertrainer gefunden werden, der mehrere Jahre in der Regionalliga Erfahrung sammeln konnte. Die schwierige Aufgabe, die vollkommen neu geformte 1. Herrenmannschaft zu einer Einheit zusammenzuschweißen, gelang ihm bereits im ersten Jahr seiner Tätigkeit. Der Vertrag über die Gründung der HSG wurde am 11. Mai 1993 geschlossen. Da der TV Breyell die gleichen Probleme erkannte, schloss er sich mit seiner Handballabteilung der neu gegründeten HSG Nettetal an. Eine neue Identität schuf sich die Handball-Spielgemeinschaft rechtzeitig vor Spielbeginn. Auf einem Logo standen drei gleichgroße Quader, das grüne stand für TV Breyell, das rote für TV Lobberich und das blaue für VfL Hinsbeck. Die Farben standen als Wiedererkennungswert für die Trikotfarben der drei Stammvereine. Das in diesem Frühjahr gegründete HSG-Marketingteam mit dem Vorsitzenden Michael Liedtke, Thomas Greitenevert und Bernd Reininghaus setzte schon einen „Strauß voller Aktivitäten“ um. Dazu gehörte die große Fahne – mit dem neuen Logo -, die zu den Spielen der beiden ersten Mannschaften (die Damen spielen in der Oberliga, die Herren in der Bezirksliga) in der Sporthalle angebracht wurden. Die HSG, die 20 Mannschaften im Senioren- und Jugendbereich im Rücken hatte und mithin die größte Handballabteilung im Grenzland hatte (über 300 Mitglieder), setzte erstmals auch Bandenwerbung in der Halle ein. Rechtzeitig zum Saisonbeginn kam die Broschüre „Handballfieber“ heraus mit allen Spiel- und Trainingsplänen; sie sollte als Wegbegleiter für die HSG-Mitglieder und für die handballinteressierten Nettetaler Bürger dienen. Den Nachwuchs aufspüren wollte die HSG bereits in den Kindergärten und Schulen, um so die sportliche Zukunft zu sichern. Den Vereinsbestenpokal erhielt in diesem Jahr die 1. Damenhandballmannschaft. Sie stieg als Meister der Verbandsliga in die Oberliga auf. Dieser Erfolg war in erster Linie auf die gute Arbeit von Spielertrainerin Anke Winkels zurückzuführen. Die mit 100 Mitgliedern starke Volleyballabteilung begeisterte auch in diesem Jahr durch Leistungsfreude, guter Kameradschaft und Beständigkeit in den fünf Senioren- und vier Jugendmannschaften.

Im Jahr 1994 fand in Hamburg das Deutsches Turnfest unter dem Motto „Wo Sport Spaß macht – DTB“ mit 100.000 Teilnehmern statt. Im Bereich der Leichtathletik errangen in diesem Jahr Birgit Heimann, Anke Spaniol, Eva Holden, Timm Lohmann und Sebastian Boyxen Kreis- und Vizekreismeistertitel. Einen neuen Rekord konnte Joachim Schmeja beim Sportabzeichentreff vermelden. 125 Sportabzeichenprüfungen wurden abgelegt. Edeltraud Krug gab nach 20 Jahren Seniorinnengymnastik das „Zepter“ an Gertrud Hohnen und Stefanie Tüffers ab. Auf der Jahreshauptversammlung war dem Kassenbericht zu entnehmen, dass erstmals in der langen Vereinsgeschichte die Kasse mit einem Minusbetrag abschloss. Dem Turnverein drückte der finanzielle Schuh und das trotz gestiegener Mitgliederzahl auf die Rekordzahl von 1.641 Personen. Wegfall der Mittel aus Lotto- und Toto-Geldern einerseits und Kürzung der Landeszuschüsse in Verbindung mit Ausgabensteigerungen durch höhere Verbands- und Versicherungsausgaben andererseits und Einführung der Turnhallenbenutzungsgebühren (ca. 4.000 DM pro Jahr) seitens der Stadt Nettetal mussten finanziell aufgefangen werden. Die Mitgliederversammlung beschloss zwangsläufig eine Beitragserhöhung zum 1. 7. 1994. In der Tennisabteilung beklagte man wieder einmal das Fehlen des Jugendtrainings, das in den letzten zwei Jahren so gut funktioniert hatte. Vier Medenmannschaften wurden gemeldet. Die 1. Herrenmannschaft (35) wurde Gruppensieger in der Bezirksklasse C und sollte in der nächsten Saison in der B-Klasse spielen.

In diesem Jahr wurde Roman Herzog Nachfolger von Richard von Weizäcker als Bundespräsident. Der ehemalige Verfassungsrichter trat dafür ein, dass ein „Ruck“ durch Deutschland gehen müsse, um die von ihm gesehenen „verkrusteten Strukturen“ zu überwinden. Im November wurde Michael Schumacher erster deutscher Formel-1-Weltmeister mit insgesamt 92 Punkten, einem Punkt mehr als sein Konkurrent Damon Hill. Dass er dieses Kunststück insgesamt siebenmal schaffen sollte, hätte zu diesem Zeitpunkt keiner für möglich gehalten. Den Pokal für den Vereinsbesten erhielt in diesem Jahr Lambert Birker.

            
                      Lambert Birker


 

Die „Handball-Legende“ wurde als Beispiel für einen erfolgreichen Spitzensportler mit großem ehrenamtlichen Engagement gewürdigt. Lambert Birker war in der „Blütezeit des TV-Männerhandballs“ Stürmer in der TV-Oberliga-Feldhandball-Mannschaft. Später auch als Hallenhandballer erfolgreich, trainierte er einige Jahre die A, B und C-Jugend und war vier Jahre lang Spielertrainer in Viersen 01. 20 Jahre Vorstandstätigkeit, zunächst als stellvertretender Geschäftsführer von Heinz Grundmann, seit dessen Tod gemeinsam mit Monika Heidler überaus zuverlässiger und gewissenhafter Kassenwart und Geschäftsführer. Sportlich fit hielt und hält er sich in der Tennis- bzw. Faustballabteilung des Turnvereins.

Im Jahr 1995 wurde Schaag der sechste Stadtteil von Nettetal. Auf der Jahreshauptversammlung im Jahr 1995 konnte Günter Isenberg einen neuen Mitgliederrekord vermelden: 1.657 Mitglieder trieben im Turnverein Sport. Wiederum waren es die finanziellen Nöte, über die gesprochen wurde. Das breit gefächerte Angebot des Vereins konnte über die Sorgen des finanziell angekratzten Vereins nicht hinwegtäuschen. Die Kosten galoppierten dem TV davon. „Wir müssen in allen Abteilungen künftig auf die Kosten achten“, appellierte Günter Isenberg an die Mitglieder. Es wurde sogar in Erwägung gezogen, den Mitgliedern der Abteilungen, die größere Kosten verursachen, tiefer in die Tasche zu greifen. Die Radsportabteilung, mit 20 Mitgliedern die kleinste Abteilung des Turnvereins, hatte im Jahre 1995 11 Aktive, die an Touristikfahren im Grenzland, Mönchengladbach, Kleve und im Kölner Raum teilnahmen. Höhepunkt war das Training in Mallorca, wo man täglich Strecken bis zu 200 km bewältigen konnte. Im Herbst war die Truppe dann in den Dolomiten zu finden. Die große Sellarunde mit Fedajapass, Pordio-, Sella- und Grödnerjoch war angesagt. Weitere Routen führten nach Cortina d‘ Ampezzo, Falzaregopass und zum Misurina See. Für den Bereich Basketball gab es in diesem Jahr nicht viel Positives zu berichten. Ende der Saison 1994/95 häuften sich die Zerfallserscheinungen, so dass der Abstieg der Bezirksligamannschaft der Herren nicht vermieden werden konnte. Aus den verschiedensten Gründen gelang es kaum noch, die benötigte Anzahl von Spielern zu den Meisterschaftsspielen aufs Spielfeld zu bringen, so dass die Herrenmannschaft nach Saisonende aus dem Wettspielbetrieb zurückgezogen werden musste. Einige Leistungsträger wechselten zu anderen Vereinen, andere beendeten ihre Laufbahn. Mit dem verbliebenen Rest der Abteilung betrieb man nur noch hobbymäßig Basketball. Erhebliche Mittel müssten sofort oder in absehbarer Zeit für Unterhaltungskosten der vereinseigenen Anlage aufgewandt werden. Alleine eine neue Stützmauer zur Turnhalle hin würde über 80.000 DM kosten. Hier stellte sich die Frage nach dem Kosten-Nutzen-Verhältnis. Es wurde in Erwägung gezogen, die sog. „Werferwiese“, deren Pflege jährlich immense Beträge verschlang, zu verkaufen. Der Wanderpokal für den Vereinsbesten ging in diesem Jahr an Wanderwart Herbert Tüffers, stellvertretend für den Frühschoppenchor der seit 30 Jahren bestehenden Wanderabteilung.

1996 war das Jahr der XXVI. Olympische Sommerspiele in Atlanta. Die 100-Jahr-Feier der Olympischen Spiele fand zur Verwunderung vieler nicht in Athen, sondern in Atlanta statt. Es wurde vermutet, dass mit dieser Entscheidung der IOC-Hauptsponsor Coca-Cola (Hauptsitz in Atlanta) „beglückt“ werden sollte. Die Sportart Softball wurde in die olympischen Disziplinen aufgenommen. Günter Isenberg warf in der Jahreshauptversammlung 1996 die Frage auf: „Wo sind die Männer und Frauen, die junge Menschen fesseln, begeistern können für ein gemeinsames Ziel?“ Im „Jahr des Ehrenamtes“ sei es immer schwieriger, Frauen und Männer zu finden, die sich für ein Ehrenamt zur Verfügung stellen würden. Dennoch stehe der Verein im 135. Jahr der Vereinsgeschichte gut da. Die 1. Herrenmannschaft Volleyball feierte ihren Aufstieg in die Oberliga. Die weibliche Handballjugend war noch nie so erfolgreich wie in dieser Saison. Birgit Heimann schaffte die Qualifikation für die Westdeutschen Meisterschaften im 800-m-Lauf. In der gleichen Versammlung wurden die Eheleute Hermann und Gertrud Steinwegs für 75jährige Mitgliedschaft geehrt. Ohne die anderen Ehrungen zu vernachlässigen, darf an dieser Stelle der für 50jährige Mitgliedschaft geehrte Heinz Nopper (einige nennen ihn „Mister Handball“) nicht vergessen werden.

              
                          Heinz Nopper "Mr. Handball"


Heinz Nopper hat sich insbesondere um die Handballjugend gekümmert und jahrzehntelang selbstlos die Jugendlichen trainiert und betreut. Noch eine Ehrung sei an dieser Stelle erwähnt: Joachim Schmeja wurde mit der Ehrenurkunde des Deutschen Sportbundes ausgezeichnet für seinen langjährigen und erfolgreichen Einsatz bei der Sportabzeichenprüfung. „Diese Ehrung erfolgt seltener als die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes“ – bemerkte Leichtathletikwart Klaus Nielebock in der Versammlung. Erstmals wurde einem „Nichtvereinsmitglied“ die Ehrenmitgliedschaft verliehen: „Kathrinchen“ Grundmann, Ehefrau des verstorbenen Heinz Grundmann, dankte man auf diese Weise für ihre großzügige Spende zugunsten des Vereins. Gaby Glatz übernahm im gleichen Jahr das Amt der Geschäftsführerin, Kassiererin und Sozialwartin. Bei den Vorstandswahlen wurde Hubert Glock zweiter Vorsitzender und löste Peter Missoweit in seinem Amt ab. Margret Tüffers trat nach 10jähriger Tätigkeit als Oberturnwartin von ihrem Amt zurück. Kritisch merkte sie an, dass der Turnverein nicht mehr eine große Gemeinschaft sei, dass viele Abteilungen ein starkes Eigenleben entwickelt hätten, was letztlich auch dadurch zum Ausdruck komme, dass nicht mehr die Oberturnwartin „gebraucht“ werde, wenn etwa Hallenstunden notwendig würden. Jetzt nehme jeder das Zepter selbst in die Hand. Im Wembley-Stadtion von London wurde die deutsche Fußballnationalmannschaft durch das erste "Golden Goal" in der Geschichte, erzielt von Oliver Bierhoff, zum dritten Mal Europameister. Sepp Gerhards organisierte in der Tennisabteilung eine „Herren-55-Mannschaft“.

Anfang 1997 setzte der Dr. Karl-Heinz Kempkes, 1. Vorsitzender des TV Breyell, den Turnverein Lobberich davon in Kenntnis, dass dieser als Stammverein der Handball-Spielgemeinschaft HSG Nettetal zum Saisonende 1996/97 aus der Spielgemeinschaft ausscheide.

Günter Isenberg legte nach fast 25jähriger Tätigkeit sein Amt als 1. Vorsitzender nieder. Günter Isenberg wurde am 5.1.1936 in Neu-Beckum bei Münster geboren. Sein Interesse galt schon in früher Jugend dem Sport – insbesondere dem Geräteturnen und der Leichtathletik. Wie kam ein Westfale an den Niederrhein? Als 17jähriger hatte er das Glück, als Austauschschüler für ein Jahr nach Amerika zu gehen. Damit gehörte er zu den 400 Jungen und Mädchen, die sich aus 14.000 Bewerbern qualifiziert hatten. Zurück in Deutschland, schrieb er eine Artikelserie über seine dortigen Erfahrungen für die heimische Presse. Der Chefredakteur war mit einer Grefratherin verheiratet, die wiederum befreundet war mit dem damaligen Verkaufsdirektor von Niedieck, Karl-Gerd Frenken. Dieser suchte Abiturienten für die Mitarbeit in seiner Exportabteilung. So erfuhr Günter Isenberg erstmals von der Existenz eines schmucken niederrheinischen Städtchens namens Lobberich. Da er hier niemanden kannte, lag es nahe, dass er Mitglied im TV Lobberich wurde. Der Turnverein ließ ihn dann nicht mehr los. In dem Maße, in dem die eigenen sportlichen Aktivitäten nachließen, wuchs seine ehrenamtliche Arbeit im Vorstand. Seit Beginn der 60er Jahre fungierte er zunächst als Beisitzer, später als Ski- und Wanderwart und Schriftführer um dann am 23.5.1975 zum ersten Vorsitzenden gewählt zu werden. In seine Amtszeit fiel zum Beispiel die seinerzeit außerordentlich umstrittene, aber später allseits akzeptierte Entscheidung, den vereinseigenen Sportplatz in eine attraktive Tennisanlage umzubauen. Ein weiteres Highlight war sicherlich die gelungene Ausrichtung der 125-Jahr-Feier des TV Lobberich. „Last but not least“ ging die Errichtung der Dreifachturnhalle an der Wevelinghover Straße auf sein Konto. Günter Isenberg hat sich in seiner gesamten sportlerischen und ehrenamtlichen Laufbahn immer für ein gemeinsames Handeln eingesetzt. Sein Gespür, Probleme zu erkennen, die in einem Verein von über 1600 Mitgliedern und nahezu 10 verschiedenen Abteilungen nun einmal anfallen, offen zu diskutieren (auch schon einmal heftig und kontrovers) und in der Regel lösungs- und entscheidungsorientiert zu behandeln ist schon bemerkenswert. Das Wohl des Vereins und deren Mitglieder hatte bei Günter Isenberg immer oberste Priorität. Der bisherige 2. Vorsitzende Hubert Glock wurde von der Jahreshauptversammlung zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Monika Heidler trat als Geschäftsführerin und Kassiererin zurück und überließ Gaby Glatz den verantwortungsvollen Vorstandsposten. Margret Tüffers, im Vorjahr noch vom Amt des Oberturnwartes zurückgetreten, übernahm erneut den Posten, der seite einem Jahr verwaist war. Die Radsportabteilung meldete sich beim Radsportverband ab wurde jedoch letztlich aufgelöst. Auch die Tennisabteilung meldete in diesem Jahr eine rückläufige Mitgliedertendenz.

     
                         Hubert Glock

 
                   Günter Isenberg             

Der „Tennisboom“ der vergangenen Jahre schien vorbei zu sein.
Jan Ullirch gewann als erster Deutscher die Tour de France. Er war mit 23 Jahren zugleich einer der jüngsten Sieger des härtesten Radrennes der Welt. Er löste damit einen Fahrradboom in Deutschland aus. Bei der Bundestagswahl 1998 wurde die CDU/CSU-FDP-Koalition unter Kohl vom niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder abgelöst. Dies war die erste echte Abwahl einer deutschen Bundesregierung, vorangegangene Machtwechsel waren immer ein Wechsel des Koalitionspartners. Die Leichtathletikabteilung stand im Jahr 1998 nicht unter einem guten Stern. Das vielseitige und volkstümliche „Laufen Werfen Springen“ fand immer wenige Freunde. „Wie leider auch in anderen Vereinen rosten Speere, Disken und Hürden in den Geräteräumen dahin“, formulierte es Hubert Glock in seiner Neujahrsansprache Anfang 1998. Auch der Schulsport hatte sich von der aufwendigen Leichtathletik verabschiedet. Es gab nur noch wenige Lehrerinnen oder Lehrer, die diese Sportart „lehren“ konnten. Aber auch in den Vereinen fehlten qualifizierte Kräfte, die die olympische Leichtathletik in den verschiedenen Disziplinen fördern konnten. Dennoch erkämpften sich die Leichtathleten 44 Platzierungen bei Kreis- und Landesmeisterschaften. Die Jazztanzabteilung bestand in diesem Jahr aus vier Gruppen mit insgesamt 65 Mitgliedern, die unter Leitung von Anja Erkens in der Spiegelhalle des Werner-Jaeger-Gymnasiums trainierten. Die 1. Herrenvolleyballmannschaft erhielt den diesjährigen Vereinsbestenpokal für den Wiederaufstieg in die Oberliga. 

100.000 Teilnehmer/innen beherrschen das Stadtbild beim Deutschen Turnfest 1998 unter dem Motto „Deutsches Turnfest – Wir sind dabei!“ im sommerlichen München. In Budapest fanden die 17. Leichtathletik-Europameisterschaften statt. Die Mannschaft des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) gewann mehr Medaillen als bei der letzten Europameisterschaft 1994 in Helsinki. Der Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft, Bertie Vogts, trat nach achtjähriger Tätigkeit zurück, und Steffi Graf und Boris Becker erklärten ihren Rücktritt vom Profitennis. Hubert Glock als neuer erster Vorsitzender des Turnvereins ging auf der Jahreshauptversammlung auf die Entwicklung der Mitgliederzahlen ein, die seit 1996 rückläufig waren. Den größten Verlust verzeichnete dabei die Tennisabteilung. Aber auch die Volleyball- und Leichtathletikabteilung litten unter Mitgliederschwund. Positiv entwickle sich die Mitgliederzahlen dagegen im Handball- und Turnbereich. Hubert Glock stellte die Frage, "warum Abteilungen, die als Trendsportarten galten, wie Basketball oder Radsport, sich vom Wettkampf- und Breitensport zurückgezogen haben". War hier niemand bereit, etwas für andere zu tun? Die Altersstruktur der Mitglieder im Turnverein sah so aus, dass 582 Personen älter als 41 Jahre waren. 210 Mitglieder waren älter als 61 Jahre – aber nur 571 Kinder und Jugendliche gehörten dem Verein an. Hier müsse angesetzt werden meinte der Vorsitzende, „Jugend ist das Kapital des Vereins und jedes Mitglied solle sich überlegen, wie Trendsportarten in den Verein integriert werden können, damit auch wieder ein breiteres Angebot für die Lobbericher resp. Nettetaler Bevölkerung geschafft werden kann.“ Ganz zurückgezogen aus der Turnabteilung hatte sich Edeltraud Krug, die sich mit 83 Jahren (!) zur Ruhe setzen wollte. Viele Dinge hatte sie im Turnverein initiiert. Das Frauenturnen / Gymnastik und die Seniorengymnastik seien hier beispielhaft erwähnt. Ein gutes Jahr verzeichnete auch die Frauenhandballabteilung der HSG Nettetal. Die von Elmi Schulz trainierte 4. Mannschaft stieg in die Kreisliga A auf. Die 3. Mannschaft wurde Meister der Kreisliga A und stieg in die Bezirksliga auf. Zum 1. 7. 1998 stiegen die Mitgliedsbeiträge zur Deckung der defizitären Haushaltslage um 1 DM pro Mitglied pro Monat. Mit dem Vereinsbestenpokal für 1998 wurde das Leichtathletik-Aushängeschild Sebastian Boyxen ausgezeichnet. Der 18jährige Schüler wurde in diesem Jahr Dritter über 1.000 m bei den NRW-Meisterschaften und erreichte jeweils vordere Platzierungen im Triathlon und im Duathlon (Laufen-Radfahren-Laufen).

In der von 109 Mitgliedern (von 1.580) gut besuchten Jahreshauptversammlung vom 23. April 1999 wurde erstmals in der 138jährigen Vereinsgeschichte mit Brigitte Houben eine Frau zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Hans Schatten, der das Amt bisher innehatte, kandidierte mit 73 Jahren nicht mehr. Brigitte Houben war lange als Handballspielerin und bisher in der Organisation der HSG aktiv. Neben sportlichen Themen war auch der Neubau der geplanten Dreifachturnhalle Diskussionspunkt. „Es ist noch nichts beschlossen“, sagte Vorsitzender Hubert Glock. „Vom Verkauf des TV-Geländes könne keine Rede sein“, betonte er und trat damit vermuteten Grundstückspreisspekulationen entgegen. „Viel mehr würde nur Grund und Boden zur Verfügung gestellt. Die Planungen seien jedoch noch längst nicht abgeschlossen“ – so Hubert Glock. Wichtig für den Turnverein in diesem Punkt war zwangsläufig, dass die Sportarten Tennis und Leichtathletik bei der Planung berücksichtigt werden mussten. Möglicherweise würden Tennisplätze wegfallen und der vorhandene Kunststoffplatz müsste an anderer Stelle neu gebaut werden. Die Überlegungen gingen seinerzeit so weit, die vorhandene Laufbahn durch einen Tunnel zu führen. Wenn es zwischen der Stadt und dem Verein Turnerkampfbahn (Eigentümer des Geländes) zu einer Einigung kommen sollte, war geplant, eine außerordentliche Versammlung einzuberufen. Der Verein Turnerkampfbahn sollte in der zu gründenden Betreibergesellschaft Anteile und eine Sperrminorität erhalten, damit der Verein Einfluss darauf habe, was mit dem Gelände um die Dreifachturnhalle herum geschähe. Sollten die leichtathletischen Anlagen ganz wegfallen, müssten die Sportler ins städtische Stadion ausweichen können, so die Forderung des Turnvereins. Die Tennisabteilung meldete für die Medenspielsaison nur noch drei Herrenmannschaften, da sich auch die Damenmannschaft vom Wettkampfsport zurückgezogen hatte. Das Interesse, in einem Verein Tennis zu spielen, hatte merklich nachgelassen, was jedoch nicht vereinsspezifisch war. Die Zukunft wurde nicht „rosig gesehen“. Tenniswart Norbert Franken stellte den Antrag, die nicht mehr zeitgemäße Aufnahmegebühr fallen zu lassen, was vom Vorstand angenommen wurde. Die rückläufigen Mitgliederzahlen in der Tennisabteilung führten oft zu Diskussionen hinsichtlich der Neumitgliederwerbung. Für die Jugendarbeit konnte das Trainerehepaar Alfred und Gudrun Thönissen gewonnen werden. Im Jugendbereich der Shaolin-Kung-Fu-Abteilung konnten bei den Deutschen Meisterschaften in Mönchengladbach drei gute Plätze unter den Top Ten erreicht werden. Im Herbst wurde vom Verein ein Skikurs gegeben, an dem im Durchschnitt 15 Personen teilnahmen. Im September 1998 unterlag Helmut Kohl nach 16jähriger Kanzlerschaft seinem Herausforderer Helmut Schmidt. Es kam zur ersten rot-grünen Koalition auf Bundesebene Johannes Rau von der SPD, langjähriger Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, wurde 1999 zum Nachfolger von Roman Herzog zum Bundespräsidenten gewählt, Herzog hatte auf eine Kandidatur für eine zweite Amtszeit verzichtet. Rau, der wegen seiner Art und seines kirchlichen Engagements auch als „Bruder Johannes“ bezeichnet wurde, hatte sich seit Jahren intensiv um das Amt bemüht und musste erst Widerstände in der öffentlichen Meinung überwinden, überraschte dann aber mit bemerkenswerten Reden. Im Oktober 1999 wurde eine „Dance Aerobic“-Gruppe von Ursula Föhles gegründet. 12 Frauen und Mädchen nutzten in der Spiegelhalle des Werner-Jaeger-Gymnasiums das neue Angebot des Turnvereins. Am 24 . November 1999 wurden Steffi Graf und Max Schmeling zu den deutschen „Sportlern des Jahrhunderts“ gewählt. Die Leichtathletikabteilung hatte ein „schwarzes Jahr“. „Ist die olympische Leichtathletik im Turnverein Lobberich tot?“ fragte Klaus Nielebock Anfang 2000 auf der Jahreshauptversammlung. Zugänge im Jugend- und Seniorenbereich seien nicht mehr zu verzeichnen. Leistungswillige Aktive wechselten den Verein oder würden sich anderen Sportarten zuwenden. Den einzigen Leichathletiktitel erlief sich Sebastian Boyxen als Nordrhein-Crossmeister der A-Jugend. „Das hatten wir in den letzten Jahrzehnten nicht „ – so Klaus Nielebock. Auch beim früher so beliebten Lauftreff am Sonntagmorgen fanden sich immer weniger Interessierte zum Laufsport ein. Den Vereinsbestenpokal für 1999 erhielt Peter Mann als Leiter der Shaolinabteilung, der damit für die Gründung, den Aufbau und die Weiterentwicklung einer erfolgreichen und konstanten Abteilung im Turnverein geehrt wurde.

Obwohl das neue Millenium rein rechnerisch erst am 1.1.2001 zu begonnen hatte (schon deshalb weil es ein Jahr 0 nicht gegeben hat) wurde das neue Jahrtausend weltweit am ersten Tag dieses Jahres aufwendig begrüßt. Zu diesem Jahrtausendwechsel gab es etwas über 6 Mrd. Menschen auf der Welt. Zwei Drittel von ihnen hatten noch niemals in ihrem Leben telefoniert, ein Drittel lebt mehr oder weniger nomadisierend unterhalb der Selbsternährungsgrenze. (Auszug aus „Geschichte online2) Für einen Bürger Lobberichs war das Jahr 2000 sicherlich besonders wichtig: Dem erste Bürger der Stadt, Bürgermeister Karl Reulen, wurden am 22. Januar die Ehrenbürgerrechte verliehen. Beim Start vom Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle katapultiert sich am 25.7. eine Concorde ein auf der Rollbahn liegendes Metallstück in die eigenen Tanks und Motoren. Der vollgetankte manovrierunfähige Überschalljet stürzt zwei Minuten später ab, alle 109 Insassen, darunter auch der Lobbericher Jochen Appenrodt, acht Jahre lang (von 1981 – 1989) Schatzmeister des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) und seine Frau, die Chefärztin des Lobbericher Krankenhauses Dr. Heidrun Appenrodt. Die „Millenniumspiele“, die XXVII. Olympische Sommerspiele fanden in diesem Jahr in Sydney statt. Die Spiele von Sydney wurden nach der Schlussfeier vom damaligen IOC-Präsidenten Juan Antonio Samaranch unter lautem Jubel zu den „Best Games Ever“ – den bisher besten Spielen der Neuzeit – erklärt. Mit Taekwando Triathlon und Trambolinturnen kamen drei neue Sportarten hinzu.

In allen Abteilungen des Turnvereins war in diesem Jahr wieder reger Betrieb. Ob in der Turnabteilung der Erwachsenen (
Fit und Fun für Damen, Fitnesstraining an Geräten, Frühsportgruppe, Mollig und fit, Prellballgruppe, BOP-Training (Training gegen die Problemzonen Bauch, Oberschenkel und Po), Rückentraining, Zirkeltraining und Gymnastik mit und ohne Musik, Seniorengymnastik – ein wirklich breit gefächertes Angebot), im Bereich Eltern-Kind-Turnen, Kinderturnen, in der Ballsportgruppe, der Jazztanzgruppe (Anfang 2000 von Yvonne Albersmann übernommen, 40 Kinder und Jugendliche, 10 Erwachsene nahmen an den Übungsstunden teil), in der Dance-Aerobic-Gruppe von Ursula Föhles, in der Wanderabteilung (11 Wanderungen und 4 Radwanderungen wurden durchgeführt), in der Koronarsportgruppe, in der Volleyballabteilung, die seinerzeit aus 75 Mitgliedern bestand und in zwei Senioren- und zwei Jugendmannschaften aktiv waren, der Handballabteilung, beim Radlertreff und in der Leichtathletikabteilung. Das was der Turnverein hier bot, war wirklich „Breitensport vom Feinsten“. Der sportliche Niedergang der Volleyballabteilung im Turnverein war leider nicht mehr aufzuhalten. Demgegenüber konnte die Tennisabteilung – sicherlich auch ein Erfolg des neuen Abteilungsleiters Ralph Kreile – den Abwärtstrend stoppen. In diesem Jahr wurde auf Initiative von Klaus Nielebock eine Radwanderabteilung gegründet.

Auf 140 Jahre Vereinsbestehen konnte der Turnverein im Jahr 2001 zurückblicken. Die Mitgliederstruktur sah so aus, dass 1/3 aller Mitglieder unter 18 Jahren war – bei 1.528 Mitgliedern insgesamt eine erfreuliche Entwicklung. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung kam es zu einer besonderen Ehrung. Gertrud Steinwegs wurde für 80 Jahre Mitglied im Turnverein Lobberich besonders geehrt. Vorsitzender Hubert Glock erwähnte, dass dies wohl „ein einmaliger Beweis für außergewöhnliche Vereinstreue sei und ins Guiness-Buch der Rekorde gehört“. In den Morgenstunden des 11. September 2001 wurden die USA Opfer des verheerendsten Terroranschlags der Geschichte. Terroristen, unter ihnen ausgebildete Piloten, entführten innerhalb einer Stunde vier Verkehrsflugzeuge. Zwei der entführten Maschinen nahmen Kurs auf New York und rammten die beiden Türme des World Trade Centers, die daraufhin binnen eineinhalb Stunden in sich zusammenbrachen. Eine dritte Maschine wurde auf das Pentagon bei Washington gelenkt, das schwer beschädigt wurde. Die vierte Maschine stürzte bei Pittsburgh ab. Sie konnte ihr Ziel nicht erreichen, weil sich die Passagiere gegen ihre Entführer erfolgreich zur Wehr setzten. Bei der Terrorattacke kamen allein im World Trade Center etwa 3 000 Menschen ums Leben.         

Als mutmaßlichen Drahtzieher und Finanzier der Anschläge benannten die USA den in Afghanistan lebenden saudischen Terroristen
Osama bin Laden. Bei den Deutschen Meisterschaften im Shaolin-Kung-Fu in Mönchengladbach belegte Volker Kaufmann in der Kategorie Formen Hardstyle den ersten Platz und wurde Deutscher Meister. Benjamin Granderath errang bei den Jugendlichen den Vizemeistertitel. Eine tolle Leistung an der vielleicht der chinesische Weltmeister Xu Li einen kleinen Anteil hatte, hatte er doch u.a. an dem Trainingslager der Mitglieder beim Sommerlager in Mönchengladbach teilgenommen. Die 1. Herren-Volleyball-Mannschaft zog sich in der laufenden Saison vom Spielbetrieb zurück. Norbert Döbler, Abteilungsleiter Volleyball, führte dies auf berufliche Veränderungen und gesundheitliche Probleme bei einigen Spielern zurück. Da auch im Jugendbereich Trainer Bertram aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand, sah Döbler auch hier riesige Probleme für die kommende Spielsaison auf die Abteilung zukommen. Besser sah es bei der weiblichen und männlichen Jugend im Handballbereich aus. Erwähnenswert ist hier das überlegene Abschneiden der männlichen E-Jugend, die mit 28:2 Punkten und 246:83 Toren Gruppensieger werden konnte. Die 1. Frauen-Handball-Mannschaft zog überraschend in die 2. DHB-Pokalrunde ein. Die Spielerinnen Grazyna Komanda und Susanne Mertens wurden von der Rheinischen Post zur Sportlerin der Woche gekürt. In der 3. DHB-Pokalrunde schieden die Damen gegen den Königsborner SV aus. Der Sportabzeichen-Treff konnte in diesem Jahr auf das 10jährige Bestehen zurückblicke. Peter Kühnen erhielt für seine besonderen Leistungen in der Tennisabteilung den diesjährigen Vereinsbestenpokal.

Der 1. Januar 2002 wird für viele immer in Erinnerung bleiben: „Die DM hat ausgedient – es kommt der EURO“. Nicht nur viele Lobbericher Bürger trauerten „ihrer DM“ nach. Zum ersten Mal seit der deutschen Einheit von 1990 fand das Deutsche Turnfest in einem der neuen Bundesländer statt. Über 80.000 aktive Teilnehmer/innen kamen nach Leipzig. Die gesamte Stadt feierte bei frühsommerlichem Wetter das Turnfest mit. Im Juli erschüttert ein Erdbeben mit der Stärke von 4,8 auf der Richterskala die Region am Niederrhein. Die Erdstöße dauerten nur wenige Sekunden. „Gott sei Dank“ gab es keine nennenswerten Schäden zu verzeichnen. Der legendäre deutsche Fußballer Fritz Walter, Kapitän der deutschen Weltmeistermannschaft von 1954, starb im Alter von 81 Jahren in Alsenborn (Rheinland-Pfalz). Hans Schatten organisierte in diesem Jahr einen „Handballtreff der sechziger Jahre“, der bestens ankam und selbst Ehemalige aus München und Hamburg nach Lobberich rief. Unter der Leitung der Sportpädagogin Christa Orlea trafen sich Frauen und Männer in der Turnhalle an der Wevelinghover Straße zu Ballspielen und Gymnastik. 39 Mitglieder betätigten sich mittlerweile in der Koronarsportgruppe, die immer mehr Zuspruch fand. In der Volleyballabteilung mit einem Mitgliederbestand von 70 Personen war nur eine Jugendmannschaft „aktiv“. Eine Herrenguppe trainierte „nur hobbymäßig“ – so Abteilungsleiter Norbert Döbler. Ob überhaupt wieder Damen- und Herrenteams am Spielbetrieb teilnehmen, sei fraglich. Erfreulich gute Leistungen dagegen zeigte die weibliche A-Jugend in der laufenden Saison. Die erste Männer-Handballmanschaft der HSG erhielt in diesem Jahr für ihren „Durchmarsch“ in der Bezirksliga und den direkten Aufstieg in die Landesliga den Vereinsbestenpokal. Die Ballsportgruppe traf sich auch in diesem Jahr in der Turnhalle an der Sassenfelder Straße. Bei Volleyball, Fußball, Hockey oder Basketball wurde versucht, sich körperlich fit zu halten. 20 – 25 Frauen im Alter bis zu 55 Jahren trafen sich wöchentlich zu einem leichten Konditionstraining, Problemzonengymnastik, leichtem Hanteltraining und Rückengymnastik. Erwähnenswert aus dem Lobbericher Lauftreff ist Manfred Bermges, der in den vergangenen 25 Jahren insgesamt 158 Marathonläufe erfolgreich bestritt und dabei 130.000 km zurücklegte. Er startete jedoch nicht nur über die Marathondistanz, sondern bestritt auch Ultra-Wettkämpfe über 100 und 200 km.

Im November 2003 wurde über den Aufnahmeantrag des Fußballvereins Schwarz Weiß Lobberich diskutiert. In dem Gespräch zwischen beiden Vereinen machte
Hubert Glock deutlich, dass der Turnverein „keine feindliche Übernahme angedacht hat“, „positiv überrascht war von der Darstellung der Vertreter von Schwarz Weiß Lobberich“ und „bei einer eventuellen Übernahme weitere Jugendliche sich dem Turnverein anschließen würden“. Sollten sich die Mitglieder von Schwarz Weiß Lobberich dem Turnverein anschließen, würden sie den bestehenden Turnvereinsbeitrag akzeptieren, wobei nicht ausgeschlossen wurde, bei Bedarf einen Zusatzbeitrag zu erheben. Maja Funken erhielt für ihr besonderes Engagement in der Leitathletikabteilung und für die Förderung des Trainernachwuchses in diesem Jahr den Vereinsbestenpokal. Hans Straver erhielt beim Vergleichskampf Nettetal gegen Rochlitz aus der Hand von Klaus Nielebock die silberne Verdienstnadel des Deutschen Leichtathletik Verbandes, die zweithöchste Auszeichnung, die der Bundesverband an „stille Helfer“ auf dieser Ebene zu vergeben hat. Der Färber im Ruhestand, seit 1955 Leichtathlet, in den 60iger und 70iger Jahren ein erfolgreicher Hürdenläufer und Mittelstreckler im Niederrhein war einer der ersten ausgebildeten Übungsleiter im Leichtathletik Kreis Kempen-Krefeld. Der Radlertreff entwickelte sich erfreulich positiv; immer mehr Teilnehmer begleiteten die sehr gut organisierten Radwandertouren. Horst Köhler wurde Bundespräsident; Jürgen Klinsmann wurde neuer Trainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. An seiner Seite standen Oliver Bierhoff und Joachim Löw.

Sportlich gesehen waren zweifellos die XXVIII. Olympischen Spiele in Athen im Jahre 2004 der Höhepunkt. Mit 202 teilnehmenden Nationen kam es zu einem neuen Teilnehmerrekord. Ein versöhnliches Signal gab es beim Einmarsch der Nationen, als die Teilnehmer von Nord- und Südkorea gemeinsam einmarschierten. Das irakische Olympiateam bekam besondere Unterstützung. Die australische Luftwaffe stellte ein Flugzeug für den Transport der Mannschaft, und das japanische Olympische Komitee stellte die Bekleidung für die 48 irakischen Teilnehmer. Im Februar 2004 schlug die Männernationalmannschaft des Deutschen Handball-Bundes sclug im Finale der EURO 2004 Gastgeber Slowenien 30:25 (16:10) und wurde mit ihrem Trainer Heiner Brand neuer Europameister. Der bisherige Nettetaler Bürgermeister Peter Ottmann wurde Landrat des Kreises Viersen und löste Dr. Hans-Christian Vollert, der dieses Amt seit 1999 innehatte, ab. In der Jahreshauptversammlung vom 7. Mai 2004 erläuterte der 1. Vorsitzende Hubert Glock, dass die Verhandlungen für die Tennis- und Leichtathletikabteilungen zur Umlagerung zu den neuen Sportstätten für die Tennisabteilung zur Tennisanlage am „Bengerhof“ (hinter der Tennishalle an der Robert-Kahrmann-Straße), für die Leichtathletikabteilung das Stadion in der Schulzenburg, abgeschlossen seien. Zum angedachten Hallenneubau erläuterte er, dass der Kaufvertragsentwurf für das TV Grundstück bei der Stadt Nettetal liege und der Hallenneubau durch einen Investor durchgeführt werde. Zur Neugründung einer Fußballabteilung berichtete der Vorsitzende, dass die Aufnahme des TV Lobberich beim westdeutschen Fußballverband beantragt sei.

              
                                  Die alte Tennisanlage hat ausgedient


Die Tennisabteilung absolvierte ihre letzte Spielsaison auf der alten TV-Anlage. Am 6. November 2004 errang das TV-Mitglied der Shaolin-Kung-Fu-Gruppe Quoc-Bao Huynh in der Kategorie Formenlauf Harstyle mit einer gelungen Darbietung den Deutschen Meistertitel und in der Kategorie Formenlauf mit Waffen die Deutsche Vize-Meisterschaft. Der seit 25 Jahren bestehende Lobbericher Lauftreff wurde mangels Beteiligung dem LVN als ruhend gemeldet. Für Klaus Nielebock war dies „traurig aber wahr“. Im Dezember richtet ein Seebeben im Indischen Ozean mit der Stärke 9,3 auf der Richterskala mit nachfolgenden verheerenden Tsunami-Flutwellen Verwüstungen vor allem an den Küsten Thailands, Indiens und Indonesiens an. Über 300.000 Menschen sterben, mehr als 100.000 werden verletzt. Schätzungsweise fünf Millionen Menschen werden obdachlos.

Im Jahre 2005 wird Angela Merkel erste Bundeskanzlerin Deutschlands. Sie ist Chefin der Großen Koalition aus CDU und SPD. Der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger wurde im April zum neuen Papst gewählt und gab sich den Namen Benedikt XVI. Als ein „Fest der Superlative" bilanzierte die Berliner Morgenpost die Turnfestwoche das Internationale Deutsches Turnfest in Berlin. Zum ersten Mal trug das Fest die Bezeichnung „Internationales Deutsches Turnfest“, das mit über 100.000 Teilnehmern/innen, alles bot, was eine gutes Turnfest ausmacht: Wettkämpfe im Breiten- und Spitzensport in hervorragender Atmosphäre, erstklassige Show-Veranstaltungen, unzählige Anregungen für die Vereinspraxis in der Turnfest-Akademie und den bestens ausgestatteten Hallen des Messegeländes Berlin, vielfältige Gelegenheiten für Begegnungen und Feste sowie eine stimmungsvolle Stadiongala als emotionaler Höhepunkt und Abschluss im Berliner Olympiastadion. Für die Turnbewegung insgesamt war die Turnfestwoche ein Imagegewinn. Das Turnen präsentierte sich deutlich sichtbar als modern, zeitgemäß und international offen.


Das letzte Turnen der Mittwoch-Morgens-Gruppe in der alten
                           Sporthalle


Das Areal des Lobbericher Sportclubs zwischen Wevelinghover Straße und An den Sportplätzen soll schon vor 100 Jahren als Platz für körperliche Ertüchtigung genutzt worden sein. Hier entstand nun eine Dreifachhalle. Als 1957 das Werner-Jaeger-Gymnasium in den Neubau An den Sportplätzen zog und 1966 die Oberstufe gründete, da hatte man schon den Bau einer Turnhalle geplant. Nun war es soweit: Die Bagger machen das Gelände baureif. Und für den 14. März war der erste Spatenstich geplant. Die alte Sportplatzanlage des TV Lobberich wurde mittlerweile neu parzelliert und eine Nutzungsänderung der Grundstücke genehmigt. Mittlerweile sind bereits viele Baugrundstücke verkauft und mit Einfamilienhäusern bebaut worden. 

Die Tennisabteilung hatte das Angebot vom Lobbericher Tennisclub Grün Weiß Lobberich angenommen und dort am 24. April 2005 Tennisplätze übernommen. Die Tennisabteilung sollte daher nicht – wie zunächst geplant – zur Tennisanlage am „Bengerhof“ umziehen, sondern errichtete zwei neue Tennisplätze beim ortsansässigen Tennisclub GW Lobberich in der Schulzenburg und pachtete dort zunächst drei Plätze. Die Leichtathleten genossen die Nutzung der neuen Leichtathletikanlage im Stadion in der Schulzenburg. Mit der Durchführung der Stadtmeisterschaften wurde die Anlage auf ihre erste Bewährungsprobe gestellt. Erstaunliche Fitness bewiesen die Seniorenturnerinnen. 16 Damen mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren (Das „Küken“ war gerade einmal 66 Jahre alt). Wenn es auch manchmal in den Gelenken knackte, so konnten die Damen unter der Leitung von Gertrud Hohnens frei nach dem Motto „wer rastet der rostet“ viel für die Gesundheit tun. Bezeichnend für die Fitness: Edeltraud Krug und Grete Moortz, immerhin 90 Jahre alt, machen noch aktiv mit. Im Turnbereich hatte das Eltern-Kind-Turnen einen besonderen Stellenwert. In der Turnhalle an der Sassenfelder Straße turnten ca 12 – 15 Kinder ab einem Alter von ca. zwei bis ca. vier Jahren, wobei die Kinder nicht nach Alter aufgeteilt wurden, sondern in jeder Stunde das Alter bunt gemischt war. Natürlich kommt meist die Mutter mit ihrem Kind zur Turnstunde, aber es werden auch immer mehr Großeltern und Väter, die sich die Zeit nehmen, mit ihrem Sprössling zu turnen. Dabei wurden die Schwerpunkte auf Freude an der Bewegung, erste Kontaktaufnahme mit anderen Kindern, erstes Lösen von der Mutter, gemeinsames Spielen und Singen und Körpergefühl erlangen gesetzt. Die Koronarsportgruppe mit ihren 27 Aktiven wurde in diesem Jahr von den Ärzten Dr. Jochen Post, Dr. Ramann, Dr. Radosvic und Dr. Schmitz aus dem Städtischen Krankenhaus ärztlich betreut. Die 1. Handball-Frauenmannschaft der HSG spielte leider nicht mit um den Aufstieg in Regionalliga, dafür waren die gegnerischen Mannschaften einfach zu stark. Die Mannschaft um Trainer Uli Rentzsch war noch „zu jung und unerfahren“ und musste einiges Lehrgeld bezahlen. Die 1. Handball-Herrenmannschaft schloss die Saison 2004/2005 mit einem tollen 5. Platz im 2. Landesliga-Jahr ab. Damit wiederholten die Mannen um Trainer Dieter Pietralla den Erfolg des Aufstiegsjahres 2004. An Attraktivität hatte im Jahr 2005 der Tennissport für den Turnverein gewonnen. Durch den Umzug zur Spielanlage des TC Grün-Weiß Lobberich herrschte regelmäßig großer Spielbetrieb. Erstmals kam es sogar zu Wartezeiten, weil alle neun Plätze belegt waren. Die Gründung einer Fußballabteilung war Mitte des Jahres 2005 „vom Tisch“, da die Verantwortlichen nicht die vom Vorstand vorgegebenen Fristen eingehalten haben. Der Abwärtstrend der Mitgliederzahlen konnte gestoppt werden; erstmals waren wieder mehr An- als Abmeldungen zu verzeichnen. Der „Boom“ konzentrierte sich auf die Leichtathletik- und Radwanderabteilung. Die „magische 1.500-Marke“ wurde damit wieder realistisch. Den Vereinsbestenpokal für das Jahr 2005 erhielt Quoc – Bao Huynh aus der Shaolin Abteilung für seine Deutsche Meisterschaft im Formenlauf Hardstyle und für seine deutsche Vizemeisterschaft im Formenlauf mit Waffen. Auf der Jahreshauptversammlung im Mai dieses Jahres trat Klaus Nielebock von allen Ämtern zurück. Er konnte auf 40 Jahre Vorstandstätigkeit und 43 Jahre Vereinsmitgliedschaft zurückblicken.

            
              Verabschiedung von Klaus Nielebock durch
                    den 1. Vorsitzenden Hubert Glock


Am Samstag, 14. Januar 2006 wurde die neue Dreifeldsporthalle am Werner-Jaeger-Gymnasium in Lobberich eröffnet. Nach der offiziellen Eröffnung durch Bürgermeister Christian Wagner im Rahmen des städtischen Neujahrsempfangs konnte die Halle am 14. und 15. Januar im Rahmen der "Tage der offenen Tür" ausgiebig besichtigt werden. An den beiden Tagen wurde außerdem ein abwechslungsreiches Sportprogramm geboten. Am 9. Juni 2006 begann mit dem Eröffnungsspiel Deutschland – Costa Rica (4:2) die 18. Fußball-Weltmeisterschaft. Deutschland belegte schließlich „nur den 3. Platz“. Auf den Rängen hingegen sorgten das vierwöchige Sommerwetter und die Begeisterung der Zuschauer für ausgelassene Stimmung im Umfeld der Weltmeisterschaft, die in Deutschland retrospektiv als „Sommermärchen“ bezeichnet wurde.

             
                        Margret Tüffers


Die Übungsleiterinnen im Turnbereich Margret und Stephanie Tüffers haben sich weiter qualifiziert und neue Lizenzen für die Zukunftsaufgaben des Sports erworben: Sie waren fortan offiziell auch Übungsleiter B für Sport der Älteren und besitzen die Trainer-P-Lizenz für das Gesundheitstraining für Ältere. Die Leichtathleten besuchten mit einigen Athleten das 2. Paul Funk-Gedächtnissportfest in Viersen. Im Weitsprung errang Jan Biernath Platz 1 bei den Neunjährigen. Bei den Kreisbestenkämpfen in Viersen am 03. 09. 2006 belegte Jan Biernath bei den Neunjährigen Platz 1 im Dreikampf. Sebastian Gisbertz gewann am 06. 09. 2006 beim Herbstsportfest des TuS Oedt den 1000m Lauf der Schülerklasse M13 in 3:06,54 min. Im gleichen Monat verstarb Klaus Nielebock – ein „Urgestein“ des TV Lobberich. Als Beisitzer im Vorstand des Kreissportbundes und des Turnverbandes Niederrhein war er ebenso aktiv wie jahrzehntelang (s.o.) beim TV Lobberich und beim Verein Turnerkampfbahn Lobberich. Bereits sehr früh zeigte sich die sportliche Begeisterung des gebürtigen Hamburgers. Nach der Flucht der Familie im Krieg nach Lübeck trat er in den dortigen Ruderclub ein. Als der Vater aus beruflichen Gründen mit der Familie nach Nettetal umzog, kam Klaus Nielebock durch seinen Bruder, der ein guter Sportler war, im Jahre 1961 zum TV Lobberich, wo er bei den Leichtathleten eine neue Heimat fand. Angeregt durch die Radfahrgruppe von Hellmut Bahrs (TSV Kaldenkirchen) gründete er 1998 die Randwandergruppe im TV Lobberich. Im Rahmen des Niederrheinischen Radwandertages im Juli 2004 wurde er mit dem Titel „Mann des Jahres – für einen fahrradfreundlichen Kreis Viersen“ durch den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ausgezeichnet.

m Freitag, 27. Oktober 2006 fand eine außerordentliche Mitgliederversammlung im TV-Heim statt. Einziges Thema: die geplante Verschmelzung des TV Lobberich mit dem Lobbericher Tennisclub Grün-Weiß. Hintergrund: Hubert Glock und Günter Isenberg wurden vom Vorsitzenden des Tennisclubs Rainer Thiel hinsichtlich einer Fusion beider Vereine angesprochen, die diesen Antrag im Verein Turnerkampfbahn zur Sprache brachten. Der Verein Turnerkampfbahn gab zunächst die Anfrage an den Vorstand des Gesamtvereins weiter. Mitte des Jahres arbeiteten die Vorstände der zu verschmelzenden Vereine die finanziellen Belange zum Grundstück, Haus und Platzanlage aus, um die dazugehörenden Fakten den jeweiligen Vereinsmitgliedern vorzulegen. Die Mitgliedsversammlung des Grün-Weiß Lobberich hatte zwischenzeitlich dem Verschmelzungsvertrag einstimmig zugestimmt.

  
                  Die neue Tennisanlage in der Schulzenburg


Der Turnverein sollte zukünftig die Verwaltung der Immobilie dem Verein Turnerkampfbahn übergeben. Das bestehende Klubhaus soll allen Turnvereinsmitgliedern zur Verfügung gestellt werden. Günter Isenberg blickte abschließend noch einmal zurück auf die „alte“ Turnvereinsanlage, „der geliebten Heimat der Leichtathletikabteilung, das große ehrenamtliche Engagement zum Erhalt der Anlage, den großen Erfolgen der Handballer auf dem Großfeld, den Umbau auf zunächst drei, dann fünf Tennisplätzen, dem stetigen Wachsen der Tennisabteilung während des Tennisbooms, den Überlegungen, aufgrund des Sporthallenneubaus die Tennisplätze „Am Bengerhof“ als neue Heimat zu restaurieren, dann jedoch eine Pacht der Tennisplätze auf der Anlage des Tennisclubs Grün Weiß Lobberich vorzuziehen“.

All dies hatte den Mitgliedern des Turnvereins sehr viel Herzblut gekostet. Die Mitgliedsversammlung beschloss dennoch einstimmig, bei einer Enthaltung, sich mit dem Tennisclub Grün-Weiß Lobberich e.V. zu verschmelzen. Der Verschmelzung wurden der Jahresabschluss und eine Inventarliste zum 31. 12. 2006 zugrunde gelegt. Ende des Jahres wurde die 1990 von Dr. Kempkes und Antje Lorenz ins Leben gerufene Koronarsportgruppe des TV Breyell aus Kostengründen aufgelöst. Eine notwendige Beitragserhöhung von 100 DM pro Jahr auf 250 DM pro Jahr war vielen Mitgliedern wohl doch zu viel. Die Empörung bei den Mitgliedern war groß. Da man sich zwischen Vorstand des TV Breyell und den Mitgliedern der Koronarsportgruppe nicht einigen konnte, schloss der TV Breyell die Herzsportgruppe. Die Mitglieder fanden beim Turnverein Lobberich eine neue Heimat. „Wir sehen uns in der Pflicht, diesen Sport anzubieten“, sagte Hubert Glock, dem auch die Problematik der Finanzierung des Koronarsports bewusst war.

Die deutsche Handballnationalmannschaft der Männer gewann im Februar 2007 in Köln das Finale der Handball-Weltmeisterschaft gegen Polen. Zu Beginn des Jahres 2007 hatte der Verein 1.550 Mitglieder; diese Zahl stieg im Laufe des Jahres bis auf 1.648 Mitglieder an. Grundlage für diese positive Entwicklung war – so die Ansicht des 1. Vorsitzenden Hubert Glock die gute Vereinsarbeit und die ständige Aus- und Fortbildung der Übungsleiter in den einzelnen Abteilungen, die dadurch in die Lage versetzt würden, aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse im Sport in ihre Arbeit einfließen zu lassen. Dies zeige sich insbesondere in den Gruppen, bei denen vornehmlich Senioren zu betreuen seien. Dass in diesem Bereich so viele Mitglieder ihr Zuhause hätten, wäre die beste Empfehlung für altersgruppengerechte Arbeit im Turnverein Lobberich. Auf der Jahreshauptversammlung im April wurde Hubert Götzkes für 75jährige Mitgliedschaft besonders geehrt. 
           
Antonia Funken aus der Shaolin-Kung-Fu-Gruppe gewann die Deutsche Vizemeisterschaft im Freikampf und Jeremy Müller den dritten Platz in Selbstverteidigung. Im Oktober fand der 1. Nettetaler Seniorentag statt, welcher im Rathaus der Stadt Nettetal veranstaltet wurde. Bei dieser Veranstaltung, die in der öffentlichen Wahrnehmung einen hohen Stellenwert hatte, wurde der Turnverein durch Margret Tüffers, Gaby Glatz, Rita Glock und Herbert Tüffers einem breiten Publikum in hervorragender Weise präsentiert. Das Jahr 2007 war für die Tennisabteilung im positiven Sinne ein bewegtes Jahr. Der Focus lag in diesem Jahr darin, Kinder und Jugendliche, natürlich auch Erwachsene, für das Tennisspiel zu gewinnen. 232 Mitglieder am Ende des Jahres zeugten davon, dass dies „ganz gut gelungen war“ Die Medensaison wurde von insgesamt neun Mannschaften bestritten. Die Leichtathleten hatten sich in der Dreifachturnhalle eingelebt und der Trainingsbetrieb lief wieder rund im Jahre 2007. An allen Trainingstagen herrschte reger Betrieb, ober bei den „alten Hasen“ oder den Bambinos. Immer mehr große und kleine Athleten fuhren zu den Sportfesten, die im Kreisgebiet angeboten wurden. Besondere Leistungen zeigten wiederum Tim Mertens (Jg. 90) und Jan Biernath (Jg. 97). Tim Mertens wurde in den L-Kader des Leichtathletikverbandes NRW berufen. Sein Höhepunkt in diesem Jahr war die Teilnahme an den Deutschen Jugendmeisterschaften in Ulm. Besonderen Grund zur Freude hatte in diesem Jahr Jan Biernath, knackte er doch den Kreisrekord im Weitsprung mit einer Weite von 4,70 m. Die Faustballabteilung im TV Lobberich konnte in diesem Jahr auf ein 40jähriges Bestehen zurückblicken. Das Faustballspiel entwickelte sich zunächst auf dem alten Handballplatz und wurde hauptsächlich von Polizeibeamten im Turnverein bespielt. Zwischenzeitlich betreiben auch ehemaligen Handballer und Tennisspieler das interessante und abwechslungsreiche Spiel.

Die XXIX. Olympischen Sommerspiele in Peking waren sicherlich das Highlight des Sportjahres 2008. Kontroverse Diskussionen gab es vor und während der Spiele mit Bezug auf die Menschenrechtssituation in China. Es kam zur Einführung einer weiteren olympischen Sportart - BMX. Mit 204 teilnehmenden Nationen wurde ein neues Maß gesetzt. Wirtschaftlich geriet Deutschland 2008 in den Sog der weltweiten Wirtschaftskrise, die im Wesentlichen durch eine zu freundliche Kreditgewährung der Immobilienbankgeschäfte ausgelöst wurde. Der Turnverein Lobberich bot mit 1.648 Mitgliedern die größte Vielfalt an Breitensport in Nettetal. Darüber hinaus wurde der Leistungssport gefördert und der Verein engagierte sich für die Jugend, aber auch für den Seniorensport. Pläne der Stadt, einen eigenen Seniorensportverein aufzubauen, stießen beim Vorsitzenden Hubert Glock auf Unverständnis. „Dies sei wohl auf unzureichende Kenntnisse des breit gefächerten sportlichen Angebotes für Senioren zurückzuführen“ meinte er in der Jahreshauptversammlung. Am 30. Juni übernahm der TV Lobberich die Handballsportgemeinschaft Nettetal. Die Kooperation mit dem VfL Hinsbeck endete. 15 Jahre lang hielt die Kooperation der Handballabteilungen von TV Lobberich und VfL Hinsbeck unter dem Namen HSG Nettetal. Ab dem 1. Juli gingen beide Vereine wieder getrennte Wege: In Hinsbeck sollte künftig kein Handball mehr gespielt werden, die bisherigen Mannschaften starteten in der Handballabteilung des TV Lobberich. Zwischen den Vereinen wurde vereinbart, dass die anfallenden Kosten gemäß der Mitgliederzahl im Verhältnis ein Drittel (VfL) zu zwei Drittel (TVL) aufgeteilt und jährlich den veränderten Mitgliederzahlen angepasst werden. Nach Hinsbecker Ansicht waren die Kosten zur Unterhaltung einer Leistungssportabteilung in höheren Klassen für einen kleinen Verein wie den VfL Hinsbeck nicht mehr tragbar. Vor diesem (in vielen Diskussionen angezweifelten) Hintergrund beschloss der VfL-Vorstand, sich mit dem Turnverein über entsprechende Änderungen im Verhältnis und zur Kostenaufteilung zur HSG zu unterhalten. Hubert Glock teilte dem Vorstand des VfL daraufhin mit, dass man bereit wäre, die HSG Nettetal sofort komplett zu übernehmen. Dieses Angebot, das ein Weiterbestehen des Handballsports in Nettetal ermöglichte, kam den Zukunftsüberlegungen des VfL nahe und wurde akzeptiert. Damit der Spielbetrieb für die neue Handballsaison gesichert wurde, musste dies dem Verband bis zum 31. Dezember mitgeteilt werden. Die HSG Nettetal hingegen wurde zum 30. Juni aufgelöst. Die deutsche Fußballnationalmannschaft wird in Österreich bei der Fußballeuropameisterschaft Vizemeister. Die Trainings-und Abnahmetage für das Deutsche Sportabzeichen waren im Jahr 2008 gut besucht. 47 Personen hatten die Aufgaben erfolgreich bestanden. Kurt Müller errang das Goldene "35". Er war mit 83 Jahren der älteste Teilnehmer, der das Sportabzeichen errang. Kurt Müller ist einer, der an den Übungstagen erscheint, seine Disziplinen zügig durchzieht und auch alle ohne Schwierigkeiten schafft, genauso wie Angelika Filfil, die Gold "15" erringen konnte. Im Rahmen einer Festveranstaltung feierte die Behinderten Sport Gemeinschaft (BSG) ihr 50jähriges Bestehen. Sie war seinerzeit durch das Turnvereins-Mitglied Ernst Brandt gegründet worden. Die Shaolin-Kung-Fu-Gruppe hatte wiederum ein erfolgreiches Jahr. Norman Grafen errang bei den Deutschen Meisterschaften den 2. Platz in der Kategorie Formen Softstyle. Den Vereinsbestenpokal für das Jahr 2008 erhielt die 1. Herren-Handballmannschaft, welche noch als HSG Nettetal nach mehr als 20 Jahren den Wiederaufstieg in die Verbandsliga schaffte. Darüber hinaus wurde die letzte Runde des Westdeutschen Handballpokal-Wettbewerbes erreicht, in der man gegen Ex-Bundesligist TV Korschenbroich nur knapp scheiterte. Durch den Erfolg der 1. Herren-Handballmannschaft war das öffentliche Interesse für den Turnverein Lobberich enorm gestiegen, was die Zuschauerzahlen in der neuen Dreifachturnhalle deutlich belegen.


              Mixed-Turnier der Tennisabteilung im Sommer 2008


Zu Beginn des Jahres 2009 hatte der Turnverein 1.718 Mitglieder. Turnerisches Großereignis war im Jahre 2009 das Internationale Deutsche Turnfest in Frankfurt am Main vom 30. Mai bis 5. Juni. 85.000 aktive Teilnehmer, dazu mehr als 1,5 Millionen Besucher waren ein beachtliches Ergebnis der Veranstaltung, die das Vereinsleben der Turner in seiner ganzen Vielfalt, Kreativität und Innovation präsentierte.
DTB-Präsident Rainer Brechtken resümierte, welche Faszination das Turnen in all seinen Facetten ausstrahlte, angefangen von den ganz Kleinen, über Fabian Hambüchen bis hin zu den Älteren. Im September wurde die deutsche Frauen-Fußballnationalmannschaft nach einem 6:2 gegen England Europameister. In Lobberich feierte die Freiwillige Feuerwehr ihr 125jähriges Bestehen. Für den Bereich Breitensport im Turnverein Lobberich (Turnen, Gymnastik, Fitness, Walking) konnte man sicherlich sagen, dass die hier aktiven Mitglieder eine starke Gemeinschaft waren und mit zu den größten Gruppen im Verein zählten. Zwar wurden sie manchmal belächelt, weil sie doch keine tollen Siege nach Hause brachten, oder in eine höhere Liga aufsteigen konnten oder gar bei einem Wettkampf zu siegen. Dennoch gewannen sie doch jede Woche, auch wenn es dem Einzelnen nicht nimmer nach Sport war, etwas für sich und ihre Fitness, Ausdauer, Beweglichkeit und Freude.

               
          Ehrungen auf der JHV 2009 (Foto: Hohnen)

Sobald ein Kleinkind laufen kann, verspürt es einen enormen Bewegungsdrang, den man in der häuslichen Umgebung nicht so recht ausleben kann. Hier setzt das Angebot der nicht nur innerhalb des Turnvereins viel beachteten Eltern-Kind-Turngruppe genau an. Bewegung, Spaß und kleine Spiele mit Musik oder Alltagsmaterialien waren Bestandteil jeder Turnstunde.

            
                        Damen-Gymnastik-Gruppe 2009

Die Eltern turnten mit bzw. turnten vor und gingen so mit gutem Beispiel voran. Darüber hinaus lernten die Kinder das Umgehen miteinander, aber auch das erste Lösen von den Eltern. Das DRK-Familienzentrum NRW Nettetal-Lobberich erhielt im Januar als erste Einrichtung im Kreis Viersen das Zertifikat „Bewegungskindergarten mit Pluspunkt Ernährung“. Der TV Lobberich – als kooperierender Sportverein erhielt die Anerkennung als „Kinderfreundlicher Sportverein“. Die 1. Herrenmannschaft der Handballabteilung mit ihrem Trainer
Dieter Pietralla wurde von den Lesern der Rheinischen Post zum Sportlerteam des Jahres gewählt. Die Mannschaft spielte in der Verbandsliga eine gewichtige Rolle; das Ziel, sich in der Verbandsliga zu etablieren, wurde erreicht. In der Vorrunde wurden die Gegner von Spiel zu Spiel teilweise überrannt. Der „Lauf“ wurde erst gegen Ende der Rückrunde vom künftigen souveränen Meister Adler Königshof gestoppt. Die 2. Herrenmannschaft spielte in der Kreisliga A. 2009 gab es erstmals neben der dritten auch eine vierte Herren-Mannschaft. Bei diesen Mannschaften stand der Spaß am Handballsport im Vordergrund. Die 1. Damen-Handballmannschaft spielte in der Oberliga. Unter dem Training von Melanie Baude kehrte lange nicht gekannter spielerischer Glanz in die Werner-Jaeger-Sporthalle zurück. Die zweite Damenmannschaft, im Vorjahr aus der Landesliga abgestiegen, hielt sich in der Bezirksliga. Im Jugendhandball hält der Zulauf nach der Weltmeisterschaft im eigenen Lande im Jahre 2007 nach wie vor an. Mittlerweile 23 Mannschaften (!) in allen Altersklassen zwischen fünf und 18 Jahren standen 2009 im Meisterschaftsbetrieb. Sehr erfreulich war neben der Breite auch die sportliche Leistungsentwicklung mit derzeit drei Mannschaften in einer Liga des Handballverbands Niederrhein. Die männliche B-Jugend spielte in der Oberliga, die männliche C-Jugend in der Verbandsliga und die Mädchen C in der Oberliga. Für die Leichtathleten war 2009 ein durchwachsenes Jahr. Die Zahl der Teilnehmer in den Übungsstunden ist recht stabil, bei den 11 bis 13jährigen Mädchen und Jungen leicht steigend. Die Anzahl der bestrittenen Wettkämpfe ist der des Vorjahres gleich. Etliche Athleten finden sich in den Kreisbestenlisten wieder. Hervorheben kann man hier sicherlich Maria Bücker, die den 1. Platz im Diskuswerfen der weiblichen Jugend B-Jugend bei den Kreismeisterschaften erreichte; darüber hinaus qualifizierte sie sich zusammen mit Antonia Funken für die Nordrheinmeisterschaften im Diskus. Antonia Funken schaffte auch die Qualifikation für die Westdeutsche Schülermeisterschaft, bei denen sie mit 29,70 m den 5. Platz belegen konnte. Bei den erwachsenen Leitathleten sind Manfred von Rauchhaupt und Maja Funken als Stadtmeister hervorzuheben. Bei der Volleyballabteilung wurde durch die sehr gute Arbeit von Ute und Frank Gutsche eine bereits fast darniederliegende Abteilung mit soviel Leben erfüllt, dass die Übungsstunden für die Mannschaften nicht ausreichten. Insgesamt vier Alters- bzw. Leistungsgruppen nahmen 2009 am Trainingsbetrieb teil. Über 90 Interessierte kamen in diesem Jahr ins Stadion in der Schulzenburg und wollten das Deutsche Sportabzeichen erlangen, die einen, weil sie es immer machen und Spaß an der Leichtathletik haben, manch einer, um zu schauen: Wie fit bin ich noch? Und andere brauchten es für die berufliche Laufbahn. Zum guten Schluss waren es 62 Personen, die es schafften, davon 34 Erwachsene und 28 Schüler/ Jugendliche. In der Koronar-/Rehasport-Gruppe waren insgesamt rund 70 Personen tätig. Man traf sich montags und mittwochs in unterschiedlich belastbaren Gruppen, betreut vom Ärzteteam Dr. Bartsch, Dr. Girbig, Dr. Esch und Dr. El-Fechtal. Aus der Shaolin/Kung-Fu Gruppe nahmen in 2009 viele Mitglieder an den angeboten Lehrgängen im Bundesleistungszentrum in Möchengladbach teil. Hier konnte zusätzliches Wissen trainiert werden, besonders im Bereich der Selbstverteidigung und im Freikampf. Für einige Teilnehmer stand wieder eine Gürtelprüfung an, die in allen Fällen erfolgreich absolviert wurden. Erstmals nahmen einige Jugendliche am Xelent-Cup in Mönchengladbach teil. Höhepunkt des Jahres waren wieder die Deutschen Meisterschaften. Für Podestplätze reichte es in diesem Jahr leider nicht, aber mit einem 4. und einem 5. Platz war die Abteilungsführung zufrieden. Die Tennisabteilung mit rund 270 Mitgliedern, davon 57 Kindern und Jugendlichen, war mit den Aufstiegen der 1. Herrenmannschaft und der Herren 40+ in die nächsthöhere Klasse zufrieden. Mangelnde Beteiligung an den Klubmeisterschaften war ein kleiner Wermutstropfen in der ansonsten gut funktionierenden Abteilung. Die Fußballtennisabteilung startete in der Saison 2009 in der Niederrheinliga und belegte direkt einen beachtlichen 4. Platz in der Tabelle. Die Kooperation mit dem Familienzentrum „Das Menschkinderkulturkunsthaus“ vom Deutschen Roten Kreuz nahm langsam immer mehr Gestalt an. Die Kinder besuchten regelmäßig die Kindersportgruppen von Melanie Ruhl. Auch die „Wasserratten“ kamen in 2009 beim Turnverein nicht zu kurz. Seit Bestehen des Schwimmbades in Hinsbeck (Landessportbund) betreibt die Abteilung „Schwimmen/Wassergymnastik“ dort ihre Wassergymnastik.


               Die "Wasserratten" des TV Lobberich

Das Jahr 2010 beginnt mit einer Katastrophe und es trifft ausgerechnet das ärmste Land der westlichen Hemisphäre: Rund eine Minute bebt die Erde in Haiti und stürzt den Karibikstaat noch tiefer ins Elend. Mehr als 230.000 Menschen sterben. Im April fängt die Ölplattform „Deepwater Horizon“ im Golf von Mexiko Feuer und versinkt im Meer. Es ist der Beginn eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte. 100e Millionen Liter Öl fließen ins Meer. Bei der Jahreshauptversammlung im April 2010 wurde u. a. auch Anneliese Gerhards für ihre 50jährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Die ehemalige Erfolgsspeerwerferin hält einen Rekord, der von einem heimischen Leichtathleten wohl nur schwer zu überbieten ist. Die heute 74jährige aus Hinsbeck kann auf drei olympische Teilnahmen zurückblicken: 1960 in Rom, 1964 in Tokio und noch einmal mit 37 Jahren 1972 in München war sie dabei. Ihre Bestweite 58,34 m. 1964 führte Anneliese Gerhards die Weltrangliste an.

Gemeinsam mit den Kooperationspartnern dem DRK, allen gesetzliche Krankenkassen, dem Landessportbund NRW, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Düsseldorf entstand Anfang 2010 im DRK-Familienzentrum ein Film, der zur Fachtagung
„IN FORM“ in Düsseldorf produziert wurde und einen Einblick in das Projekt „Bewegungskindergarten mit Pluspunkt Ernährung“ zu geben. Die Übungsleiter des TV konnten so als Filmakteure ein wenig Hollywoodflair genießen. Die Kooperation des Familienzentrums „Das Menschenkinderkulturkunsthaus“ vom Deutschen Roten Kreuz und des Turnvereins Lobberich war auch in diesem Jahr sehr erfolgreich, die in einem Hallensportfest ihren Höhepunkt hatte. Völlig unerwartet tritt im Juni 2010 Bundespräsident Horst Köhler zurück. Zu seinem Nachfolger wird der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff gewählt.

Im Juni steht ganz Deutschland im Fußballrausch: Die frische Spielweise der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Südafrika euphorisiert das Land. Die Siege gegen Argentinien und England werden frenetisch gefeiert. Daß es für das Team von Joachim Löw letztlich nur zum dritten Platz reicht, wird fast zur Nebensache. Bei der Loveparade in Duisburg sterben 21 Menschen. Hunderte Technofans werden verletzt. Im Juli steht ein Fünftel Pakistans unter Wasser. Von der Flutkatastrophe sind rund 20 Millionen Menschen betroffen. Im Oktober freut sich Chile und mit ihm die ganze Welt über die wunderbare Rettung der 33 verschütteten Bergleute mit einer Rettungskapsel nach 70 Tagen in 700 Metern Tiefe.


                       Die Koronarsportgruppe 2010

Von den Mitgliedern zunächst unbemerkt begannen die Renovierungs- und Umbauarbeiten im Keller des Vereinsheims im Rosental (
Tennisanlage). Die in die Jahre gekommenen Sanitäranlagen wurden komplett umgebaut und erneuert. Auch der Zugang zum Keller wurde einladend gestaltet. Mitte des Jahres wurden dann auch die Tische und Stühle durch Neue ersetzt. Die Wahl eines Red- und Greenkeepers war eine gute Entscheidung. Die neun Tennisplätze befanden sich in einem ausgezeichneten Zustand. 4 Damen, 5 Herren und 2 Seniorenmannschaften konnten für 2010 gemeldet werden. Die Volleyballabteilung nahm in diesem Jahr mit vier Mannschaften am Spielbetrieb teil. Die Jugendlichen war mit einer B-Jugend (Spielerinnen unter 16 Jahre) und einer A-Jugend (Spielerinnen unter 18 Jahre) vertreten. Die Damen, d.h. alle über 18jährigen nahmen am Spielbetrieb der neugegründeten Hobby-Damen-Liga des Kreises Krefeld-Viersen teil. Die Mitglieder der Wanderabteilung trafen sich in diesem Jahr zu sieben Wanderungen und waren auch beim Aktionstag "Fit mit dem Landrat" dabei. Nach 28 Jahren legte Herbert Tüffers das Amt des Wanderwartes nieder. Die Mitglieder der Fußball-Tennis-Abteilung konnten ebenfalls Erfolge verzeichnen. Im April reisten sie zum Festival des Breitenfußballs in die Sportschule Duisburg-Wedau und wurden beim dort ausgerichteten Turnier Zweiter. Ob Turnen, Wassergymnastik oder Walking, die Turnabteilung berichtete über eine äußerst rege Teilnahme an den Übungsstunden und erfreut sich immer wieder großer Beliebtheit. Die Frauen der Senioren-Gymnastik trafen sich regelmäßig im "Spiegelsaal" des Werner-Jaeger-Gymnasiums zu ihren Übungsstunden. Das Ziel: Erhaltung der Gesundheit, der Beweglichkeit oder Wiedergewinnung nach Krankheiten (Operationen) und last not least die Förderung sozialer Kontakte.

Das 150jährige Jubiläum wurde mit einem Festbankett, einer Unterhaltungs-Show und Handball-Leckerbissen gegen hochkarätige Mannschaften (Bayer Leverkusen (Bundesliga) - Damen, TV Korschenbroich (2. Liga) - Herren) gebührend gefeiert        
 Der Vorstand des TV Lobberich 1861 e.V. im Jubiläumsjahr
 Brigitte Houben, Gaby Glatz, Margret Tüffers, Hubert Glock





Der TV Lobberich 1861 e.V. von 2012 bis heute
- Dienstleister des Sports -

Der neue Vorsitzende des Turnvereins - Dr. Marcus Optendrenk begrüßte im April des Jahres 2012 etwa 100 der mittlerweile 1743 Mitgliedern zur Jahreshauptversammlung im Saale Stiels-Boos. Hubert Götzkes, seit 80 Jahren Mitglied im Verein erhielt in diesem Jahr den Vereinsbestenpokal. Über 10 Jahre leitete er die Koronarsportgruppe und ist seit 15 Jahren Ehrenvorstandsmitglied. Der diesjährige Kassenbericht schloss zwar mit einem Defizit von 44000 € ab, jedoch musste das neue Clubheim in der Schulzenburg renoviert werden. Das Defizit konnte aus Rücklagen ausgeglichen werden. Der neue Vorsitzende hatte sich die Arbeit einfacher vorgestellt, wurde er jedoch durch das neue Sportförderkonzept der Stadt Nettetal nicht unerheblich gefordert.

           
               Hubert Götzkes erhält aufgrund der
               80jährigen Mitgliedschaft den
               diesjährigen Vereinbestenpokal



Der DTB (Deutscher Turner Bund) e.V. hat am 11.12.2012 dem Turnverein mitgeteilt, dass die von Manfred Albersmann verfasste Jubiläumsschrift zum 150jährigen im Wettbewerb um die beste Jubiläumsfestschrift den 1. Preis erhalten hat. Aus zahlreichen Festschriften, die beim DTB bzw. bei den Landesturnverbänden eingegangen waren, wurden insbesondere die historische Aufarbeitung der Vereinsgeschichte unter Berücksichtigung des Hintergrundes der gesellschaftlichen Entwicklung bewertet:

1. Platz TV Lobberich 1861 e.V.
Ein Einband mit vielen bunten Bildern und lachenden Vereinsmitgliedern lädt ein diese Festschrift zum 150jährigen zu öffnen. Die Geschichte des Vereins ist in verschiedene Phasen untergliedert. Deutlich wird herausgearbeitet, dass der Verein heute ein moderner Sportdienstleister ist. Dies wurde auch an den bunten Bildern illustriert, während man für die Chronik schwarz-weiße Abbildungen abgebildet hat. Die Geschichte der einzelnen Abteilungen wurde nicht separat gedruckt, sondern ist in den gesamten Text integriert. Zur Identifikation der Mitglieder trägt auch bei, dass alle, die über 40 Jahre dem Verein angehören, aufgelistet sind. (Prof. Dr. Annette R. Hofmann, DTB-Vizepräsidentin)

                             


Der erste Vorsitzende
Dr. Marcus Optendrenk begrüßte auf der Jahreshauptversammlung am 26. April 2013 98 Mitglieder. "Wer Sport treibt, tut sich auch im Leben viel leichter" - mit diesem Satz von Josef Neckermann ging er darauf ein, dass der TV Lobberich mit seinen mehr als 1700 Mitgliedern die vielfältigsten Möglichkeiten Sport zu treiben, bietet. Das aktuelle Angebot umfasst: Ballsportgruppe, Basketball (Hobbygruppe), Eltern-Kind-Turnen, Faustball, Fitness, Fußballtennis,, Handball, Kinderturnen, Koronar-/Reha-Sport, Leichtathletik, Radwandern, Senioren-Gymnastik, Shaolin/Kung-Fu, Tennis, Turnen/Gymnastik, Volleyball, Walking/Nordic-Walking, Wassergymnastik (für Sie und Er und Sie).

In seinem Jahresbericht ging er insbesondere auf das Abenteuer der 1. Handball-Damenmannschaft in der 3. Bundesliga ein. Das Vereinsheim und die Tennisanlage am Rosental wurden weiter saniert und eine Fluchtlichtanlage installiert. Kostensteigerungen in den Verbänden, bei Schiedsrichter-Entgelten, Fahrtkosten, Versicherung und die Fortbildung der Übungsleiter in den letzten 10 Jahren machten eine Beitragserhöhung von einem Euro pro Monat notwendig, die von der Mitgliederversammlung einstimmig genehmigt wurde. Aktuell gehören dem Verein 1.738 Mitglieder an (Vorjahr 1743).

Aufgrund der demografischen Entwicklung wurde die Abschaffung der bisherigen Beitragsfreistellung für Mitglieder ab 80 Jahren revidiert. Es kommen nunmehr nur noch die Mitglieder ab 80 Jahren in den Genuss der Beitragsbefreiiung, wenn sie gleichzeitig auch länger als 25 Jahre Mitglied im Verein sind.

Neue Mitglieder im Ehrenrat des Turnvereins wurden
Günter Isenberg und Margret Tüffers.        

Die Mitgliederversammlung gedachte den Verstorbenen des Vereins. Im Jahr 2012 verstarben
Edeltraud Krug, Ehrenmitglied und Ehrenratsmitglied des TV Lobberich und Theo Tillmanns, lange Jahre Leiter der "Er & Sie-Gruppe" und ebenfalls lang Jahre Leiter der Volleyball-Abteilung, der er mit viel Engagement und Herzblut zu hohem Ansehen verhalf.

Im "Blickpunkt" - der Vereinszeitschrift ist von den einzelnen Abteilungen zu lesen: Die Fußballtennis-Mannschaft sicherte sich erneut die Vizemeisterschaft in der Niederrheinliga. Die erste Mannschaft der Handball-Damen, im Jubiläumsjahr noch in die 3. Bundesliga aufgestiegen, mussten leider den Weg zurück in die Oberliga des HVN nehmen. Trotz Ausschöpfung aller vorhandenen sportlichen und organisatorischen Ressourcen war es den Damen nicht vergönnt. Auch wenn der sportliche Erfolg, gemessen am Tabellenplatz, ausblieb, haben sie sich in allen Belangen von ihrer besten Seite gezeigt und es war trotz der vielen Niederlagen eine gewaltige Leistungssteigerung während der Saison zu erkennen. Auch die 1. Herrenhandball-Mannschaft konnte den personellen Aderlass nicht kompensieren. Zu hochkarätig waren die Abgänge und somit war klar, das der TVL in der Oberliga nicht konkurrenzfähig war. Daran konnt auch Manfred Wählen als neuer Trainer der Dieter Pietralla nach 10 Jahren hervorragender Betreuung abgelöst hatte, nichts ändern; folglich Ende des Jahres durch den erfahrenen Coach und Handballexperten Jurec Tomasic abgelöst wurde.  Erfreulich ist die Entwicklung im Jugendbereich der Handballer. Zum Jahresende 2012 spielten 8 reine Mädchen-Mannschaften in den Altersklassen zwischen 5 und 18 Jahren im Meisterschaftsbetrieb. Die männliche Jugend spielt mit 8 reinen Jungen-Mannschaften. Darüber hinaus gibt es noch eine gemischte F-Jugend-Mannschaft.

Das Jahr 2012 war für die Leichtathleten recht ruhig. An Wettkämpfen im Kreis wurde jedoch regelmäßig teilgenommen, mal mit mehr und mal mit weniger Erfolg. Für die Shaolin/Kung Fu-Abteilung waren die Deutschen Meisterschaften im Jahr 2012 der Höhepunkt.
Nadina Aziz schaffte es tatsächlich zweimal auf den 1. Platz und wurde doppelte Deutsche Meisterin im Formenlauf. Dann holte Fabian Riebl ebenfalls noch den 1. Platz mit seiner neuen Stockform. Ein 4. und 5. Platz komplettierten dann das gute Ergebnis der Gruppe. Nadina Azis erhielt für ihre besonderen Leistungen den Vereinsbestenpokal für das Jahr 2013. Im Jahr 2013 feiert das Deutsche Sportabzeichen sein 100jähriges Bestehen.

Für die Erstellung der Festschrift zum 150jährigen Bestehen des TV Lobberich erhielt
Manfred Albersmann aus den Händen des 1. Vorsitzenden den Vereinsbestenpokal. Der TV Lobberich hatte die Festschrift seinerzeit für den Festschriften-Wettbewerb des Deutschen Turnerbundes eingereicht. Das gelungene Werk erhielt - wie bereits geschrieben - den ersten Preis dotiert mit 250 € als Bildungsgutschein. Der Preis wurde nun im Rahmen der Gymmotion des Rheinischen Turnerbundes in Düsseldorf überreicht.

Auf der Jahreshauptversammlung am 17. April 2015 resümierte der Vorsitzende
Dr. Marcus Optendrenk: Gemeinsam Sport treiben macht mir mehr Spaß als alleine. Ich kann zwar für mich ganz alleine mit dem Fahrrad durch unsere wunderschöne Seenlandschaft fahren oder über die Hinsbecker Höhen gehen. Aber auch das ist schöner mit jemandem zusammen. Sport bringt Menschen zusammen. Egal, ob wir das als Freizeitsportler erleben oder uns im Wettkampf mit anderen messen. Immer haben wir Kontakt zu anderen. Und es ist auch nicht wichtig, wie alt wir sind. Vom Krabbeln bis zum Seniorensport hat unser TV Lobberich für jeden etwas im Angebot. Damit das auch in Zukunft so bleibt, legen wir auch 154 Jahre nach der Gründung unseres Vereins viel Wert auf gute Jugendarbeit. Mehr als 735 Kinder und Jugendliche finden in unserem Sportverein vielfältige Möglichkeiten, ihre Talente zu entwickeln: von der Leichtathletik bis zum Handball, vom Turnen bis zum Volleyball, vom Tennis bis zum Shaolin. Und noch viel mehr. Wir sichern mit einer guten Jugendarbeit nicht nur unsere eigene Zukunft als Verein. Wir nehmen auch eine soziale Aufgabe in Nettetal wahr. Wir geben jungen Menschen Halt, Gemeinschaft und sportliche Ziele. Die vielen Mitglieder, die sich als Ehrenamtler, Übungsleiter, Schiedsrichter oder Begleiter engagieren sind dabei unverzichtbar. Ich bin froh, dass sich so viele bei uns für unseren Nachwuchs einsetzen und so ganz praktische Jugendarbeit leisten.

Die Basketballabteilung berichtet, dass mit dem Jahr 2014 ein neuer Abschnitt in der langen Geschichte der Abteilung begonnen hat. Will man doch im Herbst 2015 im Kreis Niers endlich wieder offiziell auf Korbjagd gehen.

Die Faustballabteilung - eine reine Männertruppe - ist durch Alter und Krankheit leider zusammengeschrumpft. Trotzdem wird nach wie vor mit viel Spaß und noch mehr Ehrgeiz gespielt, wenn man auch an Turnieren und Wettkämpfen teilnimmt.

Die weibliche Jugend der Handballabteilung umfasst Mädchen und junge Frauen zwischen 5 und 18 Jahren. In acht Mädchenmannschaften in den Altersklassen A - ES im Meisterschaftsbetrieb und mit einer gemischten Minimannschaft wurden Turniere gespielt. Drei Teams (A - C-Jugend) schafften es in die Oberliga. Damit wurde der Vereinsname "TV Lobberich" am Niederrhein, aber auch überregional, wahrgenommen und hat sich im Mädchenhandball einen guten Namen gemacht. In die Handballsaison 2014/15 startete die männliche Jugend mit acht Jungenmannschaften. Das Aushängeschild in der männlichen Jugend ist die A-Jugend. Sie spielt als einzige männliche Mannschaft auf HVN-Ebene und schlägt sich dort recht wacker. Die 1. Damen-Handball-Mannschaft spielte im Jahr 2014 in der Oberliga. Nachdem sich der TV von Trainer Jean Troquet getrennt hatte, übernahm Melanie Baude als Interimscoach das Oberligateam. Ihr gelang es auf der Schlussgeraden die Kräfte zu bündeln und den Abstieg zu verhindern. Zur neuen Saison 2014/15 übernahm Holger Hüller das Traineramt. Die eine oder andere Spielerin verließ den TV, so dass der Kader sehr knapp besetzt war und daher oftmals auf die Unterstützung aus der A-Jugend angewiesen war. Einziges Ziel konnte es nur sein, den Abstieg zu verhindern. Neben der ersten konnte der TV noch drei weitere Seniorenmannschaften melden. Die zweite Damen-Mannschaft spielt in der Landesliga, die dritte Mannschaft in der Bezirksliga und die vierte Mannschaft in der Kreisliga B.

Nach harten, teilweise nervenaufreibendem Kamp schaffte des die 1. Herren-Handball-Mannschaft, die Verbandsligameisterschaft zu gewinnen und den Wiederaufstieg in die Oberliga zu feiern, der höchsten Spielklasse des Handballverbandes Niederrhein. Die neue Saison begannen die Mannen um Trainer
Jurec Tomasic und dem sportlichen Leiter Markus Kintzelmann furios. Zur Überraschung aller Experten und Handballfreunde spielte der TV von Beginn der Saison an auf höchstem Nieveau. Die zweite Herren-Mannschaft kämpft im Jahre 2014 um den Verbleib in der Bezirksliga. Bei den Spielern der 3. und 4. Mannschaft steht sicherlich der Spaß im Vordergrund. Beide Mannschaften spielen in der Kreisliga.

Regelmäßig kommen wöchentlich ca. 60 Personen in der Sporthalle am Sassenfelder Kirchweg in den beiden Koronalsportgruppen (montags und mittwochs) zusammen, um Übungs- oder Laufeinheiten zu absolvieren, die von einem Ärzteteam überwacht werden. Die zwingend notwendige - weil vorgeschriebene - ärztliche Betreuung wird dabei immer schwieriger, da die Bereitschaft der Ärzte/Ärztinnen sich zur Verfügung zu stellen etwas nachgelassen hat. Frau Dr. Reulen und Frau Dr. Vermeulen stehen derzeit als einzigste ärztliche Betreuerinnen zur Verfügung.

Die Tennisabteilung meldete für den Sommer 2014 neun Mannschaften. Zu Beginn der Meden-Saison konnte noch keiner ahnen, dass diese Saison für die Tennisspieler besonders erfolgreich werden würde. So konnten die Herren-50 am 28.06.2014 den Aufstieg in die 1. Verbandsliga vermelden. Jörg Janßen, Ralf Knappe, Hans-Gerd Strucker, Günter Kenkmann, Arno Cox, Peter Schroers, Scott Steven, Stephan Remigius, Wolfgang Winter, Erwin Mausberg und Rainer Siemes waren für den perfekten Saisonverlauf verantwortlich. Die Herren-50 konnten so nach dem erfolgreichen letzten Jahr (Aufstieg in die 2. Verbandsliga) die Erfolgsgeschichte weiterführen. Für diese herausragende Leistung erhielt die Mannschaft auch den diesjährigen Vereinsbesten-Pokal. Auch die Herren 50, die Herren 30 und die 3. Damen 30 schafften in dieser Saison den Aufstieg. Im Jugendbereich der Tennisabteilung sind aktuell 75 Jugendliche gemeldet. Für den Spielbetrieb wurden vier Mannschaften in unterschiedlichen Altersklassen gemeldet. Bei den Jugend-Stadtmeisterschaften konnte der TV mit Janik Terhaag einen Stadtmeister stellen.

Im November 2015 verstirbt
Otto Tophoven, die Handball-Legende des TV im Alter von 72 Jahren. Erst im Januar hatte man Otto Tophoven für seine Verdienste um den Handballsport zum Ehrenmitglied ernannt. Seit 1954 gehörte Otto Tophoven dem TV Lobberich an. Bereits mit 12 Jahren erlernte er das Handballspiel in der C-Jugend. In der B-Jugend machte man ihn zum Torwart. In der noch immer legendären Oberliga-Handball-Mannschaft war er ein Super-Rückhalt für die Mannschaft. Später nahm er ein Angebot des TV Oppum an und spielte 2 Jahre in der ersten Bundesliga. In dieser Zeit machte er an der Sportschule Wedau die C- und B-Trainer-Lizenz. Zurück zum TV Lobberich spielte er nur noch in der zweiten Mannschaft und machte sich als Jugendtrainer für verschiedene Jugendmannschaaft nützlich. Mit der 1. Frauenmannschaft stieg er in die Oberliga und Regionalliga auf. Auch der Handballverband Niederrhein berief ihn in sein Trainerteam, wo er 25 Jahre tätig war. Anschließend noch weitere 5 Jahre in der gleichen Funktion beim Westdeutschen Handballverband. Mit 60 Jahren wollte er eigentlich die Sportschuhe an den Nagel hängen, doch es kam anders. Der VT Kempen verflichtete ihn für zwei Jahre als Trainer. 

Die Bastketballabteilung kann im Jahre 2016 auf eine erfolgreiche erste Saison zurückblicken. Die ursprüngliche Hobbymannschaft startete in der Kreisliga und erkämpfte sich im ersten Anlauf den Kreismeistertitel und spielt ab der nächsten Saison in der Bezirksliga. Die weibliche Handballjugend startete mit neun Mädchenmannschaften in die Saison 2016/2017. Die A1 spielt in der A-Jugend-Oberliga. In der männlichen Handball-Jugend startete man mit nur 5 Jungenmannschaften und einer gemischten ES-Jugend. Die erste Damen-Mannschaft spielt nach wie vor in der Oberliga. Die zweite Damenmannschaft tummelt sich in der Landesliga. Die dritte Damenmannschaft spielt in der Bezirksliga. Für diese Mannschaft hat Brigitte Houben "nach gefhlten 25 Jahren" den Trainerstab abgegeben. Für die Herrenhandballer gab es eine Neuigkeit: Nach der Saison 2015/2016 wurde eine neue Liga eingeschoben: die Nordrheinliga oberhalb der Oberliga. Das bedeutet, dass die die ersten neun Mannschaften aus dem finalen Tabellenstand in diese neue Liga aufstiegen. Leider wurde mit Erreichen des 11. Tabelleplatzes dieses zuvor gesetzte Ziel leider nicht erreicht. Der Hauptgrund lag mit Sicherheit in den vielen Verletzungen, die einige Schlüsselspieler erlitten und somit der Mannschaft jegliche Konstanz genommen wurde. Die zweite Herrenmannschaft spielt in der Bezirksliga. Die dritte Mannschaft in der Kreisliga A.

Die Tennismannschaften waren in der Saison 2016 besonders erfolgreich. Von 12 Seniorenmannschaften ist gleich 6 Mannschaften der Aufstieg in die nächst höhere Klasse gelungen. 60 Jugendliche umfasst der Nachwuchsbereich wodurch fünf Mannschaften für die Medenspiele gemeldet werden konnten.


Auf der Jahreshauptversammlung im April 2018 stelle der 1. Vorsitzende Marcus Optendrenk fest: Sport ist im Verein am Schönsten. Mit mehr als 1500 Mitgliedern stellt dies der Turnverein Lobberich unter Beweis. Darüber hinaus dankte er aber auch den vielen im Verein tätigen Ehrenamtlern, Übungsleitern und Helfern, ohne die ein so großer Verein nicht existieren kann. Das alles kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der demografische Wandel auch insgesamt den TV Lobberich erreicht hat. Die verschiedensten Freizeitangebote für Jugendliche und Erwachsene halten immer mehr – insbesondere Jugendliche – davon ab, sich vereinsmäßig zu betätigen. Hinzu kommt sicherlich auch, dass Tablet, Smarphone oder PC mittlerweile Einzug in die Kinderzimmer genommen haben.

All das macht sich mittlerweile in allen Abteilungen des Vereins bemerkbar – insbesondere in den ballspielenden Abteilung dürfte sich dies auf Dauer auf die Seniorenmannschaften negativ auswirken.

Die erste Herren-Handballmannschaft musste die Oberliga verlassen und spielt in der kommenden Saison in der Verbandsliga. Verschiedene Abgänge von Leistungsträgern waren eine der Ursachen.

Im Jahre 2017 war insgesamt ca. 50 Personen in der Koronarabteilung des TV Lobberich angemeldet.

Die Tennisabteilung vermeldet den Aufstieg der 1. Damen-Mannschaft. Die 30/1-Damen-Mannschaft erreichte den 3. Tabellenplatz. Auch die Damen 30/2 sicherten sich in dieser Saison den Aufstieg; dabei wollten die Damen nicht nur sportlich punkten: mit Pink Ribbon Deutschland machten sie als erste Tennismannschaft in Deutschland auf die Wichtigkeit der Früherkennung von Brustkrebs aufmerksam. Die Herren 30/1 beendeten ungeschlagen die Medensaison und stiegen in die 2. Verbandsliga auf. Auch die Herren 30/2 stiegen in die Bezirksklasse B auf.

             
                           Tennis Damen 30/2 pink

Auch in anderer Hinsicht macht die Tennisabteilung im TV Lobberich von sich reden: Sport und Integration: Seit nunmehr 2 Jahren gibt Roland Geratz (ehemaliger Tennistrainer) – vielen sicherlich noch von der erfolgreichen Handballmannschaft der 6oiger Jahre bekannt – für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge auf der Tennisanlage des Turnvereins Tennisunterricht. Der Turnverein stellt einmal pro Woche einen Tennisplatz einschließlich Bälle zur Verfügung. Eine sehr gelungene Art der Integration.

Nach 30 Jahren Wassergymnastik hat der Landesportbund am 13. 10. 2017 das Schwimmbad geschlossen. Das Becken wird durch Reparaturen zu teuer und der LSB möchte andere Wege gehen. Ca. 80 Männer und Frauen nahmen an der Wassergymnastik teil. Ersatz konnte leider nicht gefunden werden. Dennoch trifft sich die gemischte Truppe nach wie vor zu Gymnastikstunden.

In seiner Begrüßungsrede auf der Jahreshauptversammlung im April 2019 ging der 1. Vorsitzende Dr. Marcus Optendrenk zunächst auf das „Clubhaus“ des TV im Rosental ein. Er sprach von „unser aller Clubhaus“ – denn dieses Clubhaus hätte nicht nur eine ausgesprochen liebenswerte und gute Bewirtung, wäre nicht nur ein ein Haus, in dem dem größere Veranstaltungen stattfinden könnten. Mit dem Clubhaus der Verein, ein Haus, indem sich Sportler aus allen Abteilungen treffen – und in Zukunft vielleicht sogar noch häufiger – könnten. In den letzten Jahren wurde in das Vereinsheim kräftig investiert. Nicht nur in Umkleideräume für die Tennisspieler und in eine neue Beleuchtung für den Hauptraum, oder die Anschaffung einer großen Sonnen-Markise und in eine Beleuchtung für den Außenweg und in die bessere Möglichkeit, Fahrräder abzustellen. Im Frühjahr 2019 hat der Verein mit finanzieller Unterstützung durch die Stadt Nettetal die große Terrasse saniert, oder besser gesagt „neu gebaut“. Nach gut dreißigjähriger Nutzung (das Vereinsheim wurde noch von dem alten Tennisclub Grün-Weiß Lobberich errichtet) gab es so viele Schadstellen (Schimmelbefall, Wasserschäden etc.) dass eine alleinige Sanierung die gesamte Gebäudesubstanz gefährdet hätte.
Marcus Optendrenk führte aus, dass ein schönes Vereinsleben ein Miteinander braucht, und ein Miteinander braucht die Möglichkeit, sich zu begegnen.

                           
                                        Die neue Terrasse am Vereinsheim

Den einzelnen Abteilungsberichten ist wieder eine rege Tätigkeit der Mitglieder in den einzelnen Abteilungen zu entnehmen. Die Handballabteilung berichtet, dass in der weiblichen Jugend insbesondere unter den Folgen des demografischen Wandels leidet. Für den Vereinssport steht Nachwuchs nicht mehr so zur Verfügung, wie in der Vergangenheit. Man hat den Eindruck, dass selbst der Handball den „Wettstreit“ der verschiedenen Freizeitangebote um Kinder und Jugendliche oftmals verliert. In den letzten Jahren konnte der TV Lobberich die Lücken im Jugendbereich durch auswärtige Spielerinnen ausgleichen. Früher gelang dies aufgrund einer durchaus vorhandenen Vormachtstellung des TV Lobberich am linken Niederrhein. Diese hat aber der TV in den letzten Jahren immer mehr verloren. Dabei ist besonders tragisch, dass nur noch in drei Altersklassen im Mädchenbereich die Mannschaften ausreichend besetzt werden konnten. Lediglich in der A-, C- und D-Jugend wurde am Meisterschaftsbetrieb teilgenommen. In der B-, E- und F-Jugend war der TV Lobberich leider nicht mehr vertreten. Damit hat sich die negative Entwicklung der vergangenen Jahre verstetigt und dürfte nicht ohne negative Auswirkungen auf die Entwicklung im Damen-Handball bleiben. Bei der männlichen Jugend sieht es etwas besser aus. Erneut konnte man mit 5 Jungenmannschaften und einer gemischten ES-Mannschaften in die Saison starten. Erstmals konnten wieder in allen Altersklassen eine Mannschaft gemeldet werden.

Die 1. Damen-Handballmannschaft mit ihrem Trainer Marcel Schatten spielt nach wie vor in der Oberliga. Die zweite Mannschaft spielt in der Verbandsliga. Die dritte Mannschaft musste leider in die Kreisliga A absteigen. Nach dem Oberliga-Abstieg in der Saison 2016/17 schaffte die 1. Herren-Handballmannschaft um den neuen Trainer Christopher Liedtke in der Saison 2018/19 den direkten Wiederaufstieg. Grundlage für den Aufstieg war eine überragende Hinrunde in der Verbandsliga. Die zweite Mannschaft spielt in der Bezirksliga und die dritte Mannschaft in der Kreisliga A.

Aus dem Kinderturnbereich wird berichtet, dass veränderte Umwelt- und Lebensbedingungen dazu geführt haben, dass Kindern immer mehr Raum zum freien Erproben ihrer Bewegungsmöglichkeiten und Fähigkeiten zur Verfügung stehen. Gewisse Mängel in der individuellen Bewegungsentwicklung werden immer häufiger festgestellt. Bewegung ist daher für eine gesunde körperliche Entwicklung von großer Bedeutung. Das Turnen ermöglicht sicherlich eine Vielfalt von Bewegungsformen (balancieren, laufen, klettern, hüpfen, springen und noch vieles mehr).

Aus der Shaolin/Kung Fu-Abteilung wird berichtet, dass Abteilungsleiter Peter Mann vom Verband der 6. Dan/Toan verliehen wurde und sich somit „Großmeister“ nennen darf.


Die Tennisabteilung berichtet, dass insgesamt 12 Mannschaften für die Medenspiel-Saison gemeldet werden konnten. Vier Damen. und acht Herren-Mannschaften absolvierten ihre Medenspiel mit unterschiedlichem Erfolg. Dazu kommen noch einmal 5 Jugendmannschaften. Aus dem Jugendbereich konnte Sofia Hoftych den Stadtmeistertitel erringen. Bei den Kreismeisterschaften konnte Marcel Lentzen bei den Herren 40 den Titel verteidigen. An der Seite seines Partners, Carsten Czechau sicherte er sich auch den Doppel-Titel. Bei den Herren 50 errang Jörg Janßen den Kreismeistertitel.